Viele Versicherungsmakler gründen ihr Unternehmen mit einer klaren Vorstellung: Kunden beraten, Risiken absichern und langfristige Beziehungen aufbauen. In den ersten Jahren funktioniert dies häufig auch ohne feste Strukturen. Der Inhaber kennt jeden Kunden persönlich, verwaltet die wichtigsten Informationen selbst und steuert das Unternehmen aus dem Tagesgeschäft heraus.

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Mit zunehmendem Wachstum stößt dieses Modell jedoch an seine Grenzen. Die Anzahl der Kunden steigt, die Verträge werden komplexer, gesetzliche Anforderungen nehmen zu und die Digitalisierung verändert die Erwartungen von Kunden und Mitarbeitern. Spätestens dann wird deutlich: Der Erfolg eines Maklerunternehmens hängt nicht allein von fachlicher Kompetenz ab, sondern zunehmend von einer professionellen Struktur- und Prozessgestaltung.

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Der @AssekuranzDoc

Der @AssekuranzDoc

Dr. Peter Schmidt ist Experte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als @AssekuranzDoc.

Wann sollte man mit der Strukturierung beginnen?

Die Antwort lautet: so früh wie möglich.

Viele Makler beschäftigen sich erst dann mit Prozessen, wenn Probleme bereits sichtbar werden. Termine werden vergessen, Kundenanfragen bleiben liegen, Mitarbeiter arbeiten unterschiedlich und der Überblick über den Bestand geht verloren. Häufig fällt dies erst auf, wenn ein Mitarbeiter ausscheidet, das Unternehmen wachsen soll oder eine Nachfolge geplant wird.

Tatsächlich sollte die Strukturierung bereits in der Aufbauphase eines Maklerunternehmens beginnen. Wer von Anfang an ein modernes Maklerverwaltungsprogramm nutzt, Zuständigkeiten definiert und wiederkehrende Abläufe dokumentiert, schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Je früher Standards eingeführt werden, desto leichter lassen sie sich im Unternehmen verankern.

Warum sind Prozesse so wichtig?

Jeder erfolgreiche Maklerbetrieb besteht aus einer Vielzahl wiederkehrender Abläufe. Dazu gehören die Neukundengewinnung, die Bedarfsermittlung, die Beratung, die Dokumentation, die Vertragsverwaltung, die Schadenbearbeitung oder die Durchführung von Jahresgesprächen.

Werden diese Prozesse nicht bewusst gestaltet, entstehen häufig Ineffizienzen. Mitarbeiter erledigen dieselbe Aufgabe auf unterschiedliche Weise, wichtige Informationen gehen verloren und die Qualität der Kundenbetreuung hängt zu stark von einzelnen Personen ab.

Gut definierte Prozesse schaffen dagegen Transparenz, Qualität und Effizienz. Sie reduzieren Fehler, erleichtern die Einarbeitung neuer Mitarbeiter und sorgen dafür, dass Kunden unabhängig von einzelnen Personen einen gleichbleibend hohen Service erhalten.

Wie sollte man vorgehen?

Der erste Schritt besteht darin, die wichtigsten Kernprozesse des Unternehmens zu identifizieren. Dazu gehören nach meinen Erfahrungen insbesondere:

  • Neukundengewinnung
  • Beratungsprozess
  • Abschlussprozess
  • Vertragsverwaltung
  • Schadenmanagement
  • Kundenpflege und Jahresgespräche
  • Beschwerdemanagement
  • Bestandsanalyse und Controlling

Im zweiten Schritt sollten diese Prozesse dokumentiert werden. Dabei geht es nicht um umfangreiche Handbücher, sondern um klare und nachvollziehbare Ablaufbeschreibungen. Wer macht was? Wann? Mit welchen Hilfsmitteln? Welche Ergebnisse werden erwartet? Dazu empfehle ich in den Beratungen für meinen Mandanten unter Jungmaklerinnen und Jungmaklern, immer wenn ein Prozess anliegt, diesen nicht nur zu erledigen, sondern diesen auch im Ablauf und der Art und Weise zu definieren.

Im dritten Schritt erfolgt die Digitalisierung und Automatisierung. Moderne Maklerverwaltungsprogramme bieten heute zahlreiche Möglichkeiten, Wiedervorlagen, Dokumentenmanagement, Datentransfers und Kommunikationsprozesse zu automatisieren. Zunehmend kommen auch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz hinzu, die Dokumente analysieren, Kundenanfragen vorsortieren oder Beratungsansätze vorbereiten können.

Die Vorgehensweise haben wir resultierend aus unseren Erfahrungen in nachfolgender Grafik aufgezeigt:

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Strukturierte Unternehmen erzielen höhere Unternehmenswerte

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Auswirkung auf den Unternehmenswert. Käufer von Maklerbeständen und Maklerunternehmen erwerben nicht nur Courtageeinnahmen, sondern auch die dahinterliegenden Strukturen.

Ein Unternehmen mit sauber gepflegten Daten, dokumentierten Prozessen, hoher Digitalisierungsquote und klaren Verantwortlichkeiten ist deutlich attraktiver als ein Betrieb, der ausschließlich vom Wissen des Inhabers lebt.

Gerade bei Nachfolgeprozessen zeigt sich regelmäßig, dass gut strukturierte Unternehmen höhere Kaufpreise erzielen und leichter übergeben werden können. Für potenzielle Käufer sinken Risiken, Einarbeitungsaufwand und Abhängigkeiten von einzelnen Personen.

Fazit

Struktur- und Prozessgestaltung sind keine Themen für große Unternehmen. Sie gehören zu den wichtigsten Führungsaufgaben eines jeden Maklers. Wer frühzeitig klare Abläufe schafft, moderne Systeme nutzt und sein Unternehmen systematisch organisiert, erhöht nicht nur die Effizienz im Alltag. Er steigert gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit, den Unternehmenswert und die Chancen auf eine erfolgreiche Nachfolge.

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Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob ein Maklerunternehmen Strukturen und Prozesse benötigt, sondern wie lange man sich leisten kann, auf sie zu verzichten.