Hintergrund: Solvenzquoten geben Auskunft darüber, wie gut ein Versicherer auf schwerwiegende Krisenszenarien vorbereitet ist. Grundlage ist ein theoretisches Extremereignis, das statistisch nur einmal in 200 Jahren auftritt – etwa außergewöhnliche Kostensteigerungen, Kapitalmarktverwerfungen oder andere Belastungen. Um solche Szenarien rechnerisch abzusichern, schreibt das Aufsichtsrecht eine Mindestquote von 100 Prozent vor. Sie bedeutet: Der Versicherer verfügt genau über die Eigenmittel, die zur Absicherung dieses Risikos erforderlich wären.

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Für Kunden der privaten Krankenversicherung sind meist andere Fragen entscheidend: Wie stabil entwickeln sich die Beiträge? Wie leistungsfähig sind die Tarife? Antworten darauf liefert die Solvenzquote nur teilweise. Dennoch gehört sie zu den wichtigsten Kennzahlen der Branche, weil sie zeigt, über welche Kapitalreserven ein Unternehmen verfügt, um unerwartete Belastungen aufzufangen.

Anders als in der Lebensversicherung standen die Solvenzquoten der privaten Krankenversicherer während der Niedrigzinsphase allerdings selten im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Während Lebensversicherer unter dem Druck langfristiger Garantieverpflichtungen litten und ihre Solvenzquoten teilweise nur mithilfe regulatorischer Übergangsmaßnahmen stabilisieren konnten, verfügt die private Krankenversicherung über andere Steuerungsmechanismen. Insbesondere können Krankenversicherer auf veränderte Kostenentwicklungen grundsätzlich durch Beitragsanpassungen reagieren. Belastungen schlagen deshalb nicht in gleicher Weise auf die Solvenz durch wie in der Lebensversicherung.

Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, Solvenzquoten für PKV-Kunden als bedeutungslos abzutun. Hohe Kapitalreserven können dazu beitragen, außergewöhnliche Belastungen aufzufangen und eröffnen den Unternehmen zusätzliche Handlungsspielräume. Umgekehrt gilt jedoch auch: Die Beitragsentwicklung hängt vor allem von der Entwicklung der Gesundheitskosten, der Versichertenstruktur und den versicherungsmathematischen Kalkulationen ab. Aus einer hohen Solvenzquote allein lassen sich daher keine Rückschlüsse auf die künftige Beitragsstabilität ziehen.

Gleichwohl lohnt ein Blick auf die Kapitalausstattung der Branche. Laut aktuellem MAP-Report 944 von Franke und Bornberg erreicht die private Krankenversicherung 2025 eine durchschnittliche Basis-SCR-Quote von 480,2 Prozent und liegt damit deutlich über den regulatorischen Anforderungen. Kritische Entwicklungen wie die zeitweise sehr niedrigen Solvenzquoten einzelner Lebensversicherer sind in der PKV derzeit nicht zu beobachten.

Versicherungsbote stellt im Folgenden die zehn größten privaten Krankenversicherer nach verdienten Bruttobeiträgen des Jahres 2025 vor und zeigt, wie hoch deren Solvenzquoten ausfallen. Neben den Daten des MAP-Reports 944 werden ergänzend Kennzahlen aus dem Branchenmonitor Kranken herangezogen, um die Geschäftsmodelle der Unternehmen besser einordnen zu können. Dabei wird insbesondere betrachtet, welcher Anteil der Beiträge auf die Krankenvollversicherung, die Pflegepflichtversicherung sowie auf Zusatz- und Ergänzungsversicherungen entfällt. Da sich die Angaben des Branchenmonitors jedoch auf das Geschäftsjahr 2024 beziehen, ermöglichen sie keine exakte Abbildung der aktuellen Bestandsstruktur. Sie liefern jedoch eine belastbare Annäherung an das jeweilige Geschäftsmodell und erleichtern die Einordnung der Solvenzquoten.

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Der aktuelle MAP-Report 944, der die Solvenzquoten der Jahre 2016 bis 2025 für die Bereiche Kranken-, Lebens- und Kompositversicherung auswertet, kann kostenpflichtig über die Webseite von Franke und Bornberg bezogen werden.