Die deutschen Sozialversicherungen stehen nach Einschätzung des Sachverständigenrates Wirtschaft massiv unter Druck. In ihrem Frühjahrsgutachten 2026 warnen die Wirtschaftsweisen vor deutlich steigenden Beiträgen in Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Der Sachverständigenrat sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf und bringt eine Reihe politisch brisanter Vorschläge ins Spiel: die Abschaffung des Ehegattensplittings, das Ende von Minijobs, Einschränkungen bei Pflegeleistungen sowie eine stärkere Einbindung von Beamten in die gesetzliche Krankenversicherung. Darüber berichtet das Online-Portal "Table.Briefings"

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Der demografische Wandel werde die Finanzierung der Sozialversicherungen in den kommenden Jahren massiv belasten, heißt es im Gutachten. Bereits heute liege der Gesamtsozialversicherungsbeitrag bei 42,3 Prozent. Bis 2030 erwarten die Experten einen Anstieg auf 45,4 Prozent, bis 2040 sogar auf 49,7 Prozent. Die Folgen wären gravierend. Höhere Sozialabgaben würden die Nettoeinkommen der Haushalte schmälern, Konsum und Erwerbsanreize dämpfen sowie Unternehmen durch steigende Arbeitskosten belasten. Der Sachverständigenrat geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt dadurch bis 2035 um bis zu 0,9 Prozent niedriger ausfallen könnte.

Um die Einnahmenbasis der Sozialversicherungen zu stabilisieren, empfehlen die Wirtschaftsweisen unter anderem eine höhere Erwerbsbeteiligung. Konkret nennen sie dabei die Abschaffung des Ehegattensplittings und der Minijobs. Ziel sei es insbesondere, Zweitverdiener stärker in reguläre Beschäftigung zu bringen.

Zusätzlich schlagen die Wirtschaftsweisen vor, die Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Krankenversicherung zu prüfen. Dadurch könne die Finanzierungsbasis der GKV gestärkt werden. Zugleich regen die Experten an, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern ohne Kindererziehung zu überdenken. Dies könne sowohl die Einnahmen der GKV stabilisieren als auch die Erwerbsanreize für Zweitverdienende erhöhen.

Pflegeversicherung vor tiefgreifenden Einschnitten

Besonders kritisch beurteilt der Sachverständigenrat die Lage der sozialen Pflegeversicherung. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt kontinuierlich, während immer weniger Beitragszahler die Lasten finanzieren müssen. Die Wirtschaftsweisen schlagen deshalb vor, den Zugang zu Leistungen restriktiver zu gestalten. So soll der Pflegebedürftigkeitsbegriff überprüft und stärker an fachlichen Empfehlungen ausgerichtet werden. Das könnte die Zahl der Anspruchsberechtigten reduzieren und durchschnittliche Pflegegrade senken.

Zudem empfehlen die Experten, wenig zielgenaue Leistungen wie den Leistungszuschlag in stationären Einrichtungen oder den Entlastungsbetrag abzuschaffen. Auch Einkommen und Vermögen sollen künftig stärker zur Finanzierung der Pflege herangezogen werden.

Parallel dazu verdichten sich Hinweise auf weitere Beitragserhöhungen in der Pflegeversicherung. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, plant Gesundheitsministerin Nina Warken offenbar, den Zuschlag für Kinderlose um weitere 0,1 Prozentpunkte anzuheben. Das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) rechnet dadurch mit Mehreinnahmen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Für kinderlose Durchschnittsverdiener würde der Beitrag laut Berechnungen um rund 13 Euro monatlich steigen.

Allerdings bleibt der Effekt begrenzt. Denn allein in den kommenden zwei Jahren erwartet das Gesundheitsministerium ein Defizit der Pflegeversicherung von rund 22,5 Milliarden Euro.

Gesundheitskosten steigen schneller als Einnahmen

Auch in der gesetzlichen Krankenversicherung sehen die Wirtschaftsweisen erheblichen Reformbedarf. Die GKV-Ausgaben seien zwischen 2005 und 2025 preisbereinigt um rund 64 Prozent gestiegen, während die beitragspflichtigen Einnahmen nur um knapp 31 Prozent zunahmen. Besonders stark wachsen laut Gutachten die Kosten für Krankenhausbehandlungen und Arzneimittel. Gleichzeitig liege Deutschland trotz hoher Gesundheitsausgaben bei wichtigen Gesundheitsindikatoren lediglich im OECD-Durchschnitt.

Die Wirtschaftsweisen fordern deshalb unter anderem mehr Prävention, strengere Qualitätsvorgaben für Kliniken sowie höhere Steuern oder Mindestpreise auf Tabak, Alkohol und stark zuckerhaltige Lebensmittel. Die schwierige Lage der Sozialversicherungen trifft auf eine ohnehin schwächelnde Wirtschaft. Der Sachverständigenrat erwartet für Deutschland 2026 lediglich ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Belastet werde die Konjunktur unter anderem durch hohe Energiepreise, geopolitische Spannungen und schwache Exporte.