Wie KI die Arbeitswelt der Versicherer verändert
Künstliche Intelligenz verändert die Versicherungsbranche grundlegend. Versicherungs-CEOs weltweit sehen KI inzwischen als wichtigste Zukunftstechnologie der Branche. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass der Erfolg nicht allein von Algorithmen, sondern vom Zusammenspiel von Mensch und Maschine abhängt.

Künstliche Intelligenz ist für die Chefetagen der Versicherungswirtschaft längst mehr als ein Technologietrend. Laut dem neuen Sollers-Report „Künstliche Intelligenz und der menschliche Faktor“ sehen CEOs weltweit KI als die derzeit wichtigste Technologie für die Branche. Dabei geht es den Führungskräften nicht nur um Effizienzsteigerungen oder Automatisierung. Der Report macht deutlich, dass KI die Versicherungswirtschaft sowohl operativ als auch im menschlichen Miteinander grundlegend verändern wird.
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Die Studie basiert auf Interviews mit elf Vorstandschefs internationaler Versicherungsunternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, Australien, Kanada, der Schweiz und Slowenien. Unter den Gesprächspartnern waren unter anderem VKB-Chef Prof. Dr. Frank Walthes, Helvetia-Deutschland-CEO Dr. Jürg Schiltknecht sowie Führungskräfte von QBE, CNP Assurances, Markel Insurance oder Intact UK&I.
Im Zentrum vieler Aussagen steht die zunehmende operative Bedeutung von KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Versicherer setzen die Technologie bereits heute verstärkt in Bereichen wie Underwriting, Pricing, Schadenbearbeitung oder Kundenservice ein. „KI steigert bereits heute die Effizienz, insbesondere bei der Verarbeitung unstrukturierter Daten“, betont Sollers-Präsident und Mitbegründer Michał Trochimczuk. Kostenkontrolle werde künftig entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Versicherer sein. Dafür brauche es „Investitionen in Automatisierung, vereinfachte Standardarchitekturen, moderne Tarifierungssysteme und intelligente Risikoselektion“.
Gleichzeitig zeigt der Report, dass viele CEOs die Debatte um KI deutlich breiter führen als rein technologisch. Besonders stark rückt die Auswirkung auf Mitarbeiter und Unternehmenskultur in den Fokus. Der Wandel der Arbeitswelt gilt für viele Versicherungsmanager inzwischen als eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre.
„Mehrere CEOs sehen in der Transformation der Belegschaft eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre“, erklärt Sollers-Mitbegründer Marcin Pluta. Die Interviewpartner widersprächen dabei ausdrücklich der Vorstellung, dass KI zwangsläufig Arbeitsplätze vernichte. Vielmehr verschieben sich Aufgaben und Rollen zunehmend in Richtung technologischer, analytischer und strategischer Tätigkeiten. KI würde damit künftig tief in sämtliche Geschäftsbereiche integriert sein. Besonders generative KI dürfte nach Einschätzung der CEOs zahlreiche Prozesse verändern. Von Produktentwicklung und Tarifierung bis hin zur automatisierten Schadenregulierung und Kundenkommunikation sei KI einsetzbar. Auch das Risikomanagement steht vor einem grundlegenden Wandel. Technologien ermöglichen es Versicherern zunehmend, Risiken schneller und präziser zu quantifizieren. Dennoch bleibe menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar. Datenbasierte Ergebnisse müssten weiterhin eingeordnet, interpretiert und verantwortungsvoll umgesetzt werden.
Auffällig ist dabei die vergleichsweise ausgewogene Haltung vieler Führungskräfte. Trotz des großen Potenzials warnen sie davor, KI isoliert als reine Effizienzmaschine zu betrachten. Vielmehr müsse die Technologie sinnvoll mit Unternehmenskultur, Verantwortung und menschlicher Interaktion verbunden werden.
Der Sollers-Report kommt deshalb zu einem klaren Fazit: Die Zukunft der Versicherungsbranche werde nicht allein durch intelligentere Systeme entschieden. Vielmehr geschehe dies durch die Fähigkeit der Unternehmen, KI, Menschen und Unternehmenszweck in Einklang zu bringen.
