Rechtsschutzversicherung: Die größten Bestandsverluste
Der Rechtsschutzmarkt wächst bei einer Mehrheit der Anbieter – allerdings kämpfen acht Unternehmen mit einem Rückgang im Bestand. Versicherungsbote stellt diese Bestandsverlierer mit ausgewählten Kennzahlen vor.

- Rechtsschutzversicherung: Die größten Bestandsverluste
- Achtgrößter Verlust: R+V Allgemeine (minus 1.676 Verträge)
- Siebtgrößter Verlust: Badische Rechtsschutz (minus 1.858 Verträge)
- Sechsgrößter Verlust: ADVOCARD Rechtsschutz (minus 7.654 Verträge)
- Fünftgrößter Verlust: Neue Rechtsschutz (minus 8.342 Verträge)
- Viertgrößter Verlust: DEVK Rechtsschutz (minus 12.001 Verträge)
- Drittgrößter Verlust: DEURAG Rechtsschutz (minus 18.841 Verträge)
- Zweitgrößter Verlust: ADAC Versicherung (minus 39.730 Verträge)
- Größter Verlust: Ergo (minus 53.376 Verträge)
Nach mehreren Ausnahmejahren hat die Rechtsschutzversicherung 2024 erkennbar in ein stabileres Fahrwasser zurückgefunden. Die Belastungen aus großen Klagewellen liegen hinter der Branche, die wirtschaftliche Lage wirkt wieder berechenbarer. Das zeigt sich vor allem an der durchschnittlichen Schaden-Kosten-Quote: Sie liegt 2024 bei 90,34 Prozent und damit klar unter der kritischen Marke von 100 Prozent. Zum Vergleich: Im Corona-Jahr 2020 hatte sie noch 101,87 Prozent erreicht. Die Sparte arbeitet damit wieder in einem auskömmlichen Bereich.
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Diese Normalisierung schlägt sich auch in den Beitragseinnahmen nieder. Im Durchschnitt der 25 größten Anbieter steigen die verdienten Bruttoprämien von 211,94 Millionen Euro auf 223,03 Millionen Euro je Gesellschaft, was einem Zuwachs von 5,2 Prozent entspricht. Gleichzeitig verteuert sich der Versicherungsschutz weiter. Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 196,16 Euro im Vorjahr auf 204,76 Euro im Jahr 2024 und überschreitet damit erstmals klar die Marke von 200 Euro. Das Plus von 8,60 Euro beziehungsweise 4,4 Prozent spricht für spürbare Prämienanpassungen, mit denen die Anbieter auf gestiegene Kosten reagieren.
Beim Bestandswachstum zeigt sich allerdings ein differenzierteres Bild. Zwar legt der durchschnittliche Vertragsbestand der 25 größten Rechtsschutzversicherer 2024 nur leicht zu, und zwar von 1.108.609 auf 1.115.437 Policen je Anbieter. Das entspricht einem Wachstum von 0,68 Prozent. Im Unterschied zu vielen anderen Kompositsparten verteilt sich dieses Plus jedoch vergleichsweise breit über den Markt: 17 der 25 größten Versicherer bauen ihre Bestände aus. Der Rechtsschutz wächst damit weiter, aber nicht mehr dynamisch, sondern in einem reiferen und stärker ausbalancierten Marktumfeld.
Rückgänge im wachsenden Markt: Verschiebungen statt Krise
Trotz des insgesamt stabilen Marktumfelds zeigt sich 2024 auch eine gegenläufige Entwicklung. Acht der 25 größten Rechtsschutzversicherer verzeichnen rückläufige Vertragsbestände. Diese Verluste stehen jedoch nicht für eine Schwäche der Sparte insgesamt. Vielmehr spiegeln sie Verschiebungen innerhalb eines weiterhin wachsenden Marktes wider, in dem sich Marktanteile neu verteilen.
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Auffällig ist dabei, dass die Bestandsrückgänge häufig nicht mit wirtschaftlichen Einbußen einhergehen. Im Gegenteil: Bei mehreren betroffenen Anbietern steigen die Prämieneinnahmen trotz sinkender Vertragszahlen weiter an. Dahinter steht ein struktureller Wandel der Sparte. Wachstum wird zunehmend nicht mehr über zusätzliche Policen generiert, sondern über höhere Beiträge je Vertrag. Anpassungen im Preisniveau, selektivere Zeichnung oder Veränderungen im Vertrieb führen dazu, dass einzelne Bestände schrumpfen, während die Ertragsbasis stabil bleibt oder sogar wächst. Versicherungsbote stellt die acht Bestandsverlierer mit ausgewählten Kennzahlen vor und ordnet die Ergebnisse ein.
Achtgrößter Verlust: R+V Allgemeine (minus 1.676 Verträge)
Der Bestandsrückgang der R+V Allgemeinen fällt 2024 äußerst gering aus. Die Zahl der Verträge sinkt von 867.463 auf 865.787 Policen – ein Minus von 1.676 Verträgen beziehungsweise rund 0,2 Prozent. Damit bleibt die Gesellschaft auf Rang 13 stabil im Mittelfeld der Branche positioniert.
Im Kontext der insgesamt nur leicht wachsenden Sparte ist diese Entwicklung wenig auffällig. Vielmehr bewegt sich die R+V weiterhin auf einem über Jahre gewachsenen Bestandsniveau. Gegenüber 2019 mit 824.109 Verträgen ergibt sich nach wie vor ein Plus von 41.678 Policen beziehungsweise rund 5,1 Prozent.
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Prämienwachstum: Entwicklung über den Wert je Vertrag
Parallel dazu setzt sich die wirtschaftliche Entwicklung nahezu ungebremst fort. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 200,67 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 207,07 Millionen Euro im Jahr 2024, was einem Zuwachs von 3,2 Prozent entspricht. Seit 2019 liegt das Prämienwachstum bei rund 17,9 Prozent. Der leichte Bestandsrückgang und das steigende Beitragsvolumen stehen damit nicht im Widerspruch, sondern folgen derselben Logik: Wachstum erfolgt zunehmend über höhere Beiträge je Vertrag.
Dieses Muster zeigt sich auch im Preisprofil. Mit einer Durchschnittsprämie von 239,39 Euro liegt die R+V nicht nur deutlich über dem Branchenschnitt von 204,76 Euro, sondern gehört auch zu den fünf teuersten Anbietern im Markt. Entscheidend ist dabei die Entwicklung über die Jahre: 2019 lag die Durchschnittsprämie noch bei 212,40 Euro, 2023 bereits bei 230,28 Euro und steigt 2024 weiter an. Insgesamt ergibt sich damit ein Zuwachs von 26,99 Euro beziehungsweise rund 12,7 Prozent seit 2019.
Preisprofil und Einordnung: stabiles Geschäft im oberen Segment
Der Anstieg der Durchschnittsprämien verläuft damit klar parallel zur Entwicklung der Beitragseinnahmen und erklärt, warum die Prämien trotz leicht rückläufigem Bestand wachsen. Ergänzend zeigt der Blick auf die Schadenaufwendungen je Vertrag mit 138,68 Euro (sechsthöchster Wert im Markt), dass die R+V in einem leistungsintensiveren Segment operiert.
Der minimale Bestandsrückgang ist vor diesem Hintergrund kein strukturelles Signal, sondern Teil einer stabilen Entwicklung. Die R+V behauptet ihre Marktposition und wächst vor allem über den Wert je Vertrag, nicht über zusätzliche Stückzahlen.
Siebtgrößter Verlust: Badische Rechtsschutz (minus 1.858 Verträge)
Der Bestandsrückgang der Badischen Rechtsschutz fällt 2024 bereits etwas deutlicher aus als im Fall der R+V, bleibt aber insgesamt moderat. Die Vertragszahl sinkt von 157.809 auf 155.951 Policen – ein Minus von 1.858 Verträgen beziehungsweise rund 1,2 Prozent. Damit zählt die Gesellschaft zu den kleineren Anbietern der Sparte und belegt Rang 23 von 25.
Im Unterschied zu vielen anderen Anbietern zeigt sich der Rückgang hier jedoch auch im längerfristigen Vergleich. Gegenüber 2019 mit 171.163 Verträgen ergibt sich ein Minus von 15.212 Policen beziehungsweise rund 8,9 Prozent. Der Bestandsabbau ist damit kein kurzfristiger Effekt, sondern Teil einer über mehrere Jahre anhaltenden Entwicklung.
Prämienwachstum: Stabilisierung über steigende Beiträge
Gleichzeitig entwickelt sich die Prämienseite stabil. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 24,06 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 25,05 Millionen Euro im Jahr 2024, was einem Zuwachs von 0,99 Millionen Euro beziehungsweise 4,1 Prozent entspricht. Auch im Vergleich zu 2019 (23,48 Millionen Euro) ergibt sich ein Plus von rund 6,7 Prozent.
Der Rückgang im Bestand und das Wachstum der Prämien verlaufen damit – wie in der Sparte insgesamt – entlang derselben Logik: Die wirtschaftliche Entwicklung wird zunehmend über höhere Beiträge je Vertrag getragen.
Preisprofil und Einordnung: moderates Segment mit rückläufigem Bestand
Dieses Muster zeigt sich auch im Preisprofil. Die Durchschnittsprämie steigt von 137,33 Euro im Jahr 2019 über 153,08 Euro im Jahr 2023 auf 162,37 Euro im Jahr 2024. Insgesamt ergibt sich damit ein Anstieg um 25,04 Euro beziehungsweise rund 18,2 Prozent. Dennoch bleibt die Badische klar unter dem Branchenschnitt von 204,76 Euro positioniert. Im Preisranking sind 20 Anbieter teurer, nur vier günstiger. Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 112,93 Euro im Mittelfeld des Marktes und deuten auf ein eher standardisiertes Geschäftsprofil ohne auffällige Risikokonzentration hin.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Bestandsrückgang schlüssig einordnen. Die Badische bewegt sich in einem preislich moderaten Segment, steigert ihre Beitragseinnahmen, verliert aber über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich Verträge. Das spricht für einen anhaltenden Anpassungsprozess im Bestand, bei dem Wachstum nicht über zusätzliche Policen, sondern über eine schrittweise Aufwertung des verbleibenden Portfolios erfolgt.
Sechsgrößter Verlust: ADVOCARD Rechtsschutz (minus 7.654 Verträge)
Die ADVOCARD Rechtsschutz – als Tochter der Generali einer der bekanntesten Spezialversicherer der Sparte und oft als „Anwalts Liebling“ positioniert – verzeichnet 2024 einen moderaten Bestandsrückgang. Die Zahl der Verträge sinkt von 1.402.025 auf 1.394.371 Policen, was einem Minus von 7.654 Verträgen beziehungsweise rund 0,5 Prozent entspricht. Damit bleibt ADVOCARD dennoch ein Schwergewicht der Branche und belegt weiterhin Rang 8 nach Bestandsgröße.
Im längerfristigen Vergleich setzt sich damit ein leichter Abwärtstrend fort. Gegenüber 2019 mit 1.416.849 Verträgen ergibt sich ein Rückgang um 22.478 Policen beziehungsweise rund 1,6 Prozent. Die Bewegung bleibt damit insgesamt moderat, zeigt aber eine gewisse strukturelle Stagnation auf hohem Niveau.
Prämienwachstum: starke Entwicklung trotz rückläufigem Bestand
Parallel dazu entwickelt sich die wirtschaftliche Seite deutlich dynamischer. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 292,79 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 304,95 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 12,16 Millionen Euro beziehungsweise 4,2 Prozent. Gegenüber 2019 (267,98 Millionen Euro) ergibt sich sogar ein Anstieg um rund 13,8 Prozent.
Der Rückgang im Bestand und das steigende Prämienvolumen folgen damit auch hier derselben Logik wie in der gesamten Sparte: Wachstum erfolgt nicht über zusätzliche Verträge, sondern über höhere Beiträge je Police.
Preisprofil und Einordnung: oberes Mittelfeld mit stabiler Marktstellung
Dieses Muster spiegelt sich im Preisprofil wider. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 188,75 Euro im Jahr 2019 über 208,51 Euro im Jahr 2023 auf 219,42 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 30,67 Euro beziehungsweise rund 16,3 Prozent seit 2019. Damit liegt ADVOCARD oberhalb des Branchenschnitts von 204,76 Euro und im oberen Mittelfeld des Marktes (Rang 9). Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 125,37 Euro im Mittelfeld und deuten auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Preisniveau und Leistungsumfang hin.
Vor diesem Hintergrund ist der Bestandsrückgang klar einzuordnen. ADVOCARD verliert leicht an Verträgen, behauptet aber ihre wirtschaftlich starke Position und baut ihr Prämienvolumen weiter aus. Die Entwicklung spricht für ein stabiles Geschäftsmodell, das weniger auf Wachstum in der Breite als auf kontinuierliche Wertsteigerung im Bestand ausgerichtet ist.
Fünftgrößter Verlust: Neue Rechtsschutz (minus 8.342 Verträge)
Die Neue Rechtsschutz verzeichnet 2024 einen spürbaren Bestandsrückgang. Die Zahl der Verträge sinkt von 392.704 auf 384.362 Policen, was einem Minus von 8.342 Verträgen beziehungsweise rund 2,1 Prozent entspricht. Damit liegt die Gesellschaft auf Rang 18 nach Vertragsbestand und damit im unteren Mittelfeld der Branche.
Der Rückgang ist dabei kein kurzfristiger Ausreißer. Gegenüber 2019 mit 402.580 Verträgen ergibt sich ein Minus von 18.218 Policen beziehungsweise rund 4,5 Prozent. Der Bestand entwickelt sich somit über mehrere Jahre hinweg rückläufig.
Prämienwachstum: stabile Entwicklung trotz sinkender Vertragszahlen
Parallel dazu zeigt sich auf der Prämienseite ein stabiler Aufwärtstrend. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 91,28 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 94,62 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 3,34 Millionen Euro beziehungsweise 3,7 Prozent. Gegenüber 2019 (85,32 Millionen Euro) ergibt sich ein Anstieg um rund 10,9 Prozent. Auch hier folgt die Entwicklung der bekannten Marktlogik: Die wirtschaftliche Leistung wächst über steigende Beiträge je Vertrag, während die Zahl der Policen zurückgeht.
Preisprofil und Einordnung: Hochpreissegment im Maklermodell
Dieses Muster zeigt sich besonders deutlich im Preisprofil. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 211,63 Euro im Jahr 2019 über 232,76 Euro im Jahr 2023 auf 247,23 Euro im Jahr 2024. Insgesamt ergibt sich damit ein Anstieg um 35,60 Euro beziehungsweise rund 16,8 Prozent. Die Neue Rechtsschutz gehört damit zu den teuersten Anbietern im Markt (Rang 4) und liegt klar über dem Branchenschnitt von 204,76 Euro. Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 135,25 Euro ebenfalls auf einem erhöhten Niveau, was auf ein leistungsintensiveres Produktportfolio hindeutet.
Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch das Geschäftsmodell. Die Neue Rechtsschutz verzichtet bewusst auf einen eigenen Außendienst und setzt stattdessen stark auf den Vertrieb über Makler und Partner. Dieses Modell reduziert Vertriebskosten, führt aber zugleich zu einer selektiveren Marktbearbeitung und geringerer Breitenpräsenz als bei stark standardisierten Direkt- oder Massenanbietern. Vor diesem Hintergrund erscheint der Bestandsrückgang konsistent. Die Neue Rechtsschutz ist im oberen Preissegment positioniert und wächst wirtschaftlich über höhere Beiträge je Vertrag, während die Vertragszahlen über mehrere Jahre hinweg rückläufig sind. Das spricht für ein stärker fokussiertes, beratungsgetriebenes Geschäft, bei dem nicht die Masse, sondern die Qualität und der Wert der einzelnen Verträge im Vordergrund stehen.
Viertgrößter Verlust: DEVK Rechtsschutz (minus 12.001 Verträge)
Die DEVK Rechtsschutz verzeichnet 2024 einen moderaten Bestandsrückgang. Die Zahl der Verträge sinkt von 1.031.799 auf 1.019.798 Policen, was einem Minus von 12.001 Verträgen beziehungsweise rund 1,2 Prozent entspricht. Damit bleibt der Versicherer mit Rang 10 nach Vertragsbestand weiterhin im oberen Mittelfeld der Branche positioniert.
Im längerfristigen Vergleich relativiert sich diese Entwicklung deutlich. Gegenüber 2019 mit 1.000.173 Verträgen ergibt sich trotz des aktuellen Rückgangs ein Plus von 19.625 Policen beziehungsweise rund 2,0 Prozent. Der Bestandsverlust 2024 wirkt damit eher wie eine kurzfristige Korrektur innerhalb eines insgesamt stabilen Verlaufs.
Prämienwachstum: deutlicher Ausbau trotz rückläufigem Bestand
Parallel dazu zeigt sich auf der Prämienseite eine dynamische Entwicklung. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 203,86 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 217,17 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 13,31 Millionen Euro beziehungsweise 6,5 Prozent. Gegenüber 2019 (174,35 Millionen Euro) ergibt sich sogar ein Anstieg um 42,82 Millionen Euro beziehungsweise rund 24,6 Prozent. Der Rückgang im Bestand und das gleichzeitig kräftige Prämienwachstum folgen damit klar der übergeordneten Marktlogik: Die wirtschaftliche Entwicklung wird zunehmend über höhere Beiträge je Vertrag getragen.
Preisprofil und Einordnung: Marktmitte bei hoher Schadenbelastung
Dieses Muster spiegelt sich auch im Preisprofil wider. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 174,50 Euro im Jahr 2019 über 197,57 Euro im Jahr 2023 auf 212,95 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 38,45 Euro beziehungsweise rund 22,0 Prozent seit 2019. Damit liegt die DEVK nahezu exakt im Marktmittelfeld: 11 Anbieter sind teurer, 13 günstiger.
Auffällig ist jedoch die Schadenbelastung. Mit Schadenaufwendungen von 149,86 Euro je Vertrag weist die DEVK den fünfthöchsten Wert im Markt auf. Das deutet auf ein vergleichsweise leistungsintensives Portfolio hin, das trotz mittlerer Preise überdurchschnittliche Kosten verursacht. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Bestandsrückgang konsistent einordnen. Die DEVK bewegt sich preislich im Marktmittel, trägt aber eine hohe Schadenlast je Vertrag und steigert gleichzeitig ihre Prämien deutlich. Der Rückgang der Vertragszahlen erscheint damit weniger als strukturelles Problem, sondern eher als Folge einer Anpassung zwischen Preis, Leistung und Bestand.
Drittgrößter Verlust: DEURAG Rechtsschutz (minus 18.841 Verträge)
Die DEURAG verzeichnet 2024 einen spürbaren Bestandsrückgang. Die Zahl der Verträge sinkt von 1.112.122 auf 1.093.281 Policen, was einem Minus von 18.841 Verträgen beziehungsweise rund 1,7 Prozent entspricht. Damit bleibt die Gesellschaft mit Rang 9 nach Vertragsbestand weiterhin im oberen Mittelfeld der Branche positioniert.
Im längerfristigen Vergleich zeigt sich jedoch ein klarer Abwärtstrend. Gegenüber 2019 mit 1.153.475 Verträgen ergibt sich ein Rückgang um 60.194 Policen beziehungsweise rund 5,2 Prozent. Der Bestandsabbau erfolgt damit nicht nur kurzfristig, sondern über mehrere Jahre hinweg.
Prämienentwicklung: Stabilisierung trotz rückläufiger Vertragszahlen
Auf der Prämienseite zeigt sich hingegen eine stabile Entwicklung. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 180,32 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 183,77 Millionen Euro im Jahr 2024, was einem Zuwachs von 3,45 Millionen Euro beziehungsweise 1,9 Prozent entspricht. Auch gegenüber 2019 (175,14 Millionen Euro) ergibt sich ein moderates Plus von rund 4,9 Prozent. Der Rückgang im Bestand und die leicht steigenden Prämien folgen damit auch hier der übergeordneten Marktlogik: Die wirtschaftliche Entwicklung wird zunehmend über den Beitrag je Vertrag stabilisiert, auch wenn die Dynamik geringer ausfällt als bei vielen Wettbewerbern.
Preisprofil und Einordnung: günstiges Segment im Konzernkontext
Das Geschäftsmodell der DEURAG lässt sich dabei vor allem über das Preisprofil greifen. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 151,55 Euro im Jahr 2019 über 161,90 Euro im Jahr 2023 auf 169,00 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 17,45 Euro beziehungsweise rund 11,5 Prozent. Dennoch bleibt die Gesellschaft klar unter dem Branchenschnitt von 204,76 Euro positioniert. 19 Anbieter sind teurer, nur fünf günstiger. Auch die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 112,61 Euro im unteren bis mittleren Bereich des Marktes. Das deutet auf ein eher standardisiertes, breit angelegtes Produktportfolio hin.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Bestandsrückgang konsistent einordnen. Die DEURAG bewegt sich in einem preisgünstigen Segment mit vergleichsweise moderatem Prämienanstieg und verliert gleichzeitig über mehrere Jahre hinweg an Bestand. Das deutet auf begrenzte Wachstumsimpulse in einem wettbewerbsintensiven Umfeld hin, in dem weder über besonders niedrige Preise noch über eine deutliche Aufwertung der Verträge zusätzliche Dynamik entsteht.
Zweitgrößter Verlust: ADAC Versicherung (minus 39.730 Verträge)
Die ADAC Versicherung verzeichnet 2024 einen der deutlichsten Bestandsrückgänge der Branche. Die Zahl der Verträge sinkt von 1.853.493 auf 1.813.763 Policen, was einem Minus von 39.730 Verträgen beziehungsweise rund 2,1 Prozent entspricht. Damit bleibt der Versicherer mit Rang 7 nach Vertragsbestand dennoch einer der größten Anbieter im Markt.
Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein klarer Rückgang. Gegenüber 2019 mit 2.034.758 Verträgen ergibt sich ein Minus von 220.995 Policen beziehungsweise rund 10,9 Prozent. Der Bestandsabbau erfolgt damit über mehrere Jahre hinweg und ist deutlich ausgeprägter als bei vielen anderen Anbietern.
Prämienwachstum: wirtschaftliche Stabilität trotz sinkender Vertragszahlen
Auf der Prämienseite zeigt sich hingegen eine klare Aufwärtsbewegung. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 178,87 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 193,27 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 14,40 Millionen Euro beziehungsweise 8,1 Prozent. Gegenüber 2019 (155,25 Millionen Euro) ergibt sich sogar ein Anstieg um rund 24,5 Prozent. Der Rückgang im Bestand und das gleichzeitig deutliche Prämienwachstum folgen damit auch hier der bekannten Marktlogik: Die wirtschaftliche Entwicklung wird zunehmend über höhere Beiträge je Vertrag getragen.
Preisprofil und Einordnung: extremes Breitenmodell mit niedrigen Einzelbeiträgen
Das Geschäftsmodell der ADAC Versicherung wird besonders im Preisprofil sichtbar. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt zwar von 77,26 Euro im Jahr 2019 über 97,70 Euro im Jahr 2023 auf 108,00 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 30,74 Euro beziehungsweise rund 39,8 Prozent. Dennoch bleibt der Versicherer mit großem Abstand der günstigste Anbieter im gesamten Markt und liegt weit unter dem Branchenschnitt von 204,76 Euro. Auch die Schadenaufwendungen je Vertrag sind mit 72,98 Euro die zweitniedrigsten im Markt. Das deutet auf ein stark standardisiertes Produkt mit vergleichsweise geringem Leistungsumfang je Vertrag hin.
Gerade diese Kombination erklärt die Struktur des Geschäfts. Der ADAC setzt im Rechtsschutz klar auf Breite statt auf Tiefe: viele Verträge, niedrige Beiträge, geringe durchschnittliche Schadenbelastung. Das Modell ist darauf ausgelegt, große Kundengruppen mit einfachen, zugänglichen Produkten zu erreichen – häufig im Umfeld mobilitätsnaher Leistungen. Vor diesem Hintergrund ist auch der Bestandsrückgang einzuordnen. In einem Markt, der zunehmend über steigende Beiträge je Vertrag wächst, stößt ein stark auf Breite ausgerichtetes Niedrigpreismodell an Grenzen. Der ADAC verliert über mehrere Jahre hinweg Verträge, bleibt wirtschaftlich jedoch stabil und behauptet seine Rolle als einer der größten Anbieter im Markt.
Größter Verlust: Ergo (minus 53.376 Verträge)
Die Ergo verzeichnet 2024 den größten absoluten Bestandsrückgang in der Rechtsschutzversicherung. Die Zahl der Verträge sinkt von 1.971.898 auf 1.918.522 Policen, was einem Minus von 53.376 Verträgen beziehungsweise rund 2,7 Prozent entspricht. Trotz dieses Rückgangs bleibt der Versicherer mit Rang 5 nach Vertragsbestand klar in der Spitzengruppe der Branche positioniert.
Im längerfristigen Vergleich relativiert sich die Entwicklung deutlich. Gegenüber 2019 mit 1.900.167 Verträgen ergibt sich trotz des aktuellen Rückgangs weiterhin ein leichtes Plus von 18.355 Policen beziehungsweise rund 1,0 Prozent. Der Bestandsverlust 2024 wirkt damit weniger als struktureller Einbruch, sondern eher als Korrektur auf hohem Niveau.
Prämienwachstum: stabile Entwicklung eines Marktführers
Wirtschaftlich bleibt die Ergo ein Schwergewicht der Sparte. Die verdienten Bruttoprämien steigen von 417,92 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 427,63 Millionen Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 9,71 Millionen Euro beziehungsweise 2,3 Prozent. Gegenüber 2019 (411,24 Millionen Euro) ergibt sich ein moderates Plus von rund 4,0 Prozent.
Der Rückgang im Bestand bei gleichzeitig steigenden Prämien folgt damit auch hier der bekannten Marktlogik: Die Entwicklung wird zunehmend über den Beitrag je Vertrag getragen, nicht über zusätzliche Policen.
Preisprofil und Einordnung: oberes Segment mit stabiler Marktposition
Dieses Muster zeigt sich auch im Preisprofil. Die Durchschnittsprämie je Vertrag liegt 2024 bei 223,21 Euro und damit leicht über dem Branchenschnitt von 204,76 Euro. Im Zeitverlauf zeigt sich jedoch eine vergleichsweise stabile Entwicklung: 2019 lag die Prämie bei 215,56 Euro, 2023 bei 211,98 Euro. Insgesamt ergibt sich damit seit 2019 nur ein moderater Anstieg von 7,65 Euro beziehungsweise rund 3,5 Prozent. Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen mit 135,85 Euro im oberen Bereich des Marktes (nur sechs Anbieter weisen höhere Werte auf) und deuten auf ein leistungsintensiveres Portfolio hin.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Bestandsrückgang konsistent einordnen. Die Ergo verliert zwar die meisten Verträge in absoluten Zahlen, bleibt aber sowohl nach Bestand als auch nach Prämienvolumen einer der zentralen Anbieter der Sparte. Die Entwicklung spricht weniger für eine strukturelle Schwäche als vielmehr für eine Stabilisierung auf hohem Niveau, bei der Wachstum vor allem über den Wert je Vertrag und nicht über zusätzliche Stückzahlen erfolgt.
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Hintergrund
Die präsentierten Zahlen dieser Analyse stammen aus dem aktuellen Branchenmonitor Rechtsschutz 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Studie deckt die 25 größten Versicherer ab und repräsentiert damit rund 99 Prozent des Rechtsschutz-Marktes. Wie immer macht der Branchenmonitor eine Vielzahl an Kennzahlen zugänglich – und bietet so detaillierte Einblicke in die Marktentwicklung der Jahre 2019 bis 2024. Er kann auf der Webseite der Leipziger Experten kostenpflichtig bestellt werden.
- Rechtsschutzversicherung: Die größten Bestandsverluste
- Achtgrößter Verlust: R+V Allgemeine (minus 1.676 Verträge)
- Siebtgrößter Verlust: Badische Rechtsschutz (minus 1.858 Verträge)
- Sechsgrößter Verlust: ADVOCARD Rechtsschutz (minus 7.654 Verträge)
- Fünftgrößter Verlust: Neue Rechtsschutz (minus 8.342 Verträge)
- Viertgrößter Verlust: DEVK Rechtsschutz (minus 12.001 Verträge)
- Drittgrößter Verlust: DEURAG Rechtsschutz (minus 18.841 Verträge)
- Zweitgrößter Verlust: ADAC Versicherung (minus 39.730 Verträge)
- Größter Verlust: Ergo (minus 53.376 Verträge)
