Altersvorsorgedepot: Wie Kosten die staatliche Förderung auffressen
Die Altersvorsorge-Reform verspricht mit dem Altersvorsorgedepot mehr Rendite als die Riester-Rente. Allerdings könnten Kosten den Vorteil zunichtemachen. Entscheidend wird die Gebührenstruktur.

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Die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge bringt einen grundlegenden Systemwechsel. Doch sie birgt auch Risiken für Sparer. Zwar dürfen geförderte Altersvorsorgedepots künftig maximal ein Prozent jährliche Kosten verursachen. Doch genau dieser Kostendeckel könnte sich rechnerisch als problematisch erweisen, warnen Verbraucherschützer und forderten vorab einen maximalen Kostendeckel in Höhe von 0,5 Prozent.
Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox haben sich dem Thema Kosten in den neuen Altersvorsorgedepots angenommen und das geförderte Modell mit einem einfachen ETF-Sparplan ohne staatliche Förderung gegenübergestellt.
Grundsätzlich bietet das neue Altersvorsorgedepot deutliche Vorteile. Ein heute 25-jähriger Sparer, der monatlich 150 Euro in einen ETF-Sparplan investiert, könnte bei einer angenommenen Rendite von 7,5 Prozent bis zum Rentenbeginn mit 67 Jahren rund 496.000 Euro Vermögen aufbauen. Durch staatliche Zuschüsse könnte der monatliche Sparbetrag im geförderten Modell um 45 Euro steigen. Ohne Kosten würde das Vermögen dadurch auf etwa 645.000 Euro anwachsen. Das würde einem Plus von rund 149.000 Euro gegenüber dem ungeförderten Sparen bedeuten.
„Die staatlichen Zuschüsse hebeln die eigenen Einzahlungen spürbar“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Im Idealfall könnten Anleger „deutlich mehr Vermögen aufbauen, als sie es aus eigener Kraft könnten“.
Doch dieser Effekt kippt, sobald Kosten ins Spiel kommen. Bei einer jährlichen Kostenquote von einem Prozent reduziert sich das Ergebnis deutlich. Ein 25-jähriger Sparer würde in diesem Szenario nur noch rund 480.000 Euro ansparen und damit etwa 16.000 Euro weniger als mit einem kostenfreien ETF-Sparplan ohne Förderung. Auch bei älteren Sparern zeigt sich dieser Effekt. Ein heute 45-Jähriger käme ohne Förderung auf rund 98.000 Euro bis zur Rente. Mit Förderung und ohne Kosten wären es etwa 127.000 Euro.
Bei einer Kostenquote von einem Prozent sinkt das Ergebnis jedoch auf rund 111.000 Euro. Zwar liegt das noch über dem ungeförderten Modell, doch in der Sparphase fließen rund 16.000 Euro an Kosten ab. Damit würde ein erheblicher Teil der Förderung aufgezehrt. „Kosten in Höhe von 1 Prozent klingen zwar überschaubar. Doch über die Jahre und Jahrzehnte fließt bei dieser Kostenquote so viel Vermögen ab, dass es die gesamte staatliche Förderung mehr als aufzehren kann“, warnt Maier.
Grundsätzlich gilt die Reform als bedeutender Schritt. Anders als bei klassischen Riester-Produkten können Anleger künftig ohne starre Beitragsgarantien investieren und beispielsweise auf breit gestreute ETF-Sparpläne setzen. „Das neue Altersvorsorgedepot ist ein echter Paradigmenwechsel“, so Maier. Doch die Modellrechnungen machen deutlich. Der Erfolg hängt entscheidend von der Kostenstruktur ab.
