Maklermarkt der Zukunft: Studie zeigt Unterschiede zwischen Versicherern und Maklern
Die Versicherer sehen sich selbst besser, als sie wahrgenommen wird. Während Gesellschaften ihre Prozesse positiv bewerten, wächst die Kritik der Makler. Gleichzeitig beschleunigen Konsolidierung und Spezialisierung den strukturellen Wandel.

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Die Versicherungsbranche steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Das zeigt die aktuelle Studie „Maklermarkt der Zukunft“ der Versicherungsforen Leipzig. Zentrale Erkenntnis: Zwischen der Selbsteinschätzung der Versicherer und der Wahrnehmung durch Makler und Mehrfachagenten klafft eine deutliche Lücke. Das gilt insbesondere bei Prozessqualität, Kommunikation und technischer Leistungsfähigkeit.
Versicherer sehen sich deutlich besser als Vermittler
Ein Blick auf die Prozessqualität zeigt die Spannungen im System. Während Versicherer ihre Leistungen in den Bereichen Tarifierung, Angebot und Antrag überwiegend positiv bewerten, fällt das Urteil der Vermittler deutlich kritischer aus. Drei Viertel der Versicherer stufen ihre Qualität als „gut“ bis „ausgezeichnet“ ein. Bei Maklern und Mehrfachagenten liegt dieser Wert hingegen nur bei rund einem Drittel. Auffällig: Die Bestnote „ausgezeichnet“ wird von Vermittlern praktisch nicht vergeben.
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Datenaustausch. Versicherer sehen sich mehrheitlich gut aufgestellt, während Makler vor allem Defizite in Geschwindigkeit, Transparenz und technischer Integration wahrnehmen. Während Versicherer hohe Anteile in den Kategorien „gut“ und „sehr gut“ erreichen, konzentrieren sich die Bewertungen der Vermittler stärker im mittleren Bereich.
Als Ursachen werden unterschiedliche Faktoren genannt. Versicherer verweisen vor allem auf Ressourcenengpässe. Diese sind sowohl finanzieller als auch personeller Natur. Vermittler sehen die Probleme hingegen stärker in internen Kommunikationsstrukturen und ineffizienten Entscheidungswegen.
Unterschiedliche Prioritäten bei den Herausforderungen
Auch bei den zentralen Zukunftsthemen gehen die Perspektiven auseinander. Zwar gelten Digitalisierung und demografischer Wandel branchenübergreifend als wichtigste Herausforderungen, doch ihre Gewichtung variiert deutlich. Makler und Mehrfachagenten stellen die Digitalisierung an erste Stelle. Versicherer hingegen priorisieren den demografischen Wandel. Bei weiteren Themen zeigt sich ein differenziertes Bild: Versicherer fokussieren die Marktkonsolidierung, während Makler verstärkt auf künstliche Intelligenz blicken.
„Die befragten Makler sehen ihre eigene Rolle als Vertriebsweg der Zukunft als absolut dominant an. Auch Mehrfachagenturen sind überzeugt, dass der Maklervertrieb in den kommenden drei bis fünf Jahren den Markt bestimmen wird“, sagt Dr. Manuela Wolf von den Versicherungsforen Leipzig.
Gleichzeitig gewinnt Embedded Insurance aus Sicht vieler Makler an Bedeutung, während klassische Vertriebswege wie Ausschließlichkeit oder Bancassurance an Relevanz verlieren dürften.
Konsolidierung nimmt Fahrt auf – Pools im Fokus
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Entwicklung im Maklerpool-Segment. Die Erwartungen sind eindeutig: Eine deutliche Mehrheit der Befragten rechnet mit einer weiteren Marktbereinigung. Über 80 Prozent der Marktteilnehmer davon ausgehen, dass kleinere Pools vom Markt verschwinden oder Kooperationen mit größeren Einheiten eingehen werden. Parallel erwarten viele, dass erfolgreiche Pools ihre Position durch Zukäufe stärken und sich zunehmend zu Maklergruppen entwickeln. Die Branche steht damit vor einer Phase intensiver Konsolidierung. Skaleneffekte, technologische Anforderungen und steigender Wettbewerbsdruck treiben diese Entwicklung weiter voran.
Neben der Konsolidierung zeichnet sich ein weiterer Trend ab: die zunehmende Spezialisierung. Durchschnittliche Angebote und breite Produktportfolios verlieren an Bedeutung.
„Die Ära der klassischen Vollsortimenter wird enden. Kleine und mittlere Versicherer werden sich auf Nischen spezialisieren, technologische Kooperationen eingehen und Teile ihrer Wertschöpfungskette auslagern. Dieser Druck macht weitere Fusionen unumgänglich“, prognostiziert Wolf. Diese Entwicklung ist eine direkte Reaktion auf steigende Anforderungen an Technologie, Effizienz und Differenzierung.
Auch Strukturvertriebe stehen vor Veränderungen. Über 40 Prozent der Vermittler und rund 33 Prozent der Versicherer erwarten eine Abwanderung von Vermittlern in Richtung Maklerpools. Trotz einzelner Marktbewegungen glaubt jedoch keine der befragten Gruppen mehrheitlich daran, dass sich Strukturvertriebe flächendeckend zu Maklergruppen transformieren werden. Der Wettbewerb um qualifizierte Vermittler dürfte sich damit weiter verschärfen.
