BU-Stabilitätsrating: Nur wenige Anbieter überzeugen – Transparenz bleibt Schwachpunkt
Ein aktuelles Stabilitätsrating der Berufsunfähigkeitsversicherer zeigt ein klares Bild: Nur eine kleine Spitzengruppe erreicht die höchsten Bewertungen, während sich der Großteil der Anbieter im Mittelfeld bewegt. Gleichzeitig bleibt ein zentrales Problem bestehen – fehlende Daten verhindern bei mehreren Versicherern eine fundierte Bewertung. Versicherungsbote stellt die Ergebnisse vor.

- BU-Stabilitätsrating: Nur wenige Anbieter überzeugen – Transparenz bleibt Schwachpunkt
- Die Sieger im Stabilitätsrating: Kleine Spitzengruppe setzt sich ab
Gerade in der Berufsunfähigkeitsversicherung rückt die Frage nach der langfristigen Stabilität zunehmend in den Fokus. Während Leistungen ausgeweitet und Tarife immer flexibler gestaltet werden, geraten Kalkulation und Risikoprüfung unter Druck. Für Vermittler und Kunden wird es damit immer wichtiger zu wissen, welche Anbieter ihr Geschäft nachhaltig betreiben – und wo sich Risiken im Bestand aufbauen könnten.
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Orientierung liefert dabei seit Jahren der traditionsreiche MAP-Report aus dem Hause Franke und Bornberg, der regelmäßig die Stabilität von Lebensversicherern untersucht und einmal jährlich auch ein spezielles BU-Stabilitätsrating vorlegt. In der aktuellen Ausgabe wird erneut analysiert, welche Anbieter ihre Kalkulation langfristig tragen können – und wo sich strukturelle Risiken abzeichnen.
Die Ergebnisse zeichnen dabei ein klares Bild: Die Spitzengruppe bleibt überschaubar, während sich der Großteil der Anbieter im Mittelfeld bewegt. Gleichzeitig zeigt sich erneut ein bekanntes Problem – nicht alle Versicherer liefern ausreichend Daten, um ihre Stabilität transparent bewerten zu lassen. Grundlage der Auswertung ist wie immer ein komplexes, mehrstufiges Bewertungsmodell, das sowohl Kennzahlen aus den Geschäftsberichten als auch tarifliche und kalkulatorische Aspekte berücksichtigt.
Was wurde gemacht?
Die Herausforderung des Ratings besteht darin, die langfristige Stabilität eines BU-Versicherers messbar zu machen – also die Frage zu beantworten, ob ein Anbieter sein Leistungsversprechen über Jahrzehnte hinweg verlässlich finanzieren kann. Dafür setzt der MAP-Report auf ein mehrstufiges Bewertungsmodell, das drei zentrale Bereiche miteinander kombiniert: Beitrag, Stabilität und Finanzstärke.
Im ersten Schritt wird die Prämienkalkulation analysiert. Dabei geht es nicht nur um die Höhe der Beiträge, sondern vor allem um deren Angemessenheit im Marktvergleich. Grundlage sind mehrere Musterfälle aus unterschiedlichen Berufsgruppen, anhand derer Abweichungen bei Brutto- und Nettoprämien bewertet werden. Auffällig niedrige Beiträge können dabei ebenso kritisch sein wie überdurchschnittlich hohe – etwa wenn sie auf eine aggressive Kalkulation oder eine hohe Abhängigkeit von Überschüssen hindeuten.
Unterschieden wird dabei zwischen der Bruttoprämie als kalkuliertem Tarifbeitrag und der Nettoprämie, die sich nach Abzug der Überschüsse als tatsächlicher Zahlbeitrag ergibt. Eine zentrale Rolle spielt der sogenannte Spread zwischen beiden Größen. Ein großer Abstand deutet darauf hin, dass ein Tarif stark von zukünftigen Überschüssen abhängt – und damit anfälliger für spätere Beitragsanpassungen ist.
Ergänzend fließen sogenannte kalkulatorische Risiken in die Bewertung ein. Dazu zählen unter anderem Dynamikregelungen, Nachversicherungsmöglichkeiten oder die Ausgestaltung der Gesundheitsprüfung. Solche Tarifmerkmale werden dabei nicht per se negativ bewertet, da sie Kunden häufig zusätzliche Flexibilität bieten. Aus Sicht der Versicherer können sie jedoch zu Selektions- und Kalkulationsrisiken führen – insbesondere dann, wenn sie großzügig ausgestaltet sind oder einseitige Optionen enthalten.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Stabilität des Geschäfts. Hier wird insbesondere untersucht, wie sich Risikoüberschüsse und Schadenquoten über die Zeit entwickelt haben. Häufige Anpassungen oder sinkende Überschüsse gelten dabei als Hinweis darauf, dass die ursprüngliche Kalkulation unter Druck geraten ist.
Der dritte Bereich umfasst die Finanzstärke der Unternehmen. Bewertet werden unter anderem Solvabilität, Sicherheitsmittel, Ertragskraft und Kostenstrukturen. Diese Kennzahlen geben Aufschluss darüber, ob ein Versicherer auch in schwierigen Marktphasen in der Lage ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen.
Wie wurde bewertet?
Die Bewertung erfolgt auf Basis eines Punktesystems, in dem die einzelnen Kriterien gewichtet und zu einem Gesamtwert zusammengeführt werden. Insgesamt können maximal 1.850 Punkte erreicht werden, die sich auf die drei Bereiche Beitrag, Stabilität und Finanzstärke verteilen.
Aus dem erreichten Punktwert wird anschließend eine Ratingnote abgeleitet. Ab einem Anteil von 80 Prozent der maximalen Punktzahl wird die Bewertung „mmm+“ (hervorragend) vergeben, ab 75 Prozent „mmm“ (sehr gut), ab 65 Prozent „mm“ (gut) und ab 55 Prozent „m“ (befriedigend). Darunter folgen entsprechend schwächere Einstufungen.
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Eine Besonderheit des Ratings liegt in den zusätzlichen Top-Kategorien „FFF+“ und „FFF“. Diese werden nur an Versicherer vergeben, die nicht nur eine sehr hohe Punktzahl erreichen, sondern zugleich eine besonders hohe Transparenz aufweisen und alle relevanten Daten vollständig offenlegen. Damit geht die Bestbewertung über die reine Punkteerreichung hinaus.
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Versicherer, für die keine ausreichenden Daten vorliegen, erhalten hingegen die Einstufung „ohne Wertung“ (o.W.). Diese ist kein klassisches Ratingergebnis, sondern verweist auf fehlende Transparenz und eine unzureichende Datengrundlage.
Die Sieger im Stabilitätsrating: Kleine Spitzengruppe setzt sich ab
Im aktuellen Stabilitätsrating erreichen fünf Versicherer die höchste Bewertungskategorie – und setzen sich damit klar vom übrigen Markt ab. Die Nürnberger, HDI und Ergo Vorsorge sichern sich die Bestnote „FFF+“ und stehen damit an der Spitze des Wettbewerbs. Stuttgarter und Generali folgen dicht dahinter und erhalten die Bewertung „FFF“.
Auch in der zweithöchsten Kategorie „mmm+“ zeigt sich ein enges Rennen – ab hier sind die Prozentwerte ausgewiesen, die auch eine Rangfolge ermöglichen. Die Continentale führt diese Gruppe mit 85,5 Prozent an und setzt sich damit knapp an die Spitze des Verfolgerfeldes. Dahinter folgen die LV 1871 mit 83,4 Prozent sowie die Allianz mit 82,2 Prozent. Ebenfalls stark positioniert sind HUK-Coburg (81,4 Prozent) und die Debeka (80,9 Prozent), die das Feld der „hervorragenden“ Anbieter komplettieren.
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Die breite Mitte: Hohe Leistungsdichte im Bereich „mmm“
Im Bereich „mmm“ verdichtet sich das Bild weiter. Insgesamt 15 Versicherer erreichen diese Bewertung und zeigen damit eine insgesamt sehr gute Stabilität mit nur kleineren Schwächen. An der Spitze dieser Gruppe liegen die DEVK Eisenbahn, Europa und InterRisk, die jeweils 79,9 Prozent erzielen und damit nur knapp unterhalb der nächsthöheren Bewertung bleiben. Dahinter folgen Cosmos und die Bayern-Versicherung mit jeweils 79,8 Prozent, die ebenfalls nur minimal hinter der Spitze dieser Kategorie zurückbleiben.
Darunter folgen 13 Versicherer mit der Note „mm“. Sie erfüllen die grundlegenden Anforderungen an Stabilität, weisen jedoch bereits deutlichere Schwächen in einzelnen Bereichen auf – etwa in der Kalkulation, der Bestandsentwicklung oder bei einzelnen Finanzkennzahlen.
Damit zeigt sich eine klare Struktur im Markt: Der Großteil der Anbieter bewegt sich im Bereich „sehr gut“ oder „gut“, während nur wenige Versicherer den Sprung in die Spitzengruppe schaffen.
Transparenz bleibt Schwachpunkt: Zahlreiche Anbieter ohne Bewertung
Auffällig ist zudem, dass im aktuellen Rating keine Bewertungen unterhalb von „mm“ (gut) vergeben wurden. Stattdessen zeigt sich ein anderes Problem deutlich: Insgesamt 15 Versicherer erhalten die Einstufung „ohne Wertung“ (o.W.). Dies deutet weniger auf eine schwache wirtschaftliche Lage hin, sondern vielmehr auf erhebliche Transparenzdefizite – denn für diese Anbieter lagen nicht ausreichend Daten für eine fundierte Bewertung vor.
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- Inter: 49,3 % (o.W.)
- Öffentliche Braunschweig: 43,9 % (o.W.)
- SV: 43,8 % (o.W.)
- ÖSA: 43,6 % (o.W.)
- VGH: 38,9 % (o.W.)
- WWK: 38,4 % (o.W.)
- LVM: 36,6 % (o.W.)
- Ideal: 33,2 % (o.W.)
- Itzehoer: 33,1 % (o.W.)
- Deutsche: 32,8 % (o.W.)
- HDI Vorsorge: 30,2 % (o.W.)
- Mecklenburgische: 30,1 % (o.W.)
- SV Sachsen: 29,6 % (o.W.)
- Credit Life: 28,5 % (o.W.)
- Öffentliche Oldenburg: 17,4 % (o.W.)
Hintergrund
Soeben erschienen ist der neue MAP-Report mit der Nummer 943 aus dem Hause Franke und Bornberg. Unter dem Titel „Stabilitätsrating der Berufsunfähigkeitsversicherer“ analysiert die aktuelle Ausgabe die wirtschaftliche Tragfähigkeit der BU-Anbieter und ordnet deren Stabilität im Marktvergleich ein.
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Neben den Ratingergebnissen enthält der Report eine Vielzahl an Kennzahlen, Detailauswertungen und Beispielrechnungen zu Beiträgen und Kalkulation – darunter Analysen zu Brutto- und Nettoprämien, zur Beitragsentwicklung sowie zu zentralen Risikofaktoren in der Tarifgestaltung. Der MAP-Report kann kostenpflichtig über die Webseite von Franke und Bornberg bezogen werden.
- BU-Stabilitätsrating: Nur wenige Anbieter überzeugen – Transparenz bleibt Schwachpunkt
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