Altersvorsorge: Fast jede zweite Frau fürchtet Altersarmut
Viele Frauen in Deutschland blicken mit Sorge auf ihre finanzielle Situation im Alter. Laut einer Umfrage hält fast jede zweite Frau ihre Altersvorsorge für unzureichend. Besonders Einkommen, Erwerbsbiografien und Teilzeitphasen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die Sorge vor Altersarmut ist in Deutschland weit verbreitet. Das gilt besonders unter Frauen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Vergleichsportals Verivox bewertet fast jede zweite Frau (47 Prozent) ihre finanzielle Absicherung im Alter als schlecht oder sehr schlecht. Weitere zehn Prozent wissen nicht, wie gut sie tatsächlich für den Ruhestand aufgestellt sind. Bei Männern fällt die Einschätzung deutlich optimistischer aus. Zwar glauben auch hier 35 Prozent, dass ihr Geld im Alter nicht ausreichen wird. Gleichzeitig blickt jedoch eine Mehrheit von 57 Prozent zuversichtlich auf ihre finanzielle Zukunft.
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Mit zunehmendem Lebensalter steigt auch die Angst vor finanziellen Engpässen im Ruhestand. Während bei jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren rund 39 Prozent befürchten, später nicht ausreichend abgesichert zu sein, steigt dieser Anteil bei den 30- bis 49-Jährigen auf 47 Prozent. In der Altersgruppe zwischen 50 und 79 Jahren schätzt sogar jede zweite Frau (50 Prozent) ihre Altersvorsorge als schlecht ein. Auch Männer sorgen sich mit zunehmendem Alter stärker um ihre finanzielle Zukunft. Dennoch bleibt der Anteil der besorgten Männer in allen Altersgruppen deutlich niedriger als bei Frauen.
„Auch wenn Fragen der Altersvorsorge in jungen Jahren eher selten im Vordergrund stehen, wächst mit zunehmendem Lebensalter die Sorge vor Altersarmut“, sagt Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox. Besonders Frauen in der Lebensmitte stünden dabei häufig unter mehreren finanziellen Belastungen gleichzeitig.
Neben dem Geschlecht spielt auch die Lebenssituation eine wichtige Rolle. Geschiedene, verwitwete oder alleinlebende Menschen blicken besonders pessimistisch auf ihre finanzielle Zukunft: 46 Prozent bewerten ihre Altersvorsorge als schlecht. Noch stärker sind die Sorgen in Haushalten mit geringem Einkommen. Unter Personen mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.500 Euro rechnen 59 Prozent damit, im Alter finanzielle Probleme zu bekommen.
Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg erwartet 61 Prozent der Deutschen, sich im Ruhestand finanziell einschränken zu müssen. Auch hier zeigt sich eine deutliche Geschlechterlücke: 66 Prozent der Frauen rechnen mit Einschnitten. Bei Männern sind es 55 Prozent. Die Studie zeigt außerdem Unterschiede bei der privaten Altersvorsorge. Zwar geben 67 Prozent der Deutschen an, zusätzlich privat vorzusorgen. Frauen sparen dabei jedoch häufig kleinere Beträge.
- 21 Prozent legen monatlich 1 bis 50 Euro zurück
- 21 Prozent sparen 51 bis 100 Euro
- nur 9 Prozent investieren mehr als 200 Euro monatlich in ihre Altersvorsorge
Bei Männern ist der Anteil höherer Sparbeträge deutlich größer: 18 Prozent legen monatlich über 200 Euro zurück und damit mehr als doppelt so viele wie bei Frauen.
Die Unterschiede entstehen laut Studie weniger durch mangelnde Vorsorgebereitschaft, sondern vor allem durch begrenzte finanzielle Spielräume. So nennen 48 Prozent der Frauen ein zu geringes Einkommen als Hauptgrund für eine unzureichende Altersvorsorge. Bei Männern sehen nur 37 Prozent darin die zentrale Ursache.
Auch Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitarbeit wirken sich stark aus. 43 Prozent der Frauen nennen diese Faktoren als entscheidende Ursache ihrer Vorsorgelücke. Bei Männern sind es 29 Prozent. „Weil Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und im Durchschnitt weniger verdienen, entsteht eine finanzielle Ungleichheit, die bis ins Rentenalter bestehen bleibt“, erklärt Ulbrich.
