Mit dem geplanten Altersvorsorgereformgesetz will die Bundesregierung die staatlich geförderte private Altersvorsorge neu ordnen. Erstmals soll für bestimmte Produkte ein Kostendeckel eingeführt werden. Die sogenannten Effektivkosten sollen auf 1,5 Prozent pro Jahr begrenzt werden.

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Was auf den ersten Blick nach mehr Verbraucherschutz klingt, sieht der Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein kritisch. „Dieser Kostendeckel ist zu hoch und ein Freifahrtschein besonders junge Kunden zu schröpfen“, erklärt Kleinlein. Effektivkosten von 1,5 Prozent bedeuten, dass sich die Rendite einer Kapitalanlage entsprechend reduziert. Erzielt das Kapital beispielsweise fünf Prozent Rendite, bleiben nach Kosten nur noch 3,5 Prozent übrig.

Kleinlein rechnet vor: Zahlt ein heute 20-Jähriger monatlich 100 Euro ein und spart bis zum Alter von 67 Jahren, käme er bei fünf Prozent Rendite ohne Kosten auf knapp 220.000 Euro. Durch die Effektivkosten von 1,5 Prozent entgehen ihm jedoch gut 78.000 Euro. Folglich bleiben rund 141.000 Euro übrig. „Durch den Zinseszinseffekt schlagen die Effektivkosten bei langen Laufzeiten besonders stark zu“, erläutert Kleinlein. Besonders deutlich wird die Belastung, wenn man sie auf den monatlichen Sparbeitrag herunterbricht. Für einen 20-Jährigen wirken die 1,5 Prozent Effektivkosten so, als würden ihm monatlich rund 35,75 Euro von seinem 100-Euro-Beitrag entzogen.

Je später der Einstieg, desto geringer fällt dieser Effekt aus. Beginnt jemand erst mit 40 Jahren zu sparen, entsprechen die Kosten rechnerisch einem monatlichen Abzug von 20,58 Euro. Bei einem Sparbeginn mit 50 Jahren sind es noch 12,82 Euro. Das Paradoxe: Je länger die Laufzeit, desto stärker wirkt sich der Kostendeckel in absoluten Zahlen aus.

Kritik an der Darstellung der Effektivkosten

Ein weiteres Problem sieht Kleinlein in der Verständlichkeit der Kennzahl selbst. „Die Angabe der Effektivkosten ist nur für einen Finanzmathematiker wirklich verständlich und geben kein Gefühl für die echte Kostenbelastung“, so der Aktuar. Er plädiert stattdessen für einen Kostendeckel, der sich direkt auf den Sparbeitrag bezieht. „Nur wenn klar ist, welcher Anteil meines Sparbeitrags für Kosten abgezogen wird, dann kann ich günstige oder teure Verträge erkennen“, argumentiert Kleinlein.

Wenn wir besonders junge Menschen dazu animieren wollen fürs Alter vorzusorgen, dann müssen die Kosten runter“ resümiert er. „Altersvorsorge sollte sich besonders für junge
Menschen lohnen und nicht ihre Jugend bestrafen“.