Psychische und physische Beschwerden werden häufig unterschätzt
Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice gelten als Fortschritt. Doch das Stresslevel sinkt nicht automatisch. Laut aktueller Swiss Life Stress-Studie klafft zwischen den Generationen ein deutliches Wahrnehmungsgefälle. Besonders alarmierend: Fast jeder Zweite aus der Generation Z leidet unter hohem Stress.

Generationen-Gap in der Arbeitswelt
In der deutschen Arbeitswelt zeigen sich deutliche Unterschiede im Umgang mit modernen Arbeitsformen. Während 37 Prozent der Generation Z flexible Modelle wie Homeoffice als stressreduzierend empfinden, teilen nur 17 Prozent der Babyboomer diese Einschätzung. Gleichzeitig ist die Belastung bei den Jüngeren am höchsten: 48 Prozent der Gen Z berichten von hohem Stress – mehr als doppelt so viele wie bei den Babyboomern (20 Prozent). Auch bei Millennials liegt der Wert mit 45 Prozent deutlich über dem der älteren Generationen.
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„Neue Arbeitskonzepte bieten für viele Menschen eine gewisse Freiheit und Flexibilität, ihren Alltag zeitlich selbstbestimmt zu gestalten. Gleichzeitig erwächst daraus aber auch mehr Eigenverantwortung“, sagt Dirk von der Crone, CEO von Swiss Life Deutschland. „Dabei bewerten die Generationen diese modernen Arbeitsformen und auch ihr damit verbundenes Stresslevel sehr unterschiedlich. Insbesondere Arbeitgeber stellt das vor die Herausforderung, die verschiedenen Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu koordinieren.“
Homeoffice-Paradox: Entlastung und Dauererreichbarkeit
73 Prozent der Befragten, die Homeoffice nutzen können, empfinden es grundsätzlich als hilfreich für ihre Stressbewältigung. Besonders geschätzt werden:
- Wegfall des Arbeitswegs (25 Prozent)
- bessere Work-Life-Balance (23 Prozent)
- ruhigere Arbeitsumgebung (17 Prozent)
Doch moderne Arbeitsformen haben auch Schattenseiten. Vor allem Generation X und Babyboomer kritisieren die ständige Erreichbarkeit (44 Prozent), zu viel Arbeit (17 Prozent) sowie zunehmenden Arbeitsdruck (16 Prozent).
Das Bild ist ambivalent: Flexibilität wird als Gewinn erlebt – gleichzeitig steigen Eigenverantwortung und Erwartungsdruck.
Psychische Belastung als strukturelles Risiko
Besorgniserregend ist die hohe Quote stressbedingter Beschwerden: 82 Prozent aller Befragten litten in den vergangenen drei Monaten unter mindestens einer stressbedingten Beeinträchtigung, darunter:
- Kopfschmerzen (55 Prozent)
- Schlafstörungen (48 Prozent)
- innere Unruhe (47 Prozent)
Als Hauptstressfaktoren nennen Erwerbstätige Leistungsdruck (40 Prozent), Überforderung (39 Prozent) sowie Zeitdruck und Überstunden (39 Prozent).
„Dass viele Menschen trotz technologischem Fortschritt und Homeoffice über hohe Stressbelastung klagen, ist ein Warnsignal“, so von der Crone. „Vor allem psychische und physische Beschwerden werden hierbei häufig unterschätzt. Diese sollten unbedingt ernst genommen werden, um nicht langfristig zu erkranken oder gar eine Berufsunfähigkeit zu riskieren.“
Tatsächlich zählen psychische Erkrankungen seit Jahren zu den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit – sowohl laut Branchendaten als auch laut unternehmenseigenen Zahlen von Swiss Life.
Defizite bei betrieblicher Stressprävention
Die Studie zeigt zudem strukturelle Schwächen in der betrieblichen Prävention:
- Nur 20 Prozent fühlen sich gut über Stressreduktionsangebote informiert.
- 23 Prozent geben an, dass ihr Arbeitgeber keinerlei entsprechende Maßnahmen anbietet.
Wo Angebote existieren, beschränken sie sich meist auf flexible Arbeitszeiten (35 Prozent) und Homeoffice-Regelungen (31 Prozent). Mental-Health-Programme nutzen lediglich 12 Prozent, Zugang zu psychologischer Beratung haben nur 11 Prozent. Als besonders sinnvoll bewerten die Befragten flexible Arbeitszeiten (79 Prozent) und ergonomische Arbeitsplätze (75 Prozent).
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Über die Studie:
Die Daten basieren auf einer von Swiss Life Deutschland beauftragten Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH mit 2.004 Personen zwischen dem 8. und 16. Oktober 2025. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.
