Versicherungswirtschaft wächst - Aber: Stückzahlen stagnieren, Lebensversicherung schrumpft
Die Versicherungswirtschaft ist auch im Jahr 2025 gewachsen. So legten die Branche insbesondere bei den Beitragseinnahmen zu. Gleichzeitig blieb die Zahl der Verträge konstant. Die Zahl Lebensversicherungsverträge ist dagegen rückläufig. Für 2026 fällt der Ausblick verhaltener aus.

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Die deutsche Versicherungswirtschaft hat sich im Jahr 2025 robust gezeigt. Über alle Sparten hinweg stiegen die Beitragseinnahmen um 6,6 Prozent auf insgesamt 254 Milliarden Euro. Dabei muss sich auch die Branche dem insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfeld stellen. Für das laufende Jahr 2026 rechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) allerdings mit einem spürbar geringeren Wachstum von 4,7 Prozent.
„2025 war für die Versicherer ein gutes Jahr mit spürbarem Beitragswachstum – und das in einem insgesamt schwachen wirtschaftlichen Umfeld“, sagt GDV-Präsident Norbert Rollinger. Gleichzeitig verweist er auf zentrale Herausforderungen: den Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge, einen tragfähigen Elementarschutz sowie eine europäische Regulierung, „die den Standort stärkt, statt ihn auszubremsen“.
Das Beitragsplus im Jahr 2025 speiste sich laut der aktuellen Zahlen aus mehreren Quellen. Demnach kletterten Zahlen insbesondere durch inflationsbedingte Beitragsanpassungen, ein starkes Einmalbeitragsgeschäft in der Lebensversicherung sowie steigende Einnahmen in der Privaten Krankenversicherung (PKV). Auch die Schaden- und Unfallversicherung kehrte nach verlustreichen Jahren in die Gewinnzone zurück.
Gleichzeitig mahnt der Versicherer-Verband zur Vorsicht. „Das solide Wachstum 2025 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spielräume kleiner werden“, so Rollinger. Weniger Investitionen, geringere Bautätigkeit und eine gedämpfte Konsumlaune könnten sich mittelfristig auch auf die Versicherungsnachfrage auswirken.
Kfz-Versicherung als Wachstumsmotor
Besonders deutlich legte 2025 die Schaden- und Unfallversicherung zu. Die Beitragseinnahmen stiegen um 7,7 Prozent auf 99,7 Milliarden Euro. Haupttreiber war die Kfz-Versicherung mit einem Beitragsplus von 13,4 Prozent. Nachholeffekte durch Inflation sowie stark gestiegene Reparatur- und Ersatzteilkosten wirkten hier preistreibend.
Positiv wirkte sich zudem aus, dass 2025 größere Naturkatastrophen ausblieben. Erstmals seit mehreren Jahren erzielte die Kfz-Sparte wieder ein positives versicherungstechnisches Ergebnis. Für 2026 erwartet der GDV im Schaden- und Unfallbereich ein weiteres Beitragswachstum von 5,2 Prozent.
Auch die PKV wuchs im Vorjahr kräftig. Die Beitragseinnahmen stiegen um 7,3 Prozent auf 54,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig erhöhten sich die Leistungsausgaben um 7,1 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro. Treiber bleiben der medizinische Fortschritt sowie die allgemein steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Für 2026 rechnet der GDV hier mit einem besonders starken Beitragsplus von 10,5 Prozent.
Lebensversicherung: Einmalbeiträge dominieren
Die Lebensversicherung verzeichnete 2025 ein Beitragswachstum von 5,1 Prozent auf 99,4 Milliarden Euro. Ausschlaggebend war ein kräftiger Zuwachs bei den Einmalbeiträgen von 16,9 Prozent. Sinkende Inflation, steigende Reallöhne, stabile Langfristzinsen und der erhöhte Höchstrechnungszins machten Sparprodukte wieder attraktiver.
Das Geschäft mit laufenden Beiträgen blieb hingegen nahezu stabil. Für 2026 erwartet der Verband ein moderates Plus von 1,1 Prozent, dass erneut vor allem von Einmalbeiträgen getragen werden dürfte. Das Geschäft über laufende Prämien werde voraussichtlich leicht zurückgehen.
Ein Blick auf die Vertragszahlen unterstreicht derweil die strukturellen Verschiebungen im Markt. Insgesamt blieb die Zahl der Versicherungsverträge mit 501,5 Millionen nahezu unverändert. Deutlich rückläufig ist jedoch weiterhin die Lebensversicherung: Die Vertragszahl sank um 1,7 Prozent auf 82,8 Millionen Stück, wobei auch die betriebliche Altersversorgung mit einem Minus von 1,3 Prozent auf 16,3 Millionen Verträge betroffen ist. Wachstum zeigt sich dagegen in der Privaten Krankenversicherung, deren Vertragsbestand um 1,8 Prozent auf 40,8 Millionen zulegte. Stabil präsentierte sich die Schaden- und Unfallversicherung: Mit 377,9 Millionen Verträgen verzeichnete sie lediglich ein leichtes Plus von 0,2 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass das Beitragswachstum der Branche weniger aus einer steigenden Vertragsdichte resultiert, sondern vor allem aus höheren Beitragseinnahmen.
