Unternehmerische Verantwortung ist zu einem zentralen Maßstab moderner Unternehmensführung geworden. In einer Zeit, in der Vertrauen in Institutionen brüchiger wird und wirtschaftliche Entscheidungen immer stärker unter gesellschaftlicher Beobachtung stehen, reicht wirtschaftlicher Erfolg allein nicht mehr aus. Von Unternehmen wird erwartet, dass sie Verantwortung übernehmen – für Mitarbeitende, für Kundinnen und Kunden, für Geschäftspartner ebenso wie für die Gesellschaft insgesamt. Gerade in der Versicherungswirtschaft, deren Geschäftsmodell auf langfristigem Vertrauen beruht, spielt diese Erwartung eine besondere Rolle.

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Welche Versicherer dieser Erwartung aus Sicht der Wirtschaft besonders gerecht werden, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Analyseinstituts ServiceValue. Sie richtet den Blick nicht auf formale Nachhaltigkeitsberichte oder regulatorische Kennzahlen, sondern auf die Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung durch Führungskräfte – also durch Personen, die wirtschaftliche Entscheidungen aus eigener Erfahrung beurteilen können. Damit unterscheidet sich die Studie bewusst von klassischen Kundenbefragungen, wie sie in der Versicherungswirtschaft häufig eingesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen nicht individuelle Serviceerlebnisse oder Produkterfahrungen, sondern der übergreifende Eindruck der Unternehmensführung und ihres verantwortungsvollen Handelns im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext.

Was wurde untersucht?

Die Untersuchung „Unternehmerische Verantwortung“ ist Teil einer groß angelegten, branchenübergreifenden Studie von ServiceValue. Insgesamt wurden rund 181.000 Führungskräfte-Urteile zu 2.211 Unternehmen aus 124 Branchen ausgewertet. Die Befragung erfolgte eigeninitiiert über ein externes Online-Panel und ohne Einbindung der untersuchten Unternehmen. Teilnahmevoraussetzung war eine berufliche Führungsfunktion mindestens auf Gruppen- oder Teamleitungsebene.

Die Versicherungswirtschaft bildet innerhalb dieser Gesamtstudie eine eigenständige Teilbetrachtung. Die hier vorgestellten Ergebnisse sind daher nicht isoliert zu verstehen, sondern im Kontext eines branchenweiten Vergleichs großer deutscher Unternehmen einzuordnen. Um statistisch belastbare Aussagen zu gewährleisten, wurden Unternehmen nur dann berücksichtigt, wenn mindestens 75 Führungskräfte-Urteile vorlagen; bei 200 Urteilen wurde die Erhebung gedeckelt. Die Auswahl der untersuchten Unternehmen erfolgte auf Basis käuflicher Firmendatenbanken und konzentrierte sich auf die nach Mitarbeiterzahl und/oder Umsatz größten Marktteilnehmer.

Wie wurde bewertet?

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine bewusst allgemein gehaltene Fragestellung, die unterschiedliche Facetten unternehmerischer Verantwortung zusammenführt. Wörtlich wurden die Führungskräfte gefragt:

„Inwieweit können Sie aus eigenen Informationen und Erfahrungen heraus zustimmen, dass die Bemühungen der jeweiligen Unternehmensführung um eine unternehmerische Verantwortung aufrichtig und wirkungsvoll sind? Die unternehmerische Verantwortung zeigt sich im Umgang mit Arbeitnehmern, Geschäftspartnern und Kunden und/oder gegenüber der Gesellschaft wie auch ganz allgemein in der Einhaltung ethischer Normen.“

Die Bewertung erfolgte – wie häufig bei ServiceValue- Studien – über eine fünfstufige Zustimmungsskala: von „trifft voll und ganz zu“ bis „trifft nicht zu“. Die zusätzliche Antwortoption „kann ich nicht beurteilen“ floss nicht in die Wertung ein. Für jedes Unternehmen wurde aus den abgegebenen Urteilen ein empirischer Mittelwert gebildet; dabei gilt: Je niedriger der Wert, desto positiver wird die unternehmerische Verantwortung eingeschätzt.

Welche Unternehmen wurden ausgezeichnet?

Die Einordnung der Ergebnisse erfolgt strikt im Branchenvergleich. Versicherer, deren Mittelwert besser ausfällt als der Branchendurchschnitt, erhalten die Auszeichnung „Hohe unternehmerische Verantwortung“. Liegt der Wert zusätzlich unter dem Durchschnitt dieser überdurchschnittlichen Gruppe, wird das Prädikat „Sehr hohe unternehmerische Verantwortung“ vergeben. Das jeweils bestbewertete Unternehmen einer Branche wird als Nummer eins ("Nr. 1") ausgewiesen.

Was die Studie nicht leisten kann

So aussagekräftig die Untersuchung für die Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung ist, so klar sind auch ihre Grenzen. Die Fragestellung ist bewusst weit gefasst und vereint sehr unterschiedliche Ebenen: den Umgang mit Mitarbeitenden, mit Geschäftspartnern und Kunden, das gesellschaftliche Wirken eines Unternehmens sowie die Einhaltung ethischer Normen insgesamt. Sie misst damit kein einzelnes Handlungsfeld, sondern einen verdichteten Gesamteindruck.

Nicht erfasst wird, auf welchen konkreten Erfahrungen die Urteile beruhen – ob auf internen Eindrücken als Arbeitnehmer, auf Marktbeobachtung, Medienberichten oder persönlichem Kontakt mit dem Unternehmen. Ebenso wenig lassen sich aus den Ergebnissen Rückschlüsse auf einzelne Maßnahmen, konkrete Governance-Strukturen oder überprüfbare ESG-Kennzahlen ziehen. Die Studie ist kein Audit und kein objektiver Qualitätsnachweis, sondern ein Meinungsbild aus Führungsperspektive, das insbesondere den Außen- und Gesamteindruck unternehmerischer Verantwortung abbildet.

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Im Folgenden werden alle ausgezeichneten Unternehmen der Kategorie „Versicherer“ vorgestellt. Maßstab ist dabei der Branchenmittelwert von 2,61. Alle Versicherer, deren Mittelwert unter diesem Referenzwert liegt, schneiden im Vergleich überdurchschnittlich ab und erhalten eine Auszeichnung. Je weiter der jeweilige Wert unter dem Branchenmittel liegt, desto positiver wird die unternehmerische Verantwortung eingeschätzt; das bestbewertete Unternehmen der Branche wird als Nummer eins ausgewiesen.

Die ausgezeichneten Versicherer

Ein Blick auf die Spitzengruppe der Studie zeigt: Die vorderen Plätze sind kein Zufall. Auffällig ist, dass insbesondere Versicherer mit stabilen Geschäftsmodellen, hoher regionaler oder genossenschaftlicher Verwurzelung sowie klarer Marktstellung besonders gut abschneiden. Vertrauen entsteht hier weniger durch kurzfristige Produktinnovationen als durch Verlässlichkeit, Kontinuität und eine breite Präsenz über zentrale Lebens- und Risikobereiche hinweg. Angeführt wird das Ranking von Anbietern, deren Geschäftsmodelle traditionell auf Nähe zu Kundinnen und Kunden, langfristige Beziehungen und solide Bestandsstrukturen ausgerichtet sind.

Rang 1: R+V (2,37 – Nr. 1)

Die R+V belegt den Spitzenplatz der Studie und setzt damit die Benchmark für unternehmerische Verantwortung in der Versicherungswirtschaft. Als genossenschaftlich geprägter Allrounder verbindet die R+V wirtschaftliche Größe mit einer auf Stabilität und Ausgleich ausgerichteten Bestandsstruktur. In der Lebensversicherung ist sie als Einzelgesellschaft der zweitgrößte Anbieter am deutschen Markt. Im Kompositgeschäft belegt die R+V Rang drei und stützt sich dabei vor allem auf vertrauensprägende Sparten wie Haftpflicht- und Wohngebäudeversicherung; das Kraftfahrtgeschäft ist Teil des Portfolios, steht aber weniger im Vordergrund als bei stark kfz-fokussierten Wettbewerbern. In der privaten Krankenversicherung ist die R+V mit Rang 17 und einem Marktanteil von 1,87 Prozent zwar kleiner positioniert, hat sich dort jedoch – neben der Vollversicherung – als Spezialist für Zusatz- und Pflegeprodukte etabliert. Die breite, zugleich ausgewogene Aufstellung dürfte wesentlich dazu beitragen, dass die Unternehmensführung als besonders verantwortungsvoll wahrgenommen wird.

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Rang 2: Provinzial (2,38 – Sehr hohe Verantwortung)

Auf Rang zwei folgt mit der Provinzial ein Versicherer, dessen Geschäftsmodell regional verankert, zugleich aber von erheblicher Marktgröße geprägt ist. Im Kompositgeschäft zählt die Provinzial Versicherung mit 3,603 Milliarden Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 3,89 Prozent und Rang fünf zu den Marktführern in Deutschland. Besonders prägend ist dabei die Rolle in der Wohngebäudeversicherung, einem Segment, das langfristige Verantwortung gegenüber Eigentümern, Kommunen und regionaler Infrastruktur erfordert. Ergänzt wird das Kompositgeschäft durch die Provinzial Nord Brandkasse als öffentlichen Versicherer mit Schwerpunkt im Norden. Hinzu kommt eine solide Position in der Lebensversicherung mit 2,13 Milliarden Euro gebuchten Prämien. Die enge Verbindung zu öffentlichen Trägern und Sparkassenstrukturen prägt das Geschäftsmodell – und spiegelt sich offenbar auch in der Wahrnehmung verantwortungsvoller Unternehmensführung wider.

Rang 3: Allianz (2,39 – Sehr hohe Verantwortung)

Auf Rang drei folgt mit der Allianz der größte und sichtbarste Versicherer des deutschen Marktes – und damit für viele zunächst der naheliegende Favorit, der in der Rangfolge jedoch erst hinter den genossenschaftlich und öffentlich geprägten Anbietern landet. Im Kompositgeschäft dominiert der Konzern den Markt seit Jahren klar: Mit addierten Marktanteilen von rund 13,3 Prozent liegt die Allianz deutlich vor allen Wettbewerbern. Noch ausgeprägter ist die Stellung in der Lebensversicherung, wo sie mit 23,85 Milliarden Euro gebuchten Prämien und einem Marktanteil von knapp 26 Prozent unangefochtene Nummer eins ist. Auch in der privaten Krankenversicherung zählt die Allianz mit Rang drei und 8,52 Prozent Marktanteil zu den Schwergewichten.

Rang 4: ADAC Versicherungen (2,40 – Sehr hohe Verantwortung)

Auf Rang vier folgt mit den ADAC Versicherungen ein Kontrastprogramm zu den großen Allroundern an der Spitze. Gemessen an Marktanteilen zählt der ADAC im Kompositgeschäft mit 987 Millionen Euro gebuchten Prämien und 1,07 Prozent Marktanteil nicht zu den Schwergewichten. Seine Platzierung speist sich vielmehr aus der außergewöhnlich hohen Markenbekanntheit und dem über Jahrzehnte gewachsenen Vertrauen in den ADAC als Mobilitäts- und Dienstleistungsorganisation. Als Versicherer ist der ADAC eng mit dem Alltag vieler Haushalte verbunden – insbesondere im Kfz-Umfeld, aber zunehmend auch darüber hinaus. Die sehr gute Bewertung deutet darauf hin, dass unternehmerische Verantwortung hier weniger über Marktgröße, sondern über Verlässlichkeit, Nähe und gelebte Mitgliederorientierung wahrgenommen wird.

Rang 5: Debeka (2,44 – Sehr hohe Verantwortung)

Auf Rang fünf folgt mit der Debeka ein Versicherer, dessen öffentliche Wahrnehmung stark durch die führende Rolle in der privaten Krankenversicherung geprägt ist. Mit 8,20 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 16,17 Prozent und mehr als 2,5 Millionen vollversicherten Personen ist die Debeka hier unangefochtener Marktführer. Zugleich reicht ihre Bedeutung deutlich über die Krankenversicherung hinaus. In der Lebensversicherung zählt sie mit 3,69 Milliarden Euro gebuchten Prämien und Rang vier zu den großen Einzelgesellschaften, mit einem klaren Schwerpunkt auf Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Auch im Kompositgeschäft ist die Debeka präsent, wenn auch mit geringerem Marktanteil, weist dort jedoch eine auffällige Struktur mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil der Unfallversicherung auf. Die Kombination aus starker Spezialisierung, Mitgliederorientierung und substantieller Präsenz in mehreren Sparten dürfte wesentlich dazu beitragen, dass die Unternehmensführung als besonders verantwortungsvoll wahrgenommen wird.

Alle ausgezeichneten Versicherer

Insgesamt wurden in der Kategorie „Versicherer“ 25 Unternehmen ausgezeichnet. Sie alle liegen mit ihrem Bewertungswert unter dem Branchenmittel von 2,61 und schneiden damit im Vergleich überdurchschnittlich ab:

  • R+V: 2,37 (Nr. 1)
  • Provinzial: 2,38 (Sehr hohe Verantwortung)
  • Allianz: 2,39 (Sehr hohe Verantwortung)
  • ADAC Versicherungen: 2,40 (Sehr hohe Verantwortung)
  • Debeka: 2,44 (Sehr hohe Verantwortung)
  • BarmeniaGothaer: 2,45 (Sehr hohe Verantwortung)
  • LVM Versicherung: 2,46 (Sehr hohe Verantwortung)
  • HUK-COBURG: 2,46 (Sehr hohe Verantwortung)
  • ERGO: 2,47 (Sehr hohe Verantwortung)
  • WWK: 2,48 (Sehr hohe Verantwortung)
  • SV SparkassenVersicherung: 2,49 (Sehr hohe Verantwortung)
  • DEVK: 2,49 (Sehr hohe Verantwortung)
  • ZURICH: 2,50 (Hohe Verantwortung)
  • VOLKSWOHL BUND: 2,50 (Hohe Verantwortung)
  • SDK: 2,51 (Hohe Verantwortung)
  • ARAG: 2,52 (Hohe Verantwortung)
  • SIGNAL IDUNA: 2,52 (Hohe Verantwortung)
  • VGH Versicherungen: 2,53 (Hohe Verantwortung)
  • Alte Leipziger-Hallesche: 2,54 (Hohe Verantwortung)
  • BGV Badische Versicherungen: 2,54 (Hohe Verantwortung)
  • VHV Versicherungen: 2,55 (Hohe Verantwortung)
  • Die Haftpflichtkasse: 2,57 (Hohe Verantwortung)
  • InterRisk: 2,57 (Hohe Verantwortung)
  • Württembergische: 2,58 (Hohe Verantwortung)
  • Würzburger: 2,60 (Hohe Verantwortung)

Hintergrund: Die hier vorgestellten Ergebnisse basieren auf der WELT-Untersuchung „Unternehmerische Verantwortung“, die das Analyseinstitut ServiceValue durchgeführt hat. Grundlage sind rund 181.000 Führungskräfte-Urteile zu 2.211 Unternehmen aus 124 Branchen. Die Befragung erfolgte eigeninitiiert über ein externes Online-Panel und ohne Einbindung der untersuchten Unternehmen im Zeitraum Dezember 2025 bis Januar 2026.

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Teilnahmevoraussetzung war eine berufliche Führungsfunktion mindestens auf Gruppen- oder Teamleitungsebene. Bewertet wurde die wahrgenommene Aufrichtigkeit und Wirksamkeit unternehmerischer Verantwortung in einer bewusst breit gefassten Dimension; ausgewiesen werden die Ergebnisse ausschließlich im Branchenvergleich. Weitere Informationen zur Studie und zur Methodik sind auf der Website von ServiceValue abrufbar.

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