Komposit: Wer das Geschäft dominiert (Teil 2: Provinzial bis Allianz)
Das Schaden- und Unfallgeschäft ist ein zentrales Rückgrat der deutschen Versicherungswirtschaft. Mit 92,52 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien im Jahr 2024 entfällt ein erheblicher Teil des gesamten Marktvolumens auf die Kompositsparte. Nachdem Versicherungsbote im ersten Teil die Marktführer auf den Rängen zwölf bis sieben vorgestellt hat, rückt nun die Spitze des Marktes in den Fokus – die sechs dominierenden Komposit-Versicherer am Markt.

- Komposit: Wer das Geschäft dominiert (Teil 2: Provinzial bis Allianz)
- Provinzial-Gruppe: Wohngebäude-Schwerpunkt mit starkem Extremwetter-Einfluss
- AXA: Ausgewogenes Kompositportfolio, starke Ergebniserholung
- Ergo Versicherungs AG: Breites Sachportfolio mit geringer Kfz-Abhängigkeit
- R+V-Gruppe: Breites Sachportfolio trifft auf Kfz-Spezialisierung
- HUK-Coburg: Extrem Kfz-lastiges Konzernmodell mit hoher Ergebnisvolatilität
- Allianz: Die Nummer eins im Komposit-Geschäft
Das Kompositgeschäft blieb auch 2024 von hoher Schadenbelastung und strukturellen Herausforderungen geprägt, wie der Branchenmonitor Komposit 2025 zeigt. Zwar lag die durchschnittliche Schaden-Kosten-Quote im Top-50-Kollektiv wieder unter der technischen Kostendeckungsgrenze – also unter jener Schwelle, ab der Schaden- und Kostenaufwendungen die Beitragseinnahmen übersteigen –, doch die Ertragslage blieb heterogen. Gerade bei den größten Anbietern zeigte sich, wie unterschiedlich Portfoliostruktur, Ergebnisvolatilität und Steuerungsfähigkeit im Umgang mit Extremwetter- und Kfz-Belastungen ausgeprägt waren.
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Genau an diesem Punkt setzt die Marktbetrachtung von Versicherungsbote an. Nachdem im ersten Teil der Analyse die Unternehmen auf den Rängen zwölf bis sieben nach gebuchten Bruttoprämien vorgestellt wurden, richtet sich der Blick nun auf die dominierenden Akteure des Kompositgeschäfts. Teil zwei nimmt die Ränge sechs bis eins in den Fokus – von der Provinzial bis zur Allianz. Diese Gesellschaften bündeln einen erheblichen Teil des Marktvolumens und prägen mit ihren Geschäftsmodellen maßgeblich die wirtschaftliche Entwicklung der Sparte. Wie stabil sie durch die Krisenjahre navigiert sind und wo sich strukturelle Stärken oder Verwundbarkeiten zeigen, verdeutlichen die folgenden Porträts.
Provinzial-Gruppe: Wohngebäude-Schwerpunkt mit starkem Extremwetter-Einfluss
Mit gebuchten Bruttoprämien von zusammen 4,28 Milliarden Euro und einem Marktanteil von 4,63 Prozent belegt die Provinzial-Gruppe Rang sechs unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Diese Platzierung ergibt sich aus der gemeinsamen Betrachtung der Provinzial Versicherung AG und der Provinzial Nord Brandkasse, die im Branchenmonitor als eigenständige Gesellschaften geführt werden, für die Konzern- und Marktanalyse jedoch addiert werden. Die Provinzial Versicherung AG steuert 3,60 Milliarden Euro Bruttoprämien bei (Rang fünf in der Einzelwertung), die Provinzial Nord Brandkasse weitere 0,68 Milliarden Euro (Rang neunundzwanzig). Beide Häuser sind stark in der Wohngebäudeversicherung engagiert, unterscheiden sich jedoch deutlich in regionaler Exponierung und im Verlauf der Ergebnisentwicklung.
Provinzial Versicherung AG: Wohngebäude-Fokus mit extremer Katastrophenexponierung
Mit gebuchten Bruttoprämien von 3,60 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 3,89 Prozent belegt die Provinzial Versicherung AG Rang fünf unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Für die Provinzial-Gruppe ist sie die volumenstärkere der beiden Kompositgesellschaften – das Konzernprofil ergibt sich jedoch erst aus dem Zusammenspiel mit der Provinzial Nord Brandkasse, die eine andere regionale Verankerung und damit ein abweichendes Schaden- und Ergebnisprofil aufweist. Gerade diese unterschiedliche regionale Exponierung erklärt einen Teil der Unterschiede im Verlauf der Ergebnisentwicklung innerhalb des Verbunds.
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Das ausgewiesene Prämienwachstum der Provinzial Versicherung AG fällt auf den ersten Blick außergewöhnlich stark aus. Seit 2019 erhöhten sich die gebuchten Bruttoprämien von 1,23 Milliarden Euro auf 3,60 Milliarden Euro. Diese Entwicklung ist jedoch nur eingeschränkt als organisches Wachstum zu interpretieren. Maßgeblich geprägt wurde der Anstieg durch eine konzerninterne Strukturreform: Zum 1. Januar 2021 wurde die Westfälische Provinzial rückwirkend auf die zuvor in Provinzial Versicherung AG umfirmierte Provinzial Rheinland verschmolzen. Seitdem werden die zuvor getrennt geführten Bestände in einer Gesellschaft ausgewiesen. Der deutliche Prämienzuwachs spiegelt damit vor allem die rechtliche und bilanziell-organisatorische Zusammenführung wider und nicht ausschließlich eine Ausweitung des Neugeschäfts. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um rund 7,3 Prozent zu.
Wohngebäude prägt das Risikoprofil
Die Portfoliostruktur weist einen klaren Schwerpunkt auf die verbundene Wohngebäudeversicherung auf. Mit einem Anteil von 33 Prozent liegt dieser deutlich über dem Marktdurchschnitt von 16 Prozent. Das Kraftfahrtgeschäft ist mit 27 Prozent unterdurchschnittlich gewichtet, während Haftpflicht (9 Prozent), Unfall (5 Prozent) und Hausrat (5 Prozent) ergänzende Rollen einnehmen. Der Restanteil von 20 Prozent verteilt sich auf sonstige Sachsparten wie Feuer-, technische Versicherungen, Beistandsleistungen sowie weitere Segmente.
Diese Ausrichtung erklärt die hohe Ergebnisvolatilität in Jahren mit außergewöhnlichen Schadenereignissen. Besonders deutlich wurde dies im Extremwetterjahr 2021: Allein in der Wohngebäudeversicherung erreichte die Schaden-Kosten-Quote damals 201,25 Prozent, was den Gesamtwert der Kompositsparte auf 140,19 Prozent trieb. Bereits nach dem Extremjahr 2021 setzte eine schrittweise Gegenbewegung ein. Nach einer Schaden-Kosten-Quote von 97,89 Prozent im Jahr 2022 verbesserte sich der Wert 2023 weiter auf 89,00 Prozent. 2024 verstärkte sich diese Erholung deutlich: Die Quote sinkt auf 86,87 Prozent, womit die Provinzial Versicherung AG Rang zwei im CR-Ranking erreicht. Maßgeblich trug dazu die Wohngebäudeversicherung bei, die 2024 mit einer Schaden-Kosten-Quote von 81,11 Prozent arbeitete und das Gesamtergebnis spürbar stabilisierte. Der Schnitt der Jahre 2019 bis 2024 liegt bei 95,10 Prozent.
Ergebnisentwicklung stark von Extremjahren geprägt
Das versicherungstechnische Ergebnis (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) belief sich 2024 auf 157,53 Millionen Euro, was Rang sechs im Top-50-Kollektiv entspricht. In den Vorjahren schwankte das Ergebnis erheblich: Während 2021 ein Verlust von 489,74 Millionen Euro verbucht wurde, bewegten sich die Ergebnisse in den übrigen Jahren zwischen 36,97 Millionen Euro (2022) und 167,40 Millionen Euro. In der Mehrjahresbetrachtung 2019 bis 2024 ergibt sich ein durchschnittliches versicherungstechnisches Ergebnis von 24,46 Millionen Euro.
Die Provinzial Versicherung AG verdeutlicht damit exemplarisch die besondere Sensitivität eines stark wohngebäudegeprägten Geschäftsmodells gegenüber Extremwetterereignissen. Gerade weil die Gesellschaft über Jahre hinweg verlässlich kalkuliert und wirtschaftlich stabil arbeitet, tritt der Ausnahmecharakter des Jahres 2021 umso deutlicher hervor. Die massive Ergebnisbelastung in diesem Jahr ist weniger Ausdruck struktureller Schwächen als vielmehr ein Beleg für die inhärente Fragilität der Wohngebäudeversicherung gegenüber seltenen, aber extremen Schadenereignissen. Umgekehrt zeigt der schnelle Rückgang der Schaden-Kosten-Quote in den Folgejahren, wie rasch sich die Ertragslage bei normalisierten Schadenverläufen wieder stabilisieren kann, wenn Prämienstruktur und Risikosteuerung grundsätzlich tragfähig sind.
Provinzial Nord Brandkasse: Wohngebäude-Schwerpunkt mit regional gedämpfter Schadenvolatilität
Die Provinzial Nord Brandkasse ergänzt die Provinzial Versicherung AG innerhalb der Gruppe um ein deutlich kleineres, regional anders verankertes Kompositportfolio. Mit gebuchten Bruttoprämien von 680,61 Millionen Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 0,74 Prozent belegt sie Rang neunundzwanzig im Einzelranking der Mehrsparten-Kompositversicherer. Im Konzernkontext trägt sie damit rund ein Sechstel zum addierten Prämienvolumen der Provinzial-Gruppe bei.
Das Wachstum der Provinzial Nord fällt moderat und kontinuierlich aus. Seit 2019 stiegen die gebuchten Bruttoprämien von 528,10 Millionen Euro auf 680,61 Millionen Euro, was einem Zuwachs von rund 29 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um etwa 7,4 Prozent zu. Anders als bei der Provinzial Versicherung AG ist diese Entwicklung vollständig organisch geprägt und nicht durch strukturelle Zusammenführungen beeinflusst.
Wohngebäude ebenfalls zentral, regionale Risikostruktur jedoch günstiger
Auch die Provinzial Nord Brandkasse weist einen ausgeprägten Schwerpunkt in der verbundenen Wohngebäudeversicherung auf. Mit einem Anteil von 32 Prozent liegt dieser nahezu auf dem Niveau der Provinzial Versicherung AG. Das Kraftfahrtgeschäft erreicht 31 Prozent und ist damit etwas stärker gewichtet, während Haftpflicht (8 Prozent), Unfall (5 Prozent) und Hausrat (5 Prozent) ergänzende Rollen spielen. Der Restanteil von 19 Prozent entfällt auf sonstige Sachsparten wie Feuer-, technische Versicherungen, Beistandsleistungen, Rechtsschutz sowie weitere Segmente ("Rest").
Trotz dieser ähnlichen Portfoliostruktur zeigt sich eine deutlich geringere Ergebnisvolatilität. Maßgeblich dafür ist die regionale Exponierung: Die Provinzial Nord ist schwerpunktmäßig in norddeutschen Regionen tätig, die in den vergangenen Jahren vergleichsweise weniger stark von extremen Starkregen- und Hochwasserereignissen betroffen waren als etwa Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen.
Stabile Schaden-Kosten-Quote ohne Extremjahresausreißer
Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 87,05 Prozent, womit die Provinzial Nord Brandkasse Rang drei im Top-50-Vergleich erreicht. Auch in der Zeitreihe zeigt sich ein auffallend stabiles Bild. Der Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 liegt bei 90,96 Prozent und bewegt sich damit dauerhaft im auskömmlichen Bereich. Extreme Ausschläge wie bei der Provinzial Versicherung AG im Jahr 2021 traten bei der Provinzial Nord nicht auf.
Kontinuierlich positives Ergebnisprofil
Das versicherungstechnische Ergebnis (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) belief sich 2024 auf 49,40 Millionen Euro, was Rang dreizehn im Branchenvergleich entspricht. Bemerkenswert ist die Konstanz: Anders als viele Wettbewerber – und auch anders als die größere Schwestergesellschaft – konnte die Provinzial Nord Brandkasse im gesamten Betrachtungszeitraum durchgehend positive Ergebnisse ausweisen. Diese schwankten zwischen 0,16 Millionen Euro im Jahr 2022 und 52,42 Millionen Euro im Jahr 2021. Über den Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich ein durchschnittliches versicherungstechnisches Ergebnis von 31,39 Millionen Euro.
AXA: Ausgewogenes Kompositportfolio, starke Ergebniserholung
Mit gebuchten Bruttoprämien von 4,80 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 5,19 Prozent belegt die AXA Rang fünf unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. In der Einzelwertung nach Gesellschaft rangiert sie mit diesem Prämienvolumen auf Rang vier. Die AXA gehört damit klar zum oberen Kern der dominierenden Anbieter im deutschen Schaden- und Unfallgeschäft.
Das Prämienwachstum fällt kontinuierlich und stabil aus. Seit 2019 erhöhten sich die gebuchten Bruttoprämien von 4,09 Milliarden Euro auf 4,80 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von rund 17 Prozent innerhalb von fünf Jahren entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämieneinnahmen um gut 6,1 Prozent zu. Die AXA wächst damit moderat, aber stetig – ohne größere strukturelle Brüche oder Sondereffekte.
Ausgewogenes Portfolio mit überdurchschnittlichen Haftpflicht- und Gebäudeanteilen
Die Bestandszusammensetzung ist insgesamt ausgewogen, weist jedoch in mehreren Teilsparten klare Abweichungen vom Branchendurchschnitt auf. Der Kraftfahrtanteil liegt mit 30 Prozent deutlich unter dem Marktdurchschnitt von rund 40 Prozent und verliert damit seine dominierende Stellung im Portfolio. Demgegenüber sind die Haftpflichtversicherung mit 16 Prozent sowie der Restanteil mit 27 Prozent überdurchschnittlich gewichtet. Die verbundene Wohngebäudeversicherung erreicht 18 Prozent und liegt damit ebenfalls oberhalb des Branchenmittels von 16 Prozent. Unfall (5 Prozent) und Hausrat (4 Prozent) nehmen ergänzende Rollen ein.
Diese Struktur führt zu einer breiteren Risikostreuung als bei stark Kfz-lastigen Anbietern. Gleichzeitig erhöht sie die Ergebnisabhängigkeit von witterungs- und haftungsgetriebenen Schadenverläufen, was sich insbesondere in Jahren mit Extremwetterereignissen oder außergewöhnlichen Schadenentwicklungen bemerkbar machen kann.
Schaden-Kosten-Quote 2024 deutlich verbessert
Nach mehreren belastenden Jahren zeigt sich 2024 eine ausgeprägte Ergebniswende auf der Schaden- und Kostenseite. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 86,87 Prozent erreicht die AXA – gemeinsam mit der Provinzial Versicherung AG – Rang zwei im CR-Vergleich des Top-50-Kollektivs. In den Vorjahren lagen die Werte deutlich höher: 106,52 Prozent im Extremwetterjahr 2021 und 100,44 Prozent im Kfz-Krisenjahr 2023. Der Mehrjahresschnitt 2019 bis 2024 beträgt 94,14 Prozent und wird vor allem durch diese beiden Belastungsjahre nach oben gezogen.
Ergebnis: Vom Schlusslicht zurück an die Spitze
Besonders eindrucksvoll fällt die Entwicklung des versicherungstechnischen Ergebnisses (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) aus. Nach einem Verlust von 186,62 Millionen Euro im Jahr 2023 – dem schlechtesten Ergebnis der gesamten Branche – erzielt die AXA 2024 einen Gewinn von 334,61 Millionen Euro und verbessert sich damit im Ergebnisranking von Rang fünfzig auf Rang zwei.
In der Mehrjahresbetrachtung bestätigt sich die strukturelle Ertragskraft des Geschäftsmodells: Der durchschnittliche Gewinn über den Zeitraum 2019 bis 2024 liegt bei 199,45 Millionen Euro. Der Ausreißer des Jahres 2023 bleibt damit klar als Sondereffekt eines außergewöhnlichen Belastungsjahres erkennbar.
Ergo Versicherungs AG: Breites Sachportfolio mit geringer Kfz-Abhängigkeit
Mit gebuchten Bruttoprämien von 5,08 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 5,49 Prozent belegt die Ergo Versicherungs AG Rang vier unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. In der Einzelwertung nach rechtlich selbstständigen Gesellschaften erreicht sie Rang drei. Damit gehört die Ergo klar zum Kreis der dominierenden Anbieter im deutschen Kompositgeschäft.
Das Prämienwachstum fällt kontinuierlich und substantiell aus. Seit 2019 erhöhten sich die gebuchten Bruttoprämien von 3,75 Milliarden Euro auf 5,08 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von rund 36 Prozent innerhalb von fünf Jahren entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um gut 4,4 Prozent zu. Die Entwicklung ist dabei nicht von sprunghaften Sondereffekten geprägt, sondern Ausdruck eines stabil wachsenden Geschäftsmodells.
Haftpflicht- und Restgeschäft prägen das Portfolio
Die Bestandszusammensetzung unterscheidet sich deutlich vom Branchendurchschnitt. Auffällig ist insbesondere der hohe Restanteil von 35 Prozent, der deutlich über dem Marktniveau von rund 22 Prozent liegt. Dieser umfasst unter anderem Rechtsschutz, Feuer- und technische Versicherungen, Beistandsleistungen sowie weitere spezialisierte Sachsegmente und verleiht dem Portfolio eine breite Diversifikation jenseits klassischer Massenlinien.
Die Haftpflichtversicherung erreicht mit 18 Prozent einen ebenfalls klar überdurchschnittlichen Anteil gegenüber dem Branchenschnitt von rund 10 Prozent. Das Kraftfahrtgeschäft ist mit 20 Prozent hingegen auffallend niedrig gewichtet und liegt deutlich unter dem Marktdurchschnitt von etwa 40 Prozent. Die verbundene Wohngebäudeversicherung kommt auf 10 Prozent, Hausrat auf 3 Prozent. Auf die Unfallversicherung entfallen 13 Prozent der gebuchten Bruttoprämien.
Diese Struktur reduziert die Abhängigkeit von der volatilen Kraftfahrtsparte und trägt zur vergleichsweise gleichmäßigen Ergebnisentwicklung bei, erhöht zugleich aber die Bedeutung stabiler Schadenverläufe in Haftpflicht- und Spezialsparten.
Schaden-Kosten-Quote über Jahre auskömmlich
Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 94,65 Prozent und damit auf Rang zweiundzwanzig im Top-50-Vergleich. Aussagekräftiger als der Einzelwert ist jedoch die Entwicklung über die Zeit: Im gesamten Betrachtungszeitraum von 2019 bis 2024 überschritt die Quote in keinem Jahr die Marke von einhundert Prozent. Selbst im Extremwetterjahr 2021 blieb sie mit 99,85 Prozent knapp unter jener Schwelle, ab der Schaden- und Kostenaufwendungen die Beitragseinnahmen übersteigen. Der Mehrjahresschnitt von 94,84 Prozent bestätigt eine dauerhaft auskömmliche Schaden- und Kostenrelation und verweist auf eine robuste Steuerung des Kompositportfolios.
Versicherungstechnisches Ergebnis auf hohem Niveau verstetigt
Das versicherungstechnische Ergebnis (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) belief sich 2024 auf 201,60 Millionen Euro. Damit erreicht die Ergo Versicherungs AG Rang fünf im Ergebnisranking der fünfzig größten Kompositversicherer. Auch in der Mehrjahresbetrachtung bleibt das Bild konsistent: Der Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 liegt bei 208,09 Millionen Euro Gewinn und unterstreicht die nachhaltig hohe Ertragskraft des Unternehmens im Kompositbereich.
R+V-Gruppe: Breites Sachportfolio trifft auf Kfz-Spezialisierung
Mit einem addierten Marktanteil von 6,86 Prozent belegt die R+V-Gruppe Rang drei unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Die Platzierung ergibt sich aus der gemeinsamen Betrachtung der R+V Allgemeine Versicherung AG mit einem Marktanteil von 6,06 Prozent sowie der KRAVAG Allgemeine Versicherungs-AG mit 0,80 Prozent. Beide Gesellschaften werden im Branchenmonitor separat ausgewiesen, für die Marktbetrachtung jedoch zusammengeführt. Auffällig ist dabei die starke Spreizung innerhalb des Konzerns: Während die R+V Allgemeine ein breit diversifiziertes Sachportfolio aufweist, ist die KRAVAG nahezu vollständig auf das Kraftfahrtgeschäft spezialisiert.
R+V Allgemeine: Breites Portfolio, anhaltender Ergebnisdruck
Mit gebuchten Bruttoprämien von 5,61 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 6,06 Prozent erreicht die R+V Allgemeine Rang zwei in der Einzelwertung der rechtlich selbstständigen Kompositversicherer. Das Prämienvolumen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Seit 2019 stiegen die gebuchten Bruttoprämien von 4,30 Milliarden Euro auf 5,61 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von rund 30 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um etwa 8,4 Prozent zu.
Die Portfoliostruktur unterscheidet sich deutlich vom Branchendurchschnitt. Der Kraftfahrtanteil liegt mit 24 Prozent klar unter dem Marktniveau von rund 40 Prozent. Demgegenüber ist der Restanteil mit 35 Prozent außergewöhnlich hoch und umfasst unter anderem Rechtsschutz, Feuer-, technische Versicherungen sowie weitere Sachsegmente. Die Haftpflichtversicherung erreicht 14 Prozent, die verbundene Wohngebäudeversicherung liegt mit 16 Prozent auf Marktniveau. Unfall (8 Prozent) und Hausrat (3 Prozent) spielen eine ergänzende Rolle.
Schaden-Kosten-Quote: Extremjahr prägt die Zeitreihe
Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 99,12 Prozent und damit auf Rang fünfunddreißig im Vergleich der Top-50-Kompositversicherer. Auffällig ist weniger der Einzelwert als die Struktur der Zeitreihe: Während die Quote in mehreren Jahren knapp unter der Marke von einhundert Prozent blieb – etwa 2019 mit 98,76 Prozent und 2023 mit 98,94 Prozent –, sticht das Extremwetterjahr 2021 deutlich hervor. In diesem Jahr erreichte die Schaden-Kosten-Quote 111,58 Prozent, was den Mehrjahresschnitt 2019 bis 2024 auf 100,31 Prozent anhebt und damit rechnerisch über die Auskömmlichkeitsschwelle drückt.
Versicherungstechnisches Ergebnis weiterhin belastet
Noch deutlicher zeigt sich die angespannte Lage im versicherungstechnischen Ergebnis. 2024 weist die R+V Allgemeine einen Verlust von 168,26 Millionen Euro aus und erzielt damit das zweitschlechteste Ergebnis im Top-50-Kollektiv. Bereits 2023 lag das Ergebnis mit minus 97,51 Millionen Euro deutlich im Minus, was auf eine Fortsetzung der Belastungsphase hindeutet. Das beste Ergebnis des Betrachtungszeitraums wurde 2022 mit einem Gewinn von 125,52 Millionen Euro erzielt. In der Mehrjahresbetrachtung von 2019 bis 2024 verbleibt dennoch ein durchschnittliches negatives Ergebnis von minus 16,36 Millionen Euro.
Die R+V Allgemeine zeigt damit, dass ein breit diversifiziertes Sachportfolio zwar Risiken streuen kann, aber nicht automatisch vor anhaltendem Ergebnisdruck schützt – insbesondere dann nicht, wenn Extremwetterereignisse und strukturelle Belastungen über mehrere Jahre hinweg nachwirken.
KRAVAG Allgemeine: Kfz-Spezialist mit hoher Volatilität
Die KRAVAG Allgemeine Versicherungs-AG ist als Tochtergesellschaft innerhalb der R+V-Gruppe auf das Kraftfahrtgeschäft spezialisiert und wird im Branchenmonitor als eigenständiger Kompositversicherer geführt. 2024 erzielte sie gebuchte Bruttoprämien von 738,33 Millionen Euro und einen Marktanteil von 0,80 Prozent, was Rang siebenundzwanzig in der Einzelwertung entspricht. Seit 2019 stiegen die Prämieneinnahmen von 520,42 Millionen Euro auf 738,33 Millionen Euro, ein Zuwachs von rund 42 Prozent. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 lag das Wachstum bei etwa 11,3 Prozent.
Die Portfoliostruktur ist nahezu monolithisch: 97 Prozent der gebuchten Bruttoprämien entfallen auf die Kraftfahrtversicherung. Der verbleibende Restanteil von rund 1 Prozent verteilt sich auf kleinere Sachsegmente; Unfall, Haftpflicht, Hausrat und Wohngebäude spielen faktisch keine Rolle.
Kfz-Belastung schlägt sich im Ergebnis nieder
Die Schaden-Kosten-Quote der KRAVAG Allgemeine lag 2024 bei 103,90 Prozent und zählt damit zu den neun schwächsten Werten im Marktvergleich. Bereits 2023 überschritt die Quote erstmals die Marke von einhundert Prozent und erreichte 106,77 Prozent – ein deutlicher Ausdruck des Kfz-Krisenjahres. In der Mehrjahresbetrachtung 2019 bis 2024 bleibt die Quote mit durchschnittlich 97,54 Prozent rechnerisch noch im auskömmlichen Bereich.
Das versicherungstechnische Ergebnis fiel 2024 mit minus 26,77 Millionen Euro negativ aus und entspricht Rang einundvierzig im Ergebnisranking. Auch hier zeigt sich eine Parallele zur R+V Allgemeine: Bis einschließlich 2022 wurden Gewinne erzielt, ab 2023 rutschte das Ergebnis in die Verlustzone. Das beste Ergebnis erzielte die KRAVAG Allgemeine im Jahr 2021 mit einem Gewinn von 48,87 Millionen Euro. Über den gesamten Zeitraum 2019 bis 2024 verbleibt dennoch ein durchschnittlich positives Ergebnis von 8,45 Millionen Euro.
HUK-Coburg: Extrem Kfz-lastiges Konzernmodell mit hoher Ergebnisvolatilität
Mit addierten gebuchten Bruttoprämien von 6,62 Milliarden Euro und einem Marktanteil von 7,16 Prozent belegt der HUK-Coburg-Konzern Rang zwei unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Die Platzierung ergibt sich aus der gemeinsamen Betrachtung der HUK-Coburg Allgemeine Versicherungs-AG, der HUK-Coburg VVaG sowie der HUK24 AG, die im Branchenmonitor als rechtlich selbstständige Gesellschaften geführt werden, für die Konzern- und Marktanalyse jedoch addiert werden. Alle drei Einheiten eint ein ausgesprochen kraftfahrtlastiges Geschäftsmodell, das sich deutlich vom durchschnittlichen Kompositportfolio abhebt.
HUK-Coburg Allgemeine: Kfz-Schwerpunkt mit starker Ergebniserholung 2024
Mit gebuchten Bruttoprämien von 2,97 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 3,21 Prozent belegt die HUK-Coburg Allgemeine Rang acht in der Einzelwertung. Das Prämienvolumen wuchs seit 2019 von 2,35 Milliarden Euro auf 2,97 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von rund 26 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 stiegen die Prämien um etwa 10,8 Prozent.
Die Portfoliostruktur ist klar vom Kraftfahrtgeschäft geprägt. Mit einem Anteil von 84 Prozent liegt Kraftfahrt extrem über dem Branchendurchschnitt. Haftpflicht (4 Prozent), Unfall (2 Prozent), Hausrat (4 Prozent) und Wohngebäude (6 Prozent) spielen demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle; der Restanteil liegt bei lediglich 1 Prozent.
Nach dem ausgeprägten Kfz-Krisenjahr 2023 zeigt sich 2024 eine deutliche Gegenbewegung. Die Schaden-Kosten-Quote sinkt von 108,27 Prozent im Vorjahr auf 93,36 Prozent, womit sich die Gesellschaft im Ranking um dreißig Plätze von Rang 45 auf Rang 15 verbessert. Im Zeitraum 2019 bis 2024 überschritt die Quote nur einmal die Marke von einhundert Prozent; der Mehrjahresschnitt liegt bei 95,73 Prozent.
Das versicherungstechnische Ergebnis belief sich 2024 auf 202,31 Millionen Euro und erreicht damit Rang vier im Branchenvergleich. Nach dem hohen Verlust von –146,10 Millionen Euro im Jahr 2023 markiert dies eine der stärksten Ergebniserholungen im Markt. Der Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 beträgt 108,23 Millionen Euro.
HUK-Coburg VVaG: Kfz-dominiert, aber breiter aufgestellt als die Allgemeine
Die HUK-Coburg VVaG erzielte 2024 gebuchte Bruttoprämien von 2,13 Milliarden Euro und einen Marktanteil von 2,31 Prozent, was Rang vierzehn in der Einzelwertung entspricht. Seit 2019 wuchs das Prämienvolumen von 1,78 Milliarden Euro auf 2,13 Milliarden Euro; im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 ergibt sich ein Plus von rund 10,2 Prozent.
Auch hier dominiert das Kraftfahrtgeschäft mit 71 Prozent der Prämien. Im Vergleich zur HUK-Coburg Allgemeine sind Wohngebäude (14 Prozent) und Hausrat (7 Prozent) stärker vertreten, während Haftpflicht (4 Prozent) und Unfall (3 Prozent) ergänzende Rollen einnehmen. Der Restanteil liegt ebenfalls bei 1 Prozent.
Die Schaden-Kosten-Quote sank 2024 auf 94,30 Prozent (Rang 18). Zuvor lag sie in den Jahren 2022 (100,04 Prozent) und 2023 (103,36 Prozent) über der Kostendeckungsgrenze, so dass mehr Geld für Schäden und weitere Kosten ausgegeben als eingenommen wurde. Der Mehrjahresschnitt 2019 bis 2024 beträgt 95,41 Prozent.
Beim versicherungstechnischen Ergebnis weist die VVaG 2024 einen Gewinn von 108,17 Millionen Euro aus (Rang sieben). Nach dem Verlust von –51,12 Millionen Euro im Jahr 2023 bestätigt dies ebenfalls eine deutliche Erholung. Der Durchschnitt 2019 bis 2024 liegt bei 79,95 Millionen Euro.
HUK24: Reiner Kfz-Direktversicherer mit anhaltender Belastung
Die HUK24 erzielte 2024 gebuchte Bruttoprämien von 1,52 Milliarden Euro und einen Marktanteil von 1,64 Prozent, was Rang achtzehn in der Einzelwertung entspricht. Seit 2019 stieg das Prämienvolumen von 0,93 Milliarden Euro auf 1,52 Milliarden Euro; im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 entspricht dies einem Zuwachs von rund 20,4 Prozent.
Das Portfolio ist nahezu vollständig auf Kraftfahrt ausgerichtet. Mit einem Anteil von 89 Prozent ist HUK24 der kfz-lastigste Anbieter im HUK-Kollektiv. Unfall (1 Prozent), Haftpflicht (2 Prozent), Hausrat (3 Prozent) und Wohngebäude (3 Prozent) spielen nur marginale Rollen; der Restanteil liegt bei 2 Prozent.
Schaden-Kosten-Quote der HUK24 weiterhin belastet, Mehrjahresschnitt nur rechnerisch auskömmlich
Die Schaden-Kosten-Quote der HUK24 lag 2024 bei 103,79 Prozent (Rang 41) und damit erneut oberhalb der technischen Kostendeckungsgrenze, ab der Schaden- und Kostenaufwendungen die Beitragseinnahmen übersteigen. Seit 2022 weist der Direktversicherer durchgehend Quoten über einhundert Prozent aus; besonders ausgeprägt war die Belastung im Kfz-Krisenjahr 2023 mit 112,11 Prozent.
In der Mehrjahresbetrachtung 2019 bis 2024 ergibt sich mit 97,08 Prozent zwar noch ein rechnerisch auskömmlicher Durchschnitt. Dieser Wert wird jedoch maßgeblich von den Jahren vor 2022 getragen. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass das stark kfz-dominierte Geschäftsmodell der HUK24 seit Beginn der Schadeninflation strukturell unter Druck steht und bislang keine nachhaltige Rückkehr unter die Kostendeckungsgrenze erreicht hat.
Das versicherungstechnische Ergebnis fiel 2024 mit –11,21 Millionen Euro erneut negativ aus. Nach dem hohen Verlust von –131,34 Millionen Euro im Jahr 2023 zeigt sich zwar eine deutliche Verbesserung, ein nachhaltiger Turnaround ist jedoch noch nicht erreicht. Der Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 liegt mit 26,31 Millionen Euro jedoch weiterhin im positiven Bereich.
Konzernbild: Hohe Abhängigkeit vom Kfz-Zyklus
In der Gesamtschau verdeutlicht der HUK-Coburg-Konzern, wie stark ein konsequent auf Kraftfahrt fokussiertes Geschäftsmodell von zyklischen Schadenentwicklungen geprägt ist. Während Allgemeine und VVaG 2024 eine ausgeprägte Ergebniserholung verzeichnen, bleibt die HUK24 deutlich belastet. Die Spannweite der Ergebnisse innerhalb des Konzerns ist damit Folge der extremen Gewichtung des Kfz-Geschäfts – mit entsprechend hoher Volatilität in Krisenjahren.
Allianz: Die Nummer eins im Komposit-Geschäft
An der Spitze des deutschen Kompositmarkts steht weiterhin unangefochten die Allianz. Mit addierten Marktanteilen von rund 13,30 Prozent dominiert der Konzern das Schaden- und Unfallgeschäft deutlich vor allen Wettbewerbern. Diese Spitzenposition beruht jedoch nicht auf einem homogenen Geschäftsmodell, sondern auf zwei sehr unterschiedlichen Kompositgesellschaften, deren wirtschaftliche Profile kaum gegensätzlicher sein könnten: der großen, ertragsstarken Allianz Versicherungs-AG und der deutlich kleineren, international ausgerichteten Allianz Direct Versicherungs-AG.
Während die Allianz Versicherungs-AG seit Jahren das Rückgrat des Konzerns im deutschen Kompositgeschäft bildet, steht die Allianz Direct für ein expansives Direktversicherungsmodell, das insbesondere im Kfz-Geschäft lange Zeit mit strukturellen Problemen zu kämpfen hatte. Die Marktführerschaft der Allianz ergibt sich damit aus der Kombination eines stabilen Volumen- und Ergebnisträgers mit einer wachstumsorientierten, aber ertragsanfälligen Tochter.
Allianz Versicherungs-AG: Volumenstärke und nachhaltige Ertragskraft
Mit gebuchten Bruttoprämien von 12,10 Milliarden Euro im Jahr 2024 und einem Marktanteil von 13,08 Prozent belegt die Allianz Versicherungs-AG Rang eins unter den größten Mehrsparten-Kompositversicherern Deutschlands. Sie ist damit nicht nur volumenmäßig, sondern auch wirtschaftlich der klare Referenzwert im Markt. Das Prämienwachstum erfolgt aus einer bereits sehr hohen Basis. Seit 2019 stiegen die gebuchten Bruttoprämien von 10,13 Milliarden Euro auf 12,10 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von knapp 19 Prozent entspricht. Im Jahresvergleich 2024 gegenüber 2023 legten die Prämien um rund 6,8 Prozent zu. Die Entwicklung ist dabei frei von Sondereffekten und Ausdruck kontinuierlicher Marktdurchdringung.
Breit diversifiziertes Portfolio als Stabilitätsanker
Die Portfoliostruktur ist ausgewogen und nahe am Branchenprofil: Kraftfahrt erreicht 36 Prozent, die verbundene Wohngebäudeversicherung 15 Prozent, Haftpflicht 12 Prozent und Unfall 10 Prozent. Hausrat ist mit 4 Prozent moderat vertreten ("moderat" freilich im Spiegel des hohen Prämienvolumens), während der Restanteil von 24 Prozent auf sonstige Sachsparten entfällt. Diese breite Aufstellung begrenzt die Abhängigkeit von einzelnen Krisensegmenten und erklärt die vergleichsweise geringe Ergebnisvolatilität.
Ertragsstärke auch in Krisenjahren
Die Schaden-Kosten-Quote lag 2024 bei 97,26 Prozent (Rang dreißig). Zwar überschritt die Quote in den Ausnahmejahren 2021 (104,60 Prozent) und 2023 (103,75 Prozent) die technische Kostendeckungsgrenze, doch blieben die Ausschläge begrenzt. Der Durchschnitt 2019 bis 2024 beträgt 98,45 Prozent.
Entscheidend ist jedoch das versicherungstechnische Ergebnis: 2024 erzielte die Allianz Versicherungs-AG einen Gewinn von 558,65 Millionen Euro (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung). Selbst im Ahrtal-Jahr 2021 (396,00 Millionen Euro) und im Kfz-Krisenjahr 2023 (484,84 Millionen Euro) blieb das Ergebnis deutlich positiv. Mit einem durchschnittlichen Gewinn von 531,99 Millionen Euro im Zeitraum 2019 bis 2024 weist die Allianz den besten Ergebnisschnitt der gesamten Branche auf.
Allianz Direct: Wachstumsmodell mit strukturellen Belastungen
Einen deutlichen Kontrast zur ertragsstarken Allianz Versicherungs-AG bildet die Allianz Direct Versicherungs-AG. Ihr deutsches Kompositgeschäft erreichte 2024 gebuchte Bruttoprämien von 204,98 Millionen Euro. Das entspräche rechnerisch einem Marktanteil von rund 0,22 Prozent und würde im Top-50-Vergleich etwa Rang sechsundvierzig bedeuten. Gemessen am Gesamtmarkt bleibt das Inlandsgeschäft damit von überschaubarer Größenordnung.
Methodischer Hinweis zur Allianz Direct
Diese Einordnung ist jedoch nicht Bestandteil des offiziellen Branchenmonitor-Rankings. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Branchenmonitors lag der Geschäftsbericht der Allianz Direct noch nicht vor, weshalb die Gesellschaft – anders als in den Vorjahren – nicht in die Auswertung aufgenommen wurde. Entsprechend geht sie weder in Ranglisten noch in die Berechnung von Durchschnittswerten ein. Inzwischen hat die Allianz Direct ihren Geschäftsbericht veröffentlicht, allerdings mit eingeschränkter Datentiefe. Die nachfolgend dargestellten Angaben zu Prämienvolumen, Spartenstruktur, Schaden-Kosten-Quote und Ergebnis wurden daher von Versicherungsbote eigenständig aus dem veröffentlichten Geschäftsbericht ausgewertet und dienen ausschließlich der konzerninternen Einordnung.
Allianz Direct im Zeichen internationaler Expansion
Deutlich größeres Gewicht als das deutsche besitzt mittlerweile das internationale Geschäft, das 2024 gebuchte Bruttoprämien von 385,33 Millionen Euro ausweist. Die wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft wird damit stärker durch die internationale Expansion als durch das vergleichsweise kleine Inlandsgeschäft geprägt. In der Summe erreicht die Allianz Direct Versicherungs-AG somit gebuchte Bruttoprämien von 590,31 Millionen Euro im Jahr 2024.
Auf Basis des veröffentlichten Geschäftsberichts lassen sich auch Aussagen zur Portfoliostruktur des internationalen Geschäfts treffen. Dieses ist klar kraftfahrtgeprägt: Den mit Abstand größten Anteil stellen die Kraftfahrtsparten mit zusammen rund 511 Millionen Euro, davon etwa 360 Millionen Euro in der Kfz-Haftpflicht und rund 151 Millionen Euro in sonstigen Kfz-Versicherungen. Ergänzt wird das Portfolio durch verbundene Wohngebäudeversicherungen mit rund 33 Millionen Euro, Hausrat mit knapp 18 Millionen Euro sowie kleinere Volumina in Unfall-, Haftpflicht- und weiteren Sachsparten. Die internationale Ausrichtung der Allianz Direct ist damit nicht nur wachstums-, sondern auch klar produktseitig fokussiert und unterscheidet sich deutlich vom ausgewogeneren Portfolio der Allianz Versicherungs-AG im klassischen Kompositgeschäft.
Schaden-Kosten-Quote: anhaltende Belastung im Direct-Geschäft
Während die Allianz Versicherungs-AG seit Jahren überwiegend stabile und auskömmliche Schaden-Kosten-Quoten ausweist, zeigt sich bei der Allianz Direct ein deutlich anderes Bild. Bereits im Branchenmonitor Komposit der Vorjahre fiel die Gesellschaft durch ein nahezu durchgängig negatives Leistungsprofil auf. Die Schaden-Kosten-Quote lag 2019 bei 109,62 Prozent, stieg 2020 auf 121,15 Prozent, ging 2021 nur geringfügig auf 119,71 Prozent zurück und erreichte 2022 mit 131,83 Prozent den schlechtesten Wert aller fünfzig im Monitor untersuchten Kompositversicherer. Freilich muss man diese Werte auch in Relation zu dem Prämienvolumen sehen, das weit hinter der Allianz Versicherungs AG zurückbleibt.
Da die Allianz Direct im aktuellen Branchenmonitor nicht enthalten ist, basiert die weitere Einordnung auf dem inzwischen veröffentlichten Geschäftsbericht. Auch hier setzt sich das Bild fort: Für das internationale Geschäft weist die Allianz Direct 2023 eine Schaden-Kosten-Quote von 117,2 Prozent aus. Im Jahr 2024 verbesserte sich der Wert zwar deutlich auf 108,0 Prozent, lag damit jedoch weiterhin oberhalb der Schwelle, bei der Schaden- und Kostenaufwendungen die Beitragseinnahmen übersteigen. Die Entwicklung signalisiert eine Entlastung gegenüber den Extremwerten der Vorjahre, ohne dass bislang eine rechnerisch auskömmliche Schaden-Kosten-Relation erreicht worden wäre.
Fazit: Unangefochtener Marktführer mit klarer Konzernasymmetrie
Die Allianz bleibt im deutschen Kompositgeschäft der mit Abstand dominierende Anbieter. Mit einem Marktanteil von über dreizehn Prozent, stabil wachsendem Prämienvolumen und dem höchsten durchschnittlichen versicherungstechnischen Ergebnis im Branchenvergleich behauptet die Allianz Versicherungs-AG ihre Führungsposition auch unter schwierigen Marktbedingungen souverän. Selbst in ausgeprägten Krisenjahren – etwa im Ahrtaljahr 2021 oder im Kfz-Belastungsjahr 2023 – gelang es, positive versicherungstechnische Ergebnisse zu erzielen und die Ertragskraft auf hohem Niveau zu halten.
Die strukturellen Probleme der Allianz Direct stehen dazu in einem deutlichen Missverhältnis. Zwar zeigt das Direct-Geschäft – insbesondere im internationalen Kfz-Portfolio – seit Jahren erhöhte Schaden-Kosten-Quoten und eine anhaltende Unterdeckung. Gemessen am Volumen und an der Ertragsstärke der Allianz Versicherungs-AG bleibt dieser Effekt jedoch von untergeordneter Bedeutung für den Konzern insgesamt. Die Direct-Tochter ist damit eher als wachstumsorientiertes, risikoreicheres Ergänzungsmodell zu verstehen, dessen Schwächen das Gesamtbild des Marktführers nicht substanziell beeinträchtigen.
In der Gesamtschau unterstreicht die Allianz ihre Sonderstellung im Kompositmarkt: Kein anderer Anbieter vereint vergleichbare Größenordnung, Ergebnisstabilität und Steuerungsfähigkeit – selbst bei gleichzeitiger Präsenz unterschiedlichster Geschäftsmodelle innerhalb des Konzerns.
Hintergrund
Alle genannten Kennzahlen stammen aus dem aktuellen Branchenmonitor Komposit der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Auswertung umfasst die fünfzig größten Mehrsparten-Kompositversicherer in Deutschland und deckt damit rund 87 Prozent des gesamten Schaden- und Unfallmarktes ab. Berücksichtigt werden ausschließlich Versicherer mit breitem Kompositportfolio; reine Rechtsschutz-Monoliner sind nicht Teil des Kollektivs. Zwar fließen Rechtsschutzanteile in die Bestandsstruktur einzelner Gesellschaften ein, eigenständige Spezialversicherer wie Arag, Roland oder Ergo Rechtsschutz erscheinen im Branchenmonitor jedoch nicht.
Schlagzeilen
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Die Angaben zur Allianz Direct Versicherungs-AG bilden eine Ausnahme: Da deren Geschäftsbericht zum Zeitpunkt der Erstellung des Branchenmonitors noch nicht vorlag, ist die Gesellschaft nicht Bestandteil der Auswertung und geht weder in Rankings noch in Durchschnittswerte ein. Die im Text genannten Kennzahlen zur Allianz Direct wurden von Versicherungsbote auf Basis des inzwischen veröffentlichten Geschäftsberichts eigenständig recherchiert und dienen ausschließlich der konzerninternen Einordnung.
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Der Branchenmonitor ermöglicht eine vergleichende Analyse der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit innerhalb eines klar definierten Marktsegments und kann – ebenso wie weitere Branchenmonitore der V.E.R.S. Leipzig GmbH – kostenpflichtig über die Webseite der Leipziger Experten bezogen werden.
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