Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) steht wegen verlustreicher Immobilieninvestments in den USA massiv unter Druck. Die größte öffentliche Pensionskasse Deutschlands verwaltet Kapitalanlagen von rund 117 Milliarden Euro und sorgt für die Altersversorgung von etwa 2,7 Millionen Versicherten, darunter zahlreiche Ärzte und Anwälte. Nun drohen nicht nur hohe Abschreibungen, sondern auch juristische Auseinandersetzungen auf mehreren Ebenen.

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Hintergrund sind umfangreiche Engagements in US-Immobilienprojekte, die deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Insgesamt sollen rund 1,6 Milliarden Euro investiert worden sein. Allein für 2024 musste die BVK Abschreibungen von mehr als 160 Millionen Euro auf ein Investmentvolumen von 800 Millionen Euro vornehmen. Nach internen Einschätzungen könnte sich dieser Wert sogar auf bis zu 690 Millionen Euro erhöhen. Damit rücken Fragen zur Risikosteuerung und Kontrolle der Kapitalanlagen in den Fokus.

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch Klagen in den USA. Mieter und Käufer der betroffenen Immobilienprojekte haben sowohl den Investor Michael Shvo als auch die BVK auf Schadenersatz verklagt. Darüber berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Vertreten werden die Kläger von einem früheren Anwalt des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Parallel dazu soll Shvo selbst Forderungen gegen die BVK geltend machen und ausstehende Gebühren in Höhe von umgerechnet rund 85 Millionen US-Dollar verlangen.

Auch in Deutschland wächst der Druck. So haben die Anwälte Peter Mattel und Stephan Greger eine „Interessengemeinschaft Versorgungswerke“ gegründet, um weitere Informationen zu den US-Geschäften und anderen Kapitalanlagen der BVK einzuholen. Ziel sei es, mögliche Schadenersatzansprüche zu prüfen. Greger hatte bereits einen umfangreichen Fragenkatalog an die BVK gerichtet und kritisiert aus seiner Sicht unzureichende Antworten.

Für die BVK habe die unabhängige Aufarbeitung der Vorgänge höchste Priorität. Zudem verweist sie auf ihre Pflicht zu einem "verantwortungsvollen Umgang" mit den anvertrauten Geldern. Das Bayerische Innenministerium unter Führung von Joachim Herrmann, das den Vorstand der BVK bestellt und den Geschäfts- sowie Anlageplan genehmigt, sieht hingegen keine unmittelbare aufsichtsrechtliche Zuständigkeit. Zugleich sei von der BVK die Staatsanwaltschaft München eingeschaltet. Vorermittlungen laufen bereits. Interne Prozesse seien zudem angepasst worden, um vergleichbare Risiken künftig zu vermeiden