Hintergrund: DDas Kompositgeschäft bildet eine zentrale Säule der deutschen Versicherungswirtschaft und umfasst sämtliche Schaden- und Unfallsparten außerhalb der Lebens- und Krankenversicherung. Dazu zählen insbesondere Kraftfahrt-, Wohngebäude-, Hausrat-, Haftpflicht- und Unfallversicherung sowie weitere Sachzweige wie Technische Versicherungen, Feuer, Transport/Luftfahrt, Kredit/Kaution und die Rechtsschutzversicherung. Gemäß Paragraf 8 VAG ist dieser Bereich klar gegenüber Lebens- und Krankenversicherung abgegrenzt. Mit rund 92,52 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien im Jahr 2024 bleibt seine volkswirtschaftliche Bedeutung außerordentlich hoch (Versicherungsbote berichtete).

Anzeige

Wie stark die einzelnen Teilsparten die Gesamtentwicklung beeinflussen, zeigt der Blick auf ihre Beitragsanteile. Die Kraftfahrtversicherung kommt 2024 auf 34,02 Milliarden Euro und damit auf 37 Prozent des Marktes, gefolgt von der verbundenen Wohngebäudeversicherung mit 13,25 Milliarden Euro beziehungsweise 14 Prozent. Dahinter folgen Haftpflicht mit 8,93 Milliarden Euro (10 Prozent), Unfall mit 6,79 Milliarden Euro (7 Prozent) sowie – auf Basis gesonderter Auswertungen des Branchenmonitors Rechtsschutz – die Rechtsschutzversicherung mit 5,63 Milliarden Euro (6 Prozent). Erst danach folgt die verbundene Hausratversicherung mit 3,72 Milliarden Euro (4 Prozent). Die übrigen Sachversicherungen (Technische Versicherungen, Feuer, Transport/Luftfahrt, Kredit/Kaution und verwandte Teilsegmente) tragen 14,55 Milliarden Euro bei und stehen damit für 16 Prozent des Gesamtvolumens. Kraftfahrt und Wohngebäude dominieren folglich gemeinsam mehr als die Hälfte des Marktes (Versicherungsbote berichtete).

Methodische Einordnung: Wie der Branchenmonitor Komposit die Marktstruktur abbildet

Für die Analyse der Schaden-Kosten-Quoten stützt sich der folgende Beitrag auf den Branchenmonitor Komposit, der ausschließlich Mehrsparten-Kompositversicherer berücksichtigt. Das bedeutet: Im Gegensatz zur GDV-Gesamtmarktsicht, in der alle Rechtsschutzanbieter enthalten sind, erscheinen reine Rechtsschutz-Monoliner wie Arag SE, Roland oder Ergo Rechtsschutz im Branchenmonitor nicht. Der dort ausgewiesene Rest-Anteil umfasst folglich nur jene Rechtsschutzprämien, die innerhalb der Kompositgesellschaften selbst anfallen.

Diese methodische Setzung ist wichtig, weil die im Folgenden dargestellten Durchschnittsquoten stets auf diesem Fünfziger-Kollektiv beruhen. Die strukturelle Marktdominanz von Kraftfahrt und Wohngebäude bleibt jedoch unverändert bestehen – sowohl im GDV-Gesamtmarkt als auch im Branchenmonitor. Entscheidend ist daher nicht die unterschiedliche Abgrenzung, sondern dass die Belastungsschwerpunkte beider Perspektiven deckungsgleich sichtbar werden.

Wohngebäude und Kfz besonders belastet

Die durchschnittlichen Schaden-Kosten-Quoten der Teilsparten 2024 zeigen deutlich, wo die strukturellen Belastungen im Kompositgeschäft liegen. Im Kollektiv der fünfzig größten Anbieter liegen die stabileren Sparten Unfall (73,97 Prozent), Hausrat (80,31 Prozent) und Haftpflicht (85,47 Prozent) klar unterhalb der Marke von einhundert Prozent und zugleich deutlich unter dem Gesamtniveau des Marktes. Wohngebäude erreicht hingegen 96,33 Prozent und liegt damit zwar noch unter der Kostendeckungsgrenze, aber spürbar höher als die stabilen Sparten, was die stärkere Belastung in diesem Segment erkennen lässt. Die Kraftfahrtversicherung bildet 2024 den größten Belastungsfaktor: Mit einer durchschnittlichen Combined Ratio von 107,77 Prozent überschreitet sie die Marke von einhundert Prozent klar und belastet damit alle Versicherer, deren Portfolio stark kfz-orientiert ist.

In Summe erklärt dies, warum Gesellschaften mit hohen Anteilen in Kraftfahrt oder Wohngebäude strukturell ein höheres Risiko für erhöhte Gesamtschadenquoten tragen – selbst dann, wenn die übrigen Sparten im selben Portfolio solide oder sehr effizient arbeiten. 2023 sah die Situation sogar noch ungünstiger aus – damals betrug die durchschnittliche Schaden-Kosten-Quote innerhalb des Kompositkollektivs in der Wohngebäudeversicherung 101,80 Prozent und in der Kraftfahrtversicherung sogar 112,74 Prozent, was wesentlich zum damaligen Gesamtschnitt von 100,63 Prozent beigetragen hat.

Versicherungsbote stellt die Schaden-Kosten-Verlierer des Jahres 2024 in der Gesamt-Kompositsparte vor

Hohe Schaden-Kosten-Quoten entstehen nicht automatisch durch ineffiziente Schadenregulierung, sondern häufig durch strukturelle Faktoren der Bestandszusammensetzung. Unternehmen mit überdurchschnittlich hohen Anteilen in Kraftfahrt oder Wohngebäude tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, im Gesamt-Komposit eine Quote oberhalb von einhundert Prozent auszuweisen – insbesondere in Jahren, in denen einzelne Sparten außergewöhnlich belastet sind. In der Wohngebäudeversicherung spielt zudem die regionale Ausrichtung eine wichtige Rolle: Anbieter mit Schwerpunkten in Regionen, die überproportional von Extremwetterereignissen betroffen sind, weisen in solchen Jahren oft höhere Schadenquoten aus als bundesweit breit aufgestellte Gesellschaften. Auch gruppeninterne Bestandsübernahmen, Sanierungsphasen oder spartenbezogene Schwankungen können das Ergebnis einzelner Anbieter deutlich beeinflussen.

Anzeige

Damit die Ergebnisse der folgenden Bildstrecke sachgerecht eingeordnet werden können, werden zu jedem Unternehmen zusätzlich die Marktstellung nach gebuchten Bruttoprämien sowie die Bestandsstruktur (prozentual am Prämienvolumen) dargestellt. Erst dieser Kontext zeigt, warum eine hohe Quote nicht zwangsläufig auf eine grundsätzliche Schwäche hinweist, sondern in vielen Fällen die Folge eines spezifischen Risikoprofils ist. Alle Zahlen stammen aus dem aktuellen Branchenmonitor Komposit der V.E.R.S. Leipzig GmbH, der die fünfzig größten Kompositversicherer analysiert und damit rund 87 Prozent des gesamten Marktes abdeckt. Wie immer kann das Analyseinstrument – zusammen mit weiteren Branchenmonitoren – kostenpflichtig auf der Webseite der Leipziger Experten erworben werden.