Hintergrund: Die Combined Ratio der fünfzig größten Kompositversicherer verbessert sich 2024 spürbar: Nach 100,34 Prozent im Vorjahr sinkt sie auf 97,38 Prozent und liegt damit wieder im kostendeckenden Bereich. Die Verbesserung resultiert jedoch nicht aus einer Entlastung der Schadenlage, sondern aus einem deutlich stärkeren Anstieg der Beitragseinnahmen. Die durchschnittlich gebuchten Bruttoprämien je Unternehmen steigen um 8,4 Prozent – von rund 1,49 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf rund 1,61 Milliarden Euro im Jahr 2024. Gleichzeitig erhöhen sich die durchschnittlichen Schadenaufwendungen nur um 2,9 Prozent – von etwa 1,09 Milliarden Euro auf rund 1,12 Milliarden Euro. Damit wächst die Einnahmenseite fast dreimal so stark wie die Schadenseite (Versicherungsbote berichtete).

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Vor diesem Hintergrund zeigt ein Blick auf die Spartenstruktur des gesamten Kompositmarktes, warum die Entwicklung trotz leichter Erholung weiterhin auf einem fragilen Fundament steht. Mit 34,02 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien stellt die Kraftfahrtversicherung siebenunddreißig Prozent des Marktes, gefolgt von der Wohngebäudeversicherung mit 13,25 Milliarden Euro beziehungsweise vierzehn Prozent. Dahinter folgen Haftpflicht mit 8,93 Milliarden Euro (zehn Prozent), Unfall mit 6,79 Milliarden Euro (sieben Prozent), Rechtsschutz mit 5,63 Milliarden Euro (sechs Prozent) und Hausrat mit 3,72 Milliarden Euro (vier Prozent). Die übrigen Sachversicherungen – technische Versicherungen, Feuer, Transport/Luftfahrt, Kredit/Kaution und verwandte Bereiche – steuern zusammen 14,55 Milliarden Euro und damit sechzehn Prozent des Gesamtvolumens bei.

Warum der Branchenmonitor diese Verteilung nur eingeschränkt abbilden kann

Im Branchenmonitor Komposit werden die übrigen Sachversicherungen zusammen mit Rechtsschutz unter der Sammelkategorie „Rest“ ausgewiesen. Allerdings zählt hier eine Einschränkung: Dieser Wert umfasst ausschließlich jene Rechtsschutz- und sonstigen Sachprämien, die innerhalb der fünfzig betrachteten Kompositversicherer anfallen. Reine Rechtsschutzgesellschaften (Monoliner) wie die Arag SE, Roland oder Ergo Rechtsschutz werden dort methodisch nicht berücksichtigt, da sie keine Mehrsparten-Komposit-Versicherer sind.

Dadurch zeigt der Balken „Rest“ lediglich den reduzierten Rechtsschutzanteil der Kompositgesellschaften, während das tatsächliche Marktvolumen der Rechtsschutzversicherung – aufgrund der Marktstellung großer Monoliner – in Wirklichkeit deutlich größer ist.

Mehr als fünfzig Prozent des Kompositmarkts entfallen strukturell auf Kraftfahrt und Wohngebäude

Trotz dieser methodischen Einschränkung bleibt die grundlegende Marktstruktur unverändert: Kraftfahrt und Wohngebäude vereinen gemeinsam über fünfzig Prozent des Gesamtvolumens und bestimmen damit sowohl die Risikosituation als auch die Ergebnisentwicklung des gesamten Segments. Diese strukturelle Dominanz gilt sowohl in der GDV-Gesamtmarktsicht als auch im Kollektiv der größten Kompositversicherer und bleibt unabhängig davon bestehen, ob Rechtsschutz-Monoliner im Monitor abgebildet werden oder nicht.

Spartenquoten zeigen, wo die Belastung entsteht

Die Schaden-Kosten-Quoten der Teilsparten verdeutlichen unmittelbar, warum Unternehmen mit hohen Anteilen in Kraftfahrt oder Wohngebäude strukturell unter schwierigeren Bedingungen arbeiten. Die folgenden Werte beziehen sich ausschließlich auf das Kollektiv der fünfzig größten Kompositversicherer, wie es im Branchenmonitor abgebildet ist; reine Rechtsschutz-Monoliner sind aufgrund der Methodik nicht enthalten. Unter diesen fünfzig Unternehmen arbeiten die stabileren Sparten Unfall (73,97 Prozent), Hausrat (80,31 Prozent) und Haftpflicht (85,47 Prozent) deutlich unterhalb der Marke von einhundert Prozent. Dem gegenüber stehen Wohngebäude mit 96,33 Prozent und vor allem Kraftfahrt mit 107,77 Prozent – zwei Segmente, deren Belastungsniveau erheblich höher liegt und die die Gesamtquoten stärker kfz- oder gebäudeorientierter Anbieter entsprechend prägen.

Diese Konstellation erklärt, weshalb Anbieter mit einem Portfolio-Schwerpunkt in diesen beiden Großsparten deutlich schwerer niedrige Gesamtquoten erzielen können, selbst wenn stabile Sparten wie Unfall, Haftpflicht oder Hausrat gleichzeitig sehr solide laufen.

Versicherungsbote stellt die Schaden-Kosten-Sieger des Jahres 2024 in der Gesamt-Kompositsparte vor

Unterschiede in der Portfolio-Struktur sollten daher stets mitbedacht werden, wenn in der folgenden Bildstrecke die Unternehmen mit den niedrigsten – und damit besten – Schaden-Kosten-Quoten vorgestellt werden. Eine niedrige Quote ergibt sich nicht nur aus effizienter Schadensteuerung, sondern häufig auch aus einer stabilen und breit diversifizierten Spartenmischung, die Belastungsspitzen in Wohngebäude oder Kraftfahrt abfedert. Um die Werte sachgerecht einzuordnen, werden zu jedem Unternehmen daher zusätzlich die Marktstellung nach Bruttoprämien sowie die Zusammensetzung des Bestands (prozentual an den Prämieneinnahmen) berücksichtigt.

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Alle Zahlen stammen aus dem aktuellen Branchenmonitor Komposit der V.E.R.S. Leipzig GmbH, der die fünfzig größten Kompositversicherer analysiert und damit rund 87 Prozent des gesamten Marktes abdeckt. Wie immer kann das Analyseinstrument – zusammen mit weiteren Branchenmonitoren – kostenpflichtig auf der Webseite der Leipziger Experten erworben werden.