Die Forderung nach einer tiefgreifenden Reform der gesetzlichen Rentenversicherung ist in der Bevölkerung so deutlich wie selten zuvor. Eine klare Mehrheit hält das bestehende System für nicht mehr zukunftsfähig. Gleichzeitig ist das Vertrauen gering, dass die Politik die notwendigen strukturellen Weichenstellungen tatsächlich umsetzt. Genau diese Kluft zwischen Reformdruck und Umsetzungserwartung prägt aktuell die rentenpolitische Debatte.

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Nach aktuellen Umfrageergebnissen sprechen sich 82 Prozent der Befragten für eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rente aus. Nur 9 Prozent sehen keinen Reformbedarf, weitere 9 Prozent sind unentschieden. Deutlich kritischer fällt jedoch die Einschätzung der politischen Handlungsfähigkeit aus: Lediglich 20 Prozent trauen einer schwarz-roten Bundesregierung zu, eine solche Reform erfolgreich auf den Weg zu bringen. 69 Prozent halten dies für unwahrscheinlich, 11 Prozent bleiben unentschlossen. Das geht aus einer Civey-Umfrage für die Zeitungen der Funke-Mediengruppe hervor.

Inhaltlich zeigt sich die Bevölkerung offen für tiefgreifende Veränderungen. So befürworten 60 Prozent der Befragten ein Modell, bei dem der Renteneintritt nicht mehr an ein fixes Lebensalter, sondern an die Zahl der geleisteten Beitragsjahre gekoppelt wird. 24 Prozent lehnen diesen Ansatz ab, 16 Prozent sind unentschieden. Der Vorschlag zielt darauf ab, längere Erwerbsbiografien stärker zu berücksichtigen und gleichzeitig mehr Flexibilität zu schaffen. Der Ansatz war unter anderem vom Ökonomen Jens Südekum ins Spiel gebracht worden.

Noch klarer ist das Meinungsbild bei der Frage der Einbeziehung weiterer Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung. 81 Prozent sprechen sich dafür aus, dass künftig auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete verpflichtend einzahlen. Nur 12 Prozent lehnen dies ab, sieben Prozent sind unentschieden. Diese Forderung wird politisch unter anderem von Bärbel Bas vertreten, die sich davon eine breitere Finanzierungsbasis für das Rentensystem verspricht.

Parallel zur öffentlichen Debatte hat die Politik zuletzt erste formale Schritte unternommen. Der Bundesrat hat das Rentenpaket der schwarz-roten Koalition gebilligt, das unter anderem die Stabilisierung des Rentenniveaus und die vollständige Gleichstellung der Kindererziehungszeiten vorsieht. Zudem wurde eine Rentenkommission eingesetzt, die Vorschläge für eine langfristige Sicherung der Altersvorsorge erarbeiten soll.