Allianz: Der Kfz-Marktzweite in Kennzahlen
Die Allianz bleibt 2024 der „ewige Zweite“ im deutschen Kfz-Versicherungsmarkt – hinter der HUK, aber zugleich erstaunlich stabil. Insbesondere beim Beitragsniveau schafft es Deutschlands größter Versicherer, die wirtschaftliche Balance zu halten und selbst in schwierigen Jahren positive Ergebnisse zu erzielen. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Direkttochter Allianz Direct, wie unterschiedlich die beiden Säulen des Konzerns im Kfz-Geschäft performen. Der Versicherungsbote stellt ausgewählte Kennzahlen aus den Kfz-Branchenmonitoren sowie den Geschäftsberichten der Allianz Direct vor und ordnet die Entwicklung ein.

- Allianz: Der Kfz-Marktzweite in Kennzahlen
- Allianz Direct: Methodischer Sonderfall und operatives Sorgenkind
- Summenvergleich: Allianz gesamt – Vertragsbestand und Beitragsvolumen 2024
HUK gegen Allianz – so lautet der ewige Zweikampf um die Kfz-Marktführerschaft. Doch hinter der Nähe der absoluten Zahlen verbergen sich zwei deutlich unterschiedliche strategische Ansätze. Am sichtbarsten wird dies beim Blick auf die Prämienniveaus: Während die Allianz Versicherungs-AG 2024 mit einer durchschnittlichen Bruttoprämie von 326,06 Euro auf einem der höchsten Preisniveaus im Markt operiert (Rang 8 von 50), bewegen sich alle drei HUK-Gesellschaften trotz zweistelliger Tarifsteigerungen weiterhin im unteren Preissegment – mit Durchschnittsprämien je Vertrag zwischen 209 und 224 Euro und Platzierungen zwischen Rang 42 und 46.
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Damit wird bereits zu Beginn ein struktureller Unterschied deutlich: Die Allianz setzt im Kfz-Geschäft seit Jahren auf stabile Ergebnisqualität über höhere Beitragseinnahmen, während die HUK in der Breite über Preisführerschaft und Volumen agiert. Diese Divergenz prägt nicht nur die Bestandsentwicklung, sondern auch die Ertragslage beider Gruppen – und erklärt, warum die größere Allianztochter – die Allianz Versicherungs-AG – selbst im Krisenjahr 2023 kein negatives versicherungstechnisches Ergebnis auswies, während die HUK-Gesellschaften massiv unter Druck geraten waren (Versicherungsbote berichtete).
Im Folgenden stellt der Versicherungsbote die zentralen Kennzahlen der Allianz Versicherungs-AG und der Allianz Direct für das Geschäftsjahr 2024 vor – basierend auf dem Branchenmonitor Kfz 2025 sowie den aktuellen Geschäftsberichten der Allianz-Gesellschaften – und ordnet ihre Rolle als stabiler, aber strukturell zweitplatzierter Marktteilnehmer ein.
Allianz Versicherungs-AG: Stabilität durch Preisniveau
Die Allianz Versicherungs-AG bestätigt 2024 erneut ihren Ruf als wirtschaftlich verlässlichster großer Kfz-Versicherer Deutschlands. Während viele Wettbewerber danach ringen, Beitragssprünge und Schadeninflation auszubalancieren, agiert der Münchener Marktgigant auf einem konstant hohen Prämienniveau – und erzielt damit auch im zweiten Ausnahmejahr in Folge ein positives versicherungstechnisches Ergebnis. Die Zahlen zeigen eindrücklich, dass die Allianz weniger über aggressives Wachstum und mehr über stabile Kalkulation steuert. Das wird im direkten Vergleich zur preisgetriebenen HUK-Gruppe besonders deutlich.
Beim Beitragsvolumen setzt die Allianz ihre langfristige Linie fort. Die gebuchten Bruttoprämien im Zweig gesamte Kraftfahrtversicherung steigen kontinuierlich und erreichen 2024 4,286 Milliarden Euro, nach 3,860 Milliarden Euro im Jahr 2023 und 3,687 Milliarden Euro im Jahr 2022. Dieser Aufwärtstrend reicht bis 2019 zurück, als die Prämieneinnahmen noch bei 3,572 Milliarden Euro lagen.
Besonders aufschlussreich ist die Entwicklung der durchschnittlichen Bruttoprämie je Vertrag, denn sie zeigt, wie konsequent die Allianz Versicherungs-AG ihr Beitragsniveau über die Jahre steuert. Anders als bei vielen Wettbewerbern, deren Durchschnittsprämien rund um das Corona-Jahr 2020 spürbar einbrachen, verläuft die Entwicklung bei der Allianz bemerkenswert stetig. Die Durchschnittsprämie steigt von 276,03 Euro im Jahr 2019 auf 281,33 Euro im Jahr 2020 – ein Plus trotz Pandemie und niedriger Schadenfrequenzen. Auch 2021 setzt sich der leichte Aufwärtstrend fort (282,46 Euro), bevor die Prämie 2022 auf 285,82 Euro steigt. Erst ab 2023 wird der Anstieg deutlicher: Die Durchschnittsprämie erhöht sich auf 295,25 Euro, bevor sie 2024 einen ausgeprägten Sprung auf 326,06 Euro macht. Dieser Wert ist der achthöchste Durchschnittsbeitrag im Markt und unterstreicht die klare Positionierung der Allianz im oberen Preissegment.
Gerade diese glatte Entwicklungskurve macht sichtbar, wie anders die Allianz Versicherungs-AG agiert als große Teile des Wettbewerbs. Während viele Anbieter 2020 und 2021 mit deutlichen Beitragssenkungen auf die pandemiebedingt niedrigen Schadenaufwendungen reagierten – und später gezwungen waren, ihre Prämien zweistellig wieder anzuheben –, hielt die Allianz an einer moderaten und linearen Beitragsanpassung fest. Es gab weder einen markanten Corona-Einbruch noch eine überhastete Aufholbewegung, sondern eine fortlaufende, kontrollierte Anpassung der Durchschnittsprämie.
Auch die jüngste Entwicklung bestätigt dieses Bild: Zwischen 2023 und 2024 steigt die Durchschnittsprämie um 10,4 Prozent. Auf Zweijahressicht (2022 bis 2024) ergibt sich ein Zuwachs von 14,1 Prozent. Diese Bewegung liegt zwar eindeutig im Trend der Branche, startet jedoch von einem bereits hohen Niveau und verfolgt nicht das Ziel schneller Marktanteilsgewinne, sondern klarer Ergebnisstabilität. Mit anderen Worten: Die Allianz Versicherungs-AG nutzt Preisgestaltung nicht als Wettbewerbswaffe, sondern als Instrument der Bilanzsteuerung – und das mit durchgehendem Erfolg.
Stabile Bestandsentwicklung trotz hoher Durchschnittsprämien
Trotz eines im Marktvergleich hohen Beitragsniveaus gelingt es der Allianz Versicherungs-AG auch 2024, ihren Vertragsbestand stabil zu halten. Die Anzahl der Kfz-Verträge steigt von 13,073 Millionen im Jahr 2023 auf 13,145 Millionen im Jahr 2024 – ein moderater Zuwachs um rund 71.500 Verträge. Damit bleibt die Allianz Versicherungs-AG selbst in einem Preisumfeld, das viele Wettbewerber vor deutliche Bestandsprobleme stellte, auf Wachstumskurs.
Im längerfristigen Bild bestätigt sich diese Robustheit. Zwischen 2019 und 2024 erhöhen sich die Vertragszahlen von 12,942 Millionen auf 13,145 Millionen Verträge – ein Plus von rund 203.000 Policen. Die Ausschläge bleiben dabei über alle Jahre hinweg eng begrenzt: Minimalwerte 2021 mit 12,784 Millionen Verträgen, Maximalwerte 2024 mit 13,145 Millionen Verträgen. Von strukturellen Abwanderungen oder marktbedingten Einbrüchen kann also keine Rede sein; vielmehr zeigt die Allianz über mehrere Jahre einen konstanten, kontrollierten Aufwärtsverlauf.
Schadenquote: Rückkehr in den stabilen Bereich
Die Schadenquote der Allianz Versicherungs-AG verbessert sich 2024 spürbar und sinkt nach dem Krisenjahr 2023 (86,11 Prozent) wieder auf 79,98 Prozent. Im Marktvergleich entspricht dies Rang sieben von 50 und damit einer Platzierung im gehobenen Mittelfeld. Zahlreiche Wettbewerber liegen 2024 weiterhin bei Schadenquoten um oder deutlich über 90 Prozent, was die relative Stabilität der Allianz unterstreicht.
Die Schaden-Kosten-Quote bzw. Combined Ratio (CR) der Allianz Versicherungs-AG bestätigt auch 2024 erneut die robuste Kalkulation ihres Kfz-Portfolios – und zwar trotz des außergewöhnlichen Ausschlags im Vorjahr. Zwar lag die CR 2023 mit 105,67 Prozent klar über der Auskömmlichkeitsgrenze, doch relativiert sich dieser Wert im Marktvergleich erheblich: Es handelte sich dennoch um die elftbeste Quote aller fünfzig untersuchten Anbieter. 2024 normalisiert sich die Quote wieder und fällt auf 99,26 Prozent – ebenfalls Rang elf, diesmal aber wieder im auskömmlichen Bereich.
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Zweitbestes Ergebnis am Markt
Auch das versicherungstechnische Ergebnis unterstreicht die Stabilität des Portfolios. Betrachtet wird hier das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung, da dieser Wert im Branchenvergleich die zuverlässigste Aussagekraft besitzt. Nach dem schwachen Marktjahr 2023, in dem die Allianz Versicherungs-AG dennoch mit 30,67 Millionen Euro das beste Ergebnis aller Anbieter erzielte, steigt der Wert 2024 auf 40,43 Millionen Euro – das zweitbeste Ergebnis im gesamten Markt.
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Bemerkenswert ist dabei die Rangfolge: Geschlagen wird die Allianz 2024 ausgerechnet von der HUK-Coburg Allgemeine, die nach einer deutlichen Tarifkorrektur eine außergewöhnlich starke Ergebniswende vollzog. Ihr versicherungstechnisches Ergebnis sprang von einem tiefroten Wert im Vorjahr auf 90,93 Millionen Euro – der höchste Branchenwert 2024 und eine der markantesten Einzelbewegungen im gesamten Markt (Versicherungsbote berichtete).
Allianz Direct: Methodischer Sonderfall und operatives Sorgenkind
Während die Allianz Versicherungs-AG im Kfz-Markt seit Jahren für Stabilität, solide Kalkulation und verlässliche Ergebnisse steht, zeichnet sich bei der Allianz Direct ein deutlich anderes Bild. Methodisch ist die Bewertung jedoch ungleich komplexer als bei jeder anderen großen Gesellschaft im Markt. Grund dafür ist die rechtliche Struktur der europäischen Allianz-Direct-Plattform und die damit verbundene Konsolidierung ausländischer Bestände beim deutschen Rechtsträger.
Der auffällige Sprung in den Vertragszahlen der Allianz Direct zwischen 2022 und 2023 ergibt sich eindeutig aus dem Branchenmonitor Kfz 2024, der die Entwicklung bis einschließlich des Geschäftsjahrs 2023 abbildet. Dort steigen die Kfz-Haftpflichtverträge von 343.024 (2022) auf 914.297 (2023), während die Verträge im Segment sonstige Kraftfahrt zeitgleich von 244.062 auf 700.284 anziehen. Diese ungewöhnliche Dynamik lässt sich nicht durch deutsche Marktentwicklung erklären – und genau an dieser Stelle liefert der Geschäftsbericht 2023 der Allianz Direct die entscheidende Begründung: 2023 wurde die gesamte europäische Direktplattform der Allianz neu strukturiert, einschließlich der Übertragung des niederländischen Allianz-Direct-Portfolios auf den deutschen Rechtsträger, der Verschmelzung der spanischen Tochter Fénix Directo sowie weiterer Konsolidierungsschritte in mehreren Ländern. Dadurch wurden ausländische Bestände bilanziell der deutschen Allianz Direct zugerechnet und fließen deshalb exakt in jene Vertragszahlen ein, welche der Branchenmonitor für 2023 wiedergibt.
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Der Geschäftsbericht 2024 der Allianz Direct bestätigt diese Datengrundlage implizit: Er weist für das Jahr 2023 exakt dieselben Vertragszahlen aus wie der Branchenmonitor Kfz 2024 und setzt erst ab 2024 die tatsächliche Bewegungsrichtung fort. Das bedeutet: Die Bestandszahlen 2024 sind methodisch nutzbar, aber nur als Fortschreibung eines international durchmischten Portfolios, nicht als reine deutsche Marktgröße.
Persistente Schwächen in der Schaden-Kosten-Quote bis 2023
Während die Allianz Versicherungs-AG seit Jahren solide Schaden-Kosten-Quoten liefert, zeigt die Allianz Direct ein fast durchgängig negatives Leistungsbild. Die CR lag 2019 bereits bei 109,62 Prozent, stieg 2020 auf 121,15 Prozent, sank 2021 minimal auf 119,71 Prozent und erreichte 2022 mit 131,83 Prozent den schlechtesten Marktwert aller fünfzig untersuchten Anbieter. Selbst 2023, das durch die Konsolidierung von Auslandsbeständen überzeichnet ist, bleibt die Quote mit 120,22 Prozent tief im negativen Bereich und lediglich Rang 44 im Marktumfeld. Der Durchschnittswert über den Zeitraum 2018 bis 2023 beträgt 117,46 Prozent – ein Niveau, das über sechs Jahre hinweg ein strukturelles Defizit signalisiert.
Für 2024 liegt keine Combined Ratio der Allianz Direct vor – weder im Branchenmonitor noch im aktuellen Geschäftsbericht. Hintergrund ist der Veröffentlichungszeitpunkt: Als der Branchenmonitor erschien, war der Geschäftsbericht der Allianz Direct noch nicht verfügbar, und auch die nun vorliegenden Unterlagen enthalten keine CR-Angabe. Eine vollständige Nachberechnung ist daher nicht möglich. Aussagekräftig bleibt allein das versicherungstechnische Ergebnis nach Veränderung der Schwankungsrückstellung. Entscheidend ist dabei, dass die im Geschäftsbericht 2024 angegebenen Zahlen für 2023 exakt mit den Werten des älteren Branchenmonitors übereinstimmen. Dadurch lässt sich die Ergebnisentwicklung 2024 konsistent fortschreiben – trotz fehlender CR.
Die Entwicklung fällt eindeutig negativ aus. Im Haftpflichtgeschäft verschlechtert sich das versicherungstechnische Ergebnis von –27,79 Millionen Euro (2023) auf –34,09 Millionen Euro (2024). In der sonstigen Kraftfahrtversicherung rutscht der Wert von –9,05 auf –10,58 Millionen Euro ab. Damit steigen die Verluste in beiden Segmenten – trotz höherer Beitragseinnahmen und eines weitgehend stabilen Vertragsbestands.
Genau daraus ergibt sich die zentrale Aussage: Auch ohne veröffentlichte Combined Ratio zeigt das fortgeführte Ergebnisbild klar, dass die Allianz Direct 2024 weiterhin erheblich zur Belastung der Konzern-Kfz-Sparte beiträgt. Die Wachstumsimpulse der Vorjahre übersetzen sich nicht in eine Verbesserung der Ertragslage. Vielmehr wirken Integrationskosten, internationale Portfolioanteile und die historisch schwache Schaden-Kosten-Quote unverändert nach und halten die Direktgesellschaft auch 2024 tief im negativen Bereich.
Geschäftsbericht zeigt moderates Wachstum
Die Allianz Direct zeigt zwischen 2023 und 2024 erstmals wieder eine Bewegung, die als operative Entwicklung und nicht als Ergebnis von Portfolioübertragungen zu verstehen ist. Zwar bleibt die Datenlage aufgrund der europäischen Konsolidierung des Jahres 2023 methodisch eingeschränkt, doch der Geschäftsbericht 2024 erlaubt eine nachvollziehbare Betrachtung der jüngsten Entwicklung.
In der Kfz-Haftpflicht sinkt der Vertragsbestand leicht von 914.297 auf 911.347 Policen, während die Sparte „sonstige Kraftfahrt“ von 700.284 auf 719.670 Verträge zulegt. Unter dem Strich bedeutet das einen moderaten Nettoanstieg auf 1,631 Millionen Verträge. Das ist kein spektakuläres Wachstum, aber ein klarer Hinweis, dass die Übertragseffekte des Jahres 2023 abgeklungen sind und die Entwicklung 2024 wieder durch das Kerngeschäft getragen wird.
Deutlich dynamischer fällt die Beitragsentwicklung aus. Die gebuchten Bruttoprämien steigen 2024 auf 510,97 Millionen Euro (360,34 Millionen Euro Haftpflicht; 150,63 Millionen Euro Kasko). Verglichen mit den im Branchenmonitor ausgewiesenen 420,12 Millionen Euro für 2023 entspricht dies einem Zuwachs von rund 21,6 Prozent – bemerkenswert, weil der Vertragsbestand nahezu stabil bleibt. Die Steigerung resultiert damit klar aus höheren Durchschnittsbeiträgen, nicht aus Volumenwachstum.
Diese Konstellation deutet darauf hin, dass die Allianz Direct – nach Jahren strukturell schwacher Schaden-Kosten-Quoten – zumindest auf der Beitragsseite gegensteuert. Wie tragfähig dieser Kurs ist, lässt sich allerdings noch nicht abschließend beurteilen, da für 2024 keine Combined Ratio vorliegt und das versicherungstechnische Ergebnis ausschließlich nach Veränderung der Schwankungsrückstellung ausgewiesen wird. Fest steht jedoch: Die Bruttoeinnahmen steigen, der Bestand beruhigt sich, und die dramatischen Ausschläge früherer Jahre sind 2024 nicht mehr erkennbar.
Summenvergleich: Allianz gesamt – Vertragsbestand und Beitragsvolumen 2024
Fasst man die Bestände der Allianz Versicherungs-AG und der Allianz Direct zusammen, ergibt sich auch 2024 ein schlüssiges Bild – trotz der bekannten methodischen Einschränkungen bei der Allianz Direct. Die Allianz Versicherungs-AG kommt im Geschäftsjahr 2024 auf 13,145 Millionen Kfz-Verträge. Die Allianz Direct weist 1,631 Millionen Verträge aus, ein Wert, der – wie erläutert – internationale Portfoliobestandteile einschließt und im Sinne eines maximal vorteilhaften Ansatzes vollständig berücksichtigt wird. Zusammengenommen ergibt sich damit ein Gesamtbestand von rund 14,78 Millionen Verträgen.
Auch beim Beitragsvolumen führt die Aggregation zu einem klaren Ergebnis. Die Allianz Versicherungs-AG erzielt 2024 gebuchte Bruttoprämien von 4,286 Milliarden Euro. Die Allianz Direct steuert laut Geschäftsbericht weitere 510,97 Millionen Euro an gezeichneten Bruttoprämien bei. Da keine länderscharfe Abgrenzung erfolgt, wird dieser Wert vollständig zugerechnet. In Summe erreicht der Konzern damit ein gruppenweites Kfz-Prämienvolumen von 4,80 Milliarden Euro.
Im Marktvergleich bleibt der Abstand zur HUK-Gruppe auch unter den günstigsten Annahmen erheblich. Die HUK kommt 2024 auf 24,56 Millionen Verträge und 5,358 Milliarden Euro Bruttoprämien. Somit liegt die HUK beim Bestand um rund 9,8 Millionen Verträge und beim Prämienvolumen um rund 560 Millionen Euro vor der Allianz – und bestätigt ihre dominante Marktposition trotz der beitragsstarken Allianz-Kernsparte.
Hintergrund: Zwei Branchenmonitore, zwei Geschäftsberichte – und warum die Datenlage zur Allianz zweistufig ist
Die Auswertung zur Allianz basiert auf zwei unterschiedlichen Datenquellen, die sich methodisch ergänzen, aber nicht deckungsgleich sind. Für die Allianz Versicherungs-AG stammen sämtliche Kennzahlen aus dem Branchenmonitor Kfz 2025, der auf vollständig geprüften Jahresabschlussdaten 2024 beruht. Dieser Branchenmonitor wird von der V.E.R.S. Leipzig GmbH publiziert und ist als kostenpflichtige Fachstudie auf der Webseite der Leipziger Experten erhältlich. Er enthält für die Allianz Versicherungs-AG alle relevanten Kennzahlen 2019 bis 2024 – inklusive Beitragsvolumen, Schadenaufwendungen, Schadenquoten sowie versicherungstechnischem Ergebnis vor und nach Veränderung der Schwankungsrückstellung. Die Datenlage ist hier konsistent und ohne methodische Einschränkungen bewertbar.
Komplexer gestaltet sich die Einordnung der Allianz Direct. Für die Jahre bis einschließlich 2023 basiert die Analyse zunächst auf dem Branchenmonitor Kfz 2024, der Kennzahlen bis zum Geschäftsjahr 2023 ausweist. Diese Werte decken sich exakt mit den im Geschäftsbericht der Allianz Direct 2024 publizierten Vertrags- und Ergebniszahlen. Der Geschäftsbericht 2023 der Allianz Direct erläutert zudem die Ursachen für den sprunghaften Anstieg der Bestände – insbesondere die Integration niederländischer und spanischer Portfolios sowie interne Konsolidierungsschritte auf der europäischen Direktplattform. Diese Erklärung ist entscheidend für das Verständnis der verzerrten Entwicklung zwischen 2022 und 2023.
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Für das Geschäftsjahr 2024 liegen die Zahlen der Allianz Direct ausschließlich über den Geschäftsbericht 2024 der Allianz Direct vor, der kostenfrei über die Webseite des Direktversicherers zugänglich ist. Dieser Bericht enthält vollständige Werte zu Beiträgen, Aufwendungen und Ergebnissen – allerdings nur jeweils nach Veränderung der Schwankungsrückstellung und ohne Aufschlüsselung nach Ländern. Combined Ratios werden nicht ausgewiesen. Die Vertragszahlen 2024 sind enthalten und bewegen sich innerhalb eines marktüblichen Schwankungsrahmens. Da die Werte für 2023 im Geschäftsbericht 2024 exakt mit den Branchenmonitor-Werten übereinstimmen, war es möglich, eine fortlaufende Entwicklung zu rekonstruieren, die jedoch ausdrücklich unter methodischem Vorbehalt steht.
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