Private Krankenversicherung: Die Bestandsverlierer in der Vollversicherung
Die private Krankenversicherung kämpft seit Jahren mit schrumpfenden Beständen in der Vollversicherung. Viele Gesellschaften verlieren kontinuierlich Versicherte – trotz steigender Beitragseinnahmen. Versicherungsbote zeigt, welche Anbieter in den vergangenen Jahren die größten Einbußen hinnehmen mussten.

- Private Krankenversicherung: Die Bestandsverlierer in der Vollversicherung
- Die größten Bestandsverlierer 2018 bis 2023
Die Vollversicherung der PKV steht seit längerem unter doppeltem Druck. Auf der Kostenseite treiben neue Therapien, höhere Gehälter im Gesundheitswesen und der demografische Wandel die Ausgaben. Auf der Nachfrageseite bleibt das Neugeschäft schwach: Vor allem Selbstständige und Freiberufler wechseln in wirtschaftlich unsicheren Zeiten häufiger zurück in die gesetzliche Krankenversicherung.
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Im Bestand schlägt sich das deutlich nieder. Zwischen 2018 und 2023 schrumpfte die Zahl der Vollversicherten von 8,73 Millionen auf 8,71 Millionen Personen. Zwar gelang es 2023, den Abwärtstrend erstmals leicht zu bremsen – mit einem Zuwachs von 5.322 Verträgen. Angesichts der geringen Größenordnung bleibt die Vollversicherung jedoch weiter unter Druck.
Bestand runter, Beiträge rauf
Anders die Einnahmeseite: Während die Zahl der Vollversicherten seit Jahren rückläufig war, stiegen die Beitragseinnahmen in der Vollversicherung weiter an. Die gebuchten Bruttobeiträge lagen 2023 branchenweit bei rund 30,9 Milliarden Euro – ein Zuwachs von gut 11 Prozent gegenüber 2019. Diese Entwicklung ist jedoch weniger Ausdruck von Wachstum als vielmehr eine notwendige Reaktion auf steigende Leistungsausgaben. Für die Zukunft entscheidend bleibt daher nicht die Beitragshöhe, sondern ob es gelingt, den Bestand an Vollversicherten zu stabilisieren.
Zusatzversicherung als neuer Anker
Ganz anders präsentiert sich die Zusatzversicherung, die sich zunehmend zum Wachstumstreiber der PKV entwickelt. Laut aktuellen Zahlen des PKV-Verbands stieg die Zahl der Zusatzpolicen 2024 um 4,0 Prozent auf 31,02 Millionen Verträge. Fast die Hälfte der Bevölkerung setzt inzwischen auf private Ergänzungen – etwa für Zahnersatz, stationäre Leistungen oder alternative Heilmethoden.
Doch dieser Trend lässt sich nicht direkt auf die Vollversicherung übertragen. Denn hier droht ab 2025 zusätzlicher Gegenwind: Die Versicherungspflichtgrenze steigt deutlich auf 73.800 Euro Jahreseinkommen. Für Arbeitnehmer wird der Wechsel in die PKV damit schwieriger, und für manche bereits Privatversicherte droht der Rückfall in die gesetzliche Krankenversicherung. Die Zusatzversicherung entwickelt sich so immer stärker zum stabilisierenden Anker, während die Vollversicherung strukturell unter Druck bleibt.
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Private Krankenversicherung: Die Bestandsverlierer in der Vollversicherung
Wer verlor am stärksten?
Die Branchendaten zeigen ein gespaltenes Bild: Auf der einen Seite wächst die Zusatzversicherung, auf der anderen bleibt die Vollversicherung trotz leichter Stabilisierung weiter belastet. Um die Probleme greifbarer zu machen, lohnt ein Blick auf die Entwicklung einzelner Anbieter. Der Branchenmonitor Krankenversicherung 2024 der V.E.R.S. Leipzig GmbH dokumentiert die Bestandszahlen der 25 größten PKV-Unternehmen über sechs Jahre – und macht sichtbar, welche Gesellschaften die höchsten Verluste in absoluten Zahlen verzeichneten.
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Zwar sind die Daten nicht ganz auf dem aktuellen Stand, sie veranschaulichen jedoch eindrücklich den längerfristigen Trend. Auffällig ist, dass ganz unterschiedliche Unternehmen betroffen sind – große Marktteilnehmer ebenso wie kleinere Gesellschaften. Im Folgenden stellt Versicherungsbote jene Anbieter vor, die im Sechsjahreszeitraum die größten Einbußen im Vollversicherten-Bestand hinnehmen mussten.
Die größten Bestandsverlierer 2018 bis 2023
Der Branchenmonitor zeigt, welche Gesellschaften in der Vollversicherung im Sechsjahreszeitraum die meisten Versicherten verloren haben. Drei Unternehmen waren dabei – gemessen in absoluten Zahlen – besonders stark betroffen. Diese werden im Folgenden zuerst vorgestellt, bevor anschließend weitere Anbieter mit hohen Rückgängen in kompakter Form aufgeführt werden.
DKV: minus 75.217 Vollversicherte
Die Ergo-Tochter verzeichnete zwischen 2018 und 2023 den stärksten Rückgang in der Vollversicherung. Die Zahl der Versicherten sank von 757.692 auf 682.475 Personen – ein Minus von 75.217. Auch im Vergleich zum Vorjahr setzte sich der Abwärtstrend fort: 2022 lag der Bestand noch bei 695.974 Vollversicherten. Trotz dieser Verluste belegte die Ergo-Tochter 2023 Rang drei nach Bestandsgröße in der Vollversicherung. Die gebuchten Bruttobeiträge aus der Vollversicherung beliefen sich 2023 auf rund 3,2 Milliarden Euro. Damit vereinte die DKV etwa 10 Prozent der gesamten Beitragseinnahmen in diesem Segment auf sich.
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Betrachtet man hingegen das gesamte PKV-Geschäft, also einschließlich Teil- und Zusatzversicherungen, rückt die DKV auf Rang zwei der Branche. 2023 verbuchte sie Beiträge in Höhe von 5,25 Milliarden Euro und kam damit auf einen Marktanteil von knapp elf Prozent. Auffällig ist die breite Streuung der Einnahmen: Rund drei Fünftel stammen aus der Vollversicherung, knapp ein Achtel aus der obligatorischen Pflegepflichtversicherung. Fast ein Fünftel entfällt auf Krankenkostenteilversicherungen, hinzu kommt ein kleinerer, aber nicht unbedeutender Anteil von fünf Prozent aus Pflegezusatzpolicen.
Allianz Kranken: minus 42.790 Vollversicherte
Auch die Allianz Kranken verzeichnete zwischen 2018 und 2023 spürbare Verluste. Der Bestand schrumpfte von 601.016 auf 558.226 Vollversicherte – ein Minus von 42.790 Personen. Gegenüber 2022 (564.792 Vollversicherte) setzte sich der Abwärtstrend ebenfalls fort. Mit diesem Ergebnis belegte die Allianz 2023 Rang fünf im Markt der Vollversicherer. Die Beitragseinnahmen aus der Vollversicherung summierten sich 2023 auf rund 2,6 Milliarden Euro, was einem Anteil von knapp acht Prozent in diesem Segment entspricht.
Betrachtet man das gesamte Geschäft, belegt die Allianz Rang drei der Branche. Die gebuchten Prämien lagen 2023 bei 4,15 Milliarden Euro, entsprechend einem Marktanteil von 8,6 Prozent. Auch hier zeigt sich eine vergleichsweise breite Verteilung: Gut 63 Prozent der Einnahmen stammen aus der Vollversicherung, weitere zwölf Prozent aus der obligatorischen Pflegepflichtversicherung. Hinzu kommen 14 Prozent aus Krankenkostenteilversicherungen sowie sieben Prozent aus Pflegezusatzpolicen.
Continentale Kranken: minus 29.206 Vollversicherte
Die Continentale Kranken verlor zwischen 2018 und 2023 insgesamt 29.206 Vollversicherte. Der Bestand sank von 404.339 auf 375.133 Personen. Auch im Vergleich zum Vorjahr zeigte sich ein Rückgang – 2022 waren es noch 380.863 Vollversicherte. Damit belegte die Continentale 2023 Rang sieben im Markt. Die Prämien aus der Vollversicherung beliefen sich 2023 auf rund 1,27 Milliarden Euro, was einem Anteil von gut vier Prozent an den branchenweiten Beitragseinnahmen der Vollversicherung entsprach.
Im Gesamtmarkt kam die Continentale mit 1,87 Milliarden Euro gebuchten Prämien auf Rang neun und erreichte einen Marktanteil von knapp 3,9 Prozent. Das Portfolio ist stärker auf die Vollversicherung konzentriert als bei vielen Wettbewerbern: 68 Prozent der Prämien stammen aus diesem Geschäftsfeld, ergänzt durch 15 Prozent aus der Pflegepflichtversicherung. Hinzu kommen überdurchschnittlich hohe Anteile sonstiger selbstständiger Teilversicherungen.
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Weitere Anbieter mit hohen Verlusten
Neben den drei größten Verlierern im Bestand mussten auch andere Gesellschaften spürbare Einbußen hinnehmen. Der Rückgang verteilt sich dabei auf sehr unterschiedliche Anbieter – von großen Unternehmen mit breiter Aufstellung bis hin zu kleineren Spezialisten:
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- Bayerische Beamtenkrankenkasse: –29.184 Vollversicherte: 2018 zählte die Gesellschaft noch 321.623 Vollversicherte, 2023 waren es 292.439 – ein Rückgang um knapp 30.000 Personen und damit der viertgrößte Verlust im Markt. Nach Bestandsgröße hielt sich die Bayerische Beamtenkrankenkasse 2023 gerade noch in den Top Ten und belegte Rang 10. Im Gesamtmarkt erreichte das Unternehmen rund 2,1 Milliarden Euro gebuchte Prämien, was einem Anteil von 4,25 Prozent und Rang 8 entspricht. Die Vollversicherung macht dabei 51 Prozent des Geschäfts aus, hinzu kommen 10 Prozent Pflegepflichtversicherung. Auffällig hoch ist mit 26 Prozent der Anteil sonstiger Teilversicherungen wie Beihilfeablöse-, Restschuld- oder Auslandsreisekrankenversicherungen.
- Generali Kranken: –24.291 Vollversicherte: Die Generali Kranken reduzierte ihren Bestand von 314.414 im Jahr 2018 auf 290.123 Vollversicherte im Jahr 2023 – ein Minus von mehr als 24.000 Personen und der fünftgrößte Verlust im Markt. 2023 belegte sie nach Bestandsgröße Rang 11. Bei den Gesamt-Prämieneinnahmen liegt die Gesellschaft deutlich höher: Mit rund 2,2 Milliarden Euro gebuchten Beiträgen erreichte sie 2023 einen Marktanteil von 4,6 Prozent und Rang 7. Die Vollversicherung macht 63 Prozent der Einnahmen aus, hinzu kommen 12 Prozent Pflegepflichtversicherung. Einen großen Stellenwert haben zudem sonstige Teilversicherungen, die mit 17 Prozent fast doppelt so hoch gewichtet sind wie im Branchenschnitt.
- LKH: –19.327 Vollversicherte: Die Landeskrankenhilfe (LKH) verlor zwischen 2018 und 2023 insgesamt 19.327 Vollversicherte. Der Bestand sank von 182.266 auf 162.939 Personen. Damit belegte sie 2023 Rang 13 unter den größten Vollversicherern. Im Gesamtmarkt kam die LKH 2023 auf 915 Millionen Euro Prämien, entsprechend 1,9 Prozent Marktanteil und Rang 16. Besonders auffällig: Mit 76 Prozent Anteil an den Einnahmen ist die Vollversicherung hier der klare Schwerpunkt – der zweithöchste Wert der Branche. Hinzu kommt die Pflegepflichtversicherung mit 14 Prozent als obligatorischer Bestandteil.
- Gothaer Kranken: –17.616 Vollversicherte: 2018 zählte die Gothaer Kranken noch 137.777 Vollversicherte, 2023 waren es 120.161. Damit verlor sie gut 17.600 Personen und verzeichnete den siebtgrößten Rückgang im Markt. Nach Bestandsgröße belegte die Gesellschaft Rang 17 von 25. Bei den Gesamt-Beitragseinnahmen rangierte die Gothaer höher: Mit 969 Millionen Euro gebuchten Prämien erreichte sie 2023 einen Marktanteil von 2,0 Prozent und belegte Rang 14. Die Vollversicherung macht 67 Prozent der Einnahmen aus, die Pflegepflichtversicherung weitere 12 Prozent. Überdurchschnittlich stark vertreten ist die Krankenkostenteilversicherung mit 17 Prozent – im Branchenschnitt sind es lediglich 10 Prozent.
- Inter Kranken: –14.290 Vollversicherte: Die Inter verlor zwischen 2018 und 2023 rund 14.300 Vollversicherte, der Bestand sank von 136.878 auf 122.588 Personen. Damit belegte sie 2023 Rang 16 nach Bestandsgröße. Im Gesamtmarkt kam die Inter auf 767 Millionen Euro Prämien, entsprechend 1,6 Prozent Marktanteil und Rang 18. Mit 71 Prozent Anteil an den Einnahmen ist die Vollversicherung hier der klare Schwerpunkt, hinzu kommen 16 Prozent Pflegepflichtversicherung, ebenfalls freilich als obligatorischer Baustein.
- Süddeutsche Kranken: –12.680 Vollversicherte: Die Süddeutsche verzeichnete zwischen 2018 und 2023 ein Minus von 12.680 Vollversicherten und kam 2023 auf 145.569 Personen. Damit belegte sie Rang 14 nach Bestandsgröße. Die Beitragseinnahmen lagen 2023 bei 977 Millionen Euro – das entsprach einem Marktanteil von 2,0 Prozent und Rang 13. Die Vollversicherung macht genau 60 Prozent des Geschäfts aus, die Pflegepflichtversicherung rund elf Prozent.
- Münchener Verein Kranken: –10.632 Vollversicherte: Der Münchener Verein verlor zwischen 2018 und 2023 gut 10.600 Vollversicherte. Der Bestand sank von 75.235 auf 64.603 Personen. Damit belegte er 2023 Rang 22 von 25 und gehörte zu den kleineren Vollversicherern. Bei den Prämien erreichte das Unternehmen 2023 627 Millionen Euro, entsprechend einem Marktanteil von 1,3 Prozent und Rang 22. Die Vollversicherung macht 59 Prozent der Einnahmen aus, die Pflegepflichtversicherung 12 Prozent.
Hintergrund: Die genannten Zahlen stammen aus dem Branchenmonitor Krankenversicherung 2024 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Er untersucht die 25 größten Anbieter der Vollversicherung, die zusammen rund 97 Prozent des Marktes abdecken. Der vollständige Monitor ist kostenpflichtig auf der Webseite der Leipziger Experten erhältlich. Ergänzend wurde der MAP-Report 935 aus dem Hause Franke und Bornberg hinzugezogen.
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