Deutschland hat bereits einen Staatsfonds, der allerdings einen ganz konkreten Zweck hat: Gegründet wurde er 2017 mit dem Ziel, die Zwischen- und Endlagerung von Atomabfällen in Deutschland zu finanzieren. Kenfo ist sein Name und wird als öffentlich-rechtliche Stifung verwaltet. Und für diesen Fonds lief es im vergangenen Jahr überhaupt nicht rund.

Anzeige

Das ARD-Magazin Report Mainz hat die bislang noch unveröffentlichte Jahresbilanz des Kenfo ausgewertet. Daraus geht hervor, dass der Fonds einen Wertverlust von 3,1 Milliarden Euro erlitten habe. Das verwaltete Gesamtvermögen sei zum Stichtag 31.12. 2023 auf 21,7 Milliarden Euro geschrumpft.

Dabei ist das Geld des Fonds durchaus breit angelegt. Er verwalte ein breit gestreutes Portfolio aus Staats- und Unternehmensanleihen, Aktien sowie geldmarktnahen Anlagen, berichtet die ARD. Dies verteile sich auf 9.000 Einzelwerte in mehr als 90 Staaten. Laut Jahresbilanz hätten die Anleihen von Industrienationen 16,5 Prozent an Wert verloren, bei Aktien und börsennotierten Immobilien-Geschäften (REITS) liegt das Minus bei 15,7 Prozent. Damit schnitt der Kenfo schlechter ab als der DAX, der bei vergleichbaren Anlagen auch zweistellige Verluste erlitt. Begründet werden die Verluste mit den negative Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Infolge der negativen Jahresbilanz musste der Kenfo seine stillen Reserven verscherbeln. Diese haben sich quasi pulverisiert: Sie sanken von 3,4 Milliarden Euro zum Jahresende 2021 auf 51 Millionen Euro Ende 2022. Wie die ARD berichtet, geriet der Staatsfonds schon mehrfach wegen vieler wenig umweltfreundlicher Investments in die Kritik. Er investiert über Firmen wie BP, Shell und die russische Lukoil in fossile Energien, will seinen CO2-Fußabdruck im Portfolio bis 2025 allerdings um 20 Prozent reduzieren.

Für Aufhorchen sorgen die Verluste auch deshalb, weil Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bereits kommuniziert hat, dass er den neu zu schaffenden Kapitalstock der gesetzlichen Rente bei Kenfo ansiedeln will.

Anzeige

Auch das Vorbild für das als „Generationenkapital“ bezeichnete Projekt hatte im letzten Jahr Probleme: Der norwegische Staatsfonds meldete 2022 einen Verlust von 152 Milliarden Euro. Das entsprach 14,1 Prozent des Gesamtumfangs: Insgesamt verwaltete der Staatsfonds zum Jahresende 2023 umgerechnet 1,15 Billionen Euro. Dennoch gab sich Fondschef Nicolai Tangen gelassen: Da die Anlagen gehalten würden, seien die Wertverluste nur vorübergehend. Und tatsächlich konnte der Fonds allein im ersten Monat 2023 wieder um acht Prozent wachsen. Wie capital.de berichtet, erzielte der norwegische Staatsfonds zwischen 1996 und dem Jahresanfang 2023 eine Rendite von rund 580 Milliarden Euro, zusätzlich erzielte er 180 Milliarden Euro aus Währungsgewinnen.