Die Zahl der Menschen, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, nimmt weiter zu. Allein von Juni bis September 2022 stieg die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von 628.570 auf 647.515, wie aktuell das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Das ist ein Plus von rund drei Prozent. Das Netzwerk bezieht sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Anzeige

Noch deutlicher fiel der Anstieg gegenüber dem Vorjahr aus. Demnach waren im Vergleich zum September 2021 sogar rund zwölf Prozent mehr Menschen auf Grundsicherung angewiesen, die in die Kategorie „Altersgrenze und älter“ fallen. "Die Inflation kommt im Sozialamt an“, sagte Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag, gegenüber RND. Der Politiker fordert ein Spitzentreffen zum Thema Rente: „Es ist höchste Zeit für eine große Rentenreform in Deutschland. Die Rente muss den Lebensstandard sichern und vor Armut schützen“, so Bartsch.

Das Anrecht auf Grundsicherung im Alter ist im 4. Kapitel des Zwölften Sozialgesetzbuches (SGB XII) festgeschrieben. Wer Grundsicherung im Alter erhält, hat bereits die Altersgrenze nach dem SGB XII erreicht oder überschritten. Vor dem Jahr 1947 geborene Personen erreichten die Altersgrenze mit 65 Jahren; für 1947 und später Geborene wird die Altersgrenze seit dem Jahr 2012 schrittweise auf 67 Jahre angehoben.

Anzeige

Doch bei den Zahlen ist zu berücksichtigen, dass sehr wahrscheinlich viele Seniorinnen und Senioren keine Grundsicherung beantragen, obwohl sie ein Anrecht darauf hätten. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin aus dem Jahr 2019. „Die Grundsicherung im Alter wird von rund 60 Prozent der Anspruchsberechtigten – hochgerechnet etwa 625.000 Privathaushalten – nicht in Anspruch genommen“, so habe eine Auswertung des des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) gezeigt - die größte wiederkehrende Haushalts-Befragung zu Einkommen in Deutschland. Gründe seien unter anderem Scham und Unwissenheit.