Zwischen den Versicherern und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di steht Freitag (1. April 2022) die dritte Gesprächsrunde für eine neue Tarifvereinbarung an. Im Rahmen der zweiten Verhandlungsrunde hatten die Arbeitgeber eine erste Offerte präsentiert. So hatte AGV-Chef Andreas Eurich eine Lohnerhöhung von 2,5 Prozent in Aussicht gestellt. Allerdings wollen die Arbeitgeber diese Erhöhung für 23 Monate festzurren. Die Gewerkschaften wollten sich dagegen nur um ein Jahr binden. Überdies boten die Versicherer zwei Einmalzahlungen in Höhe von jeweils 400 Euro an. Eine Zahlung solle im April 2022 und die andere im April 2023 erfolgen.

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Das Angebot war von Gewerkschaftsseite scharf kritisiert worden. „Dieses Angebot ist unzureichend und wird den Leistungen der Beschäftigten in keiner Weise gerecht“, betonte ver.di-Verhandlungsführerin Martina Grundler. Weiter kritisiert Grundler, dass auf Seiten der Arbeitgeber keinerlei Verhandlungsbereitschaft zu diversen Forderungen der Gewerkschaft bestünde. Dazu zählten unter anderem der Rechtsanspruch auf Homeoffice, eine Verbesserung der Überstundenvergütung von Teilzeitkräften und ein Rückkehrrecht auf Vollzeit für Beschäftigte, die nicht unter die gesetzliche Brückenteilzeit fallen.

Als Reaktion darauf hatte ver.di bereits Ende Februar die Beschäftigten der Branche neben einigen regionalen Streiks zu bundesweiten hybriden Streiks aufrufen. Dies unterstrich die Dienstleistungsgewerkschaft nun noch einmal und rief die Innendienstangestellte des privaten Versicherungsgewerbes vom 30. März 2022 bis 1. April 2022 an vielen Versicherungsstandorten zum Streik auf. Die Aktionen sollen mit einem Streik in Wiesbaden am 30. März starten und in Hamburg, Berlin, Leipzig, Hannover, Bremen, Stuttgart, Karlsruhe München und Nürnberg sowie im Saarland am 31. März fortgesetzt werden. Am 1. April sollen schließlich die Beschäftigten in NRW, Mannheim und im Provinzialkonzern in den Ausstand gehen.

Da die meisten Beschäftigten in der Versicherungsbranche noch im Home-Office arbeiten, soll eine Mehrheit der Beschäftigten in den Online-Streik treten. Lediglich in Berlin, Hamburg und Hannover sowie in Düsseldorf sollen Streikkundgebungen durchgeführt werden. Dadurch solle der Druck auf den Arbeitgeberverband erhöht werden. „Die Versicherungsunternehmen haben 2021 hervorragende Geschäftsergebnisse erzielt. Die Branche ist – auch aufgrund des Engagements der Beschäftigten – hervorragend durch die Pandemie gekommen. Die Beschäftigten erwarten am Freitag ein Angebot der Arbeitgeberseite, das der hohen Inflation bei gleichzeitig hohen Gewinnen der Branche Rechnung trägt“, betont die Verhandlungsführerin.

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Die Gewerkschaft begründet den Streikaufruf mit dem aus Gewerkschaftssicht nicht verhandlungsfähigen Angebot der Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde. „Zwei Einmalzahlungen von 450 Euro jeweils im April 2022 und April 2023 und eine Gehaltssteigerung zum 1. November 2022 von 2,5 Prozent, bei einer Laufzeit des Tarifvertrages bis zum 31. Januar 2023 ist angesichts einer Inflation von über fünf Prozent nicht ausreichend, um die realen Einkommen der Versicherungsangestellten zu sichern, noch entspricht es der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Branche“, so Grundler.