In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht. Um dieser Pflicht nachzukommen, bieten sich zwei Wege: Entweder die gesetzliche oder die private Krankenversicherung. Letztere steht Arbeitnehmern erst zur Verfügung, wenn bestimmte Einkommensgrenzen überschritten werden. Doch selbst, wenn ein Arbeitnehmer die Voraussetzung für die PKV erfüllt, muss ein Wechsel gut überlegt sein. Damit alle wesentlichen Aspekte bei einem „Systemwechsel“ in der Krankenversicherung in die Entscheidungsfindung einfließen, ist kompetente Beratung in den meisten Fällen unverzichtbar. Doch von wem bekommen Verbraucher eine solche Beratung? Und wie will man diese Beratungsqualität einschätzen?

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Diese beiden Fragen könnten der Ausgangspunkt für eine Erhebung der Verbraucherzeitschrift Finanztest sein, über deren Ergebnisse ausführlich in der Dezember-Ausgabe berichtet wird. Dort ist auch umfangreiches Material zusammengestellt, das Verbrauchern die wichtigsten Unterschiede zwischen den verschiedenen Versicherungsvermittlern (Versicherungsvertreter, -makler, -berater) klarmacht. Ein Ansatz, der durchaus zu loben ist.


GKV oder PKV: Wann lohnt der Wechsel?

Um nun herauszufinden, wie gut die Beratung bei Versicherungsmaklern ist, schickte Finanztest 30- bis 40-jährige Testpersonen los. Deren Anliegen: Soll ich in die private Krankenversicherung wechseln oder besser in der gesetzlichen bleiben?

Laut Finanztest machten Testpersonen auf Nachfrage folgende Angaben zur persönlichen Situation:

  • Angestellt; Jahresbrutto zw. 63.000 - 65.000 Euro
  • Partner/in: angestellt; 32.000 Euro brutto/Jahr
  • verheiratet und zusammenlebend; zwei Kinder vorhanden oder gewünscht
  • Rentenprognose: etwa 2.200 Euro /mtl.
  • schuldenfrei; gemeinsame Ersparnisse ca. 20.000 Euro; keine Vermögenswerte wie Immobilien
  • eigene Einschätzung zum Gesundheitszustand „grundsätzlich gut“; auf Nachfrage gibt die Testperson an, in den vergangenen zehn Jahren beim Arzt gewesen zu sein wegen kleinerer Rückenbeschwerden („Hexenschuss“), einiger Magen-Darm-Beschwerden und verschiedener Migräne-Anfällen
  • Testpersonen geben an, geringere Beiträge als in GKV zahlen zu wollen

Für Finanztest ist die Sache damit klar: „Der Testfall war so konzipiert, dass wir anhand dieser geschilderten Kundensituation grundsätzlich erwartet haben, dass unsere Testpersonen den Rat erhalten, eher in der gesetzlichen Krankenversicherung zu bleiben.“

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Mit dieser „Test-Legende“ wurden 32 Beratungsgespräche bei vier deutschlandweit beratenden Versicherungsmaklern vereinbart und durchgeführt: Hoesch und Partner, Plansecur, Dr. Klein und MLP. Ergebnis: In 21 der 32 Beratungen wurde „direkt oder indirekt“ zum Wechsel in die PKV geraten. Die größten Mängel diagnostizierten die Tester bei der individuellen Empfehlung und der Begründung.
In der Gesamtwertung konnte sich nur Hoesch und Partner eine gute Bewertung der Beratungsqualität sichern (2,4). Es folgen Plansecur (2,6), Dr. Klein (3,2) und MLP (3,6).