Die Zukunft der Altersvorsorge ist auch eine Frage der Haltung: Mehr Eigenverantwortung wagen

Aus meiner Sicht muss die private Altersvorsorge freiwillig und flexibel bleiben, denn richtig betrieben ist sie ein funktionierendes Instrument, auf die unterschiedlichen Biographien und Zukunftspläne der Sparer einzugehen. Wir brauchen keine Experimente und ein Ansatz im Sinne von „one size fits all“ ist zu pauschal, zu starr und kontraproduktiv. Menschen, die beispielsweise ihre Vorsorge durch eine Immobilienfinanzierung stärken möchten, darf nicht die Liquidität dafür genommen werden. Was wir deshalb brauchen ist neben Flexibilität auch eine positive Sicht auf das Thema Altersvorsorge und den Mut, die Notwendigkeit von Garantien zu Gunsten einer Aktienkultur zu überdenken. Und das bedeutet eine Öffnung der zweiten Altersvorsorge-Säule für echte Renditechancen – und damit eine Abschaffung des Garantiezwangs. Dies gilt dann natürlich nicht nur für Riesterverträge, sondern auch für die betriebliche Altersvorsorge. Jeder Sparer sollte selbstbestimmt gemäß eigener Ziele, Wünsche und seines Risikoprofils festlegen können, ob es für seine Altersvorsorge einer Garantie bedarf oder nicht – ein staatlich verordneter Garantiezwang widerspricht dabei völlig unserem Verständnis von echter Selbstbestimmung. Eine Öffnung in der zweiten Schicht für flexible Wahlmöglichkeiten hinsichtlich des Garantieumfangs würde das bisherige Vorsorgesystem in positiver Weise dynamisch und flexibel beeinflussen: Insbesondere jungen Altersvorsorgesparern mit einem langen Anlagehorizont eröffnen sich Chancen von langfristigen Renditen einer schwerpunktmäßig auf Aktien ausgerichteten Anlagestrategie zu profitieren, was bislang aufgrund des Garantiezwangs nur sehr eingeschränkt möglich ist. Dies wäre nicht zuletzt auch eine vertretbare Antwort auf die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB und eine zu erwartende Senkung des Rechnungszinses. Wir sollten den Menschen zuhören: Ihr Wunsch ist es, Chancen im Vorsorgeplan zu ergreifen und zuversichtlich auf die Zukunft zu blicken als ängstlich und sorgenvoll.

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Beratung soll Menschen zu eigenverantwortlichem Handeln befähigen

Marktforschungen belegen ebenso wie unsere eigenen Daten, dass gerade junge Menschen aufgeschlossen für aktienbasierte Vorsorge sind. Dabei kommt der persönlichen Finanzberatung eine Schlüsselrolle zu, denn eine verantwortungsvolle Beratung wird gleichzeitig gewünscht. Berater und Makler stehen mit ihrer Expertise und auch ihrer Verantwortung unterstützend zur Seite, um die passenden Vorsorge-Lösungen zu identifizieren. Fachlich gut ausgebildet und mit Verständnis für die individuellen Wünsche der Menschen sind Berater und Makler bei der Wiederbelebung der Altersvorsorge unverzichtbar. Gerade junge Menschen vertrauen bei den komplexen Fragen rund um die Altersvorsorge lieber auf persönliche Ansprechpartner. Die können sich nicht nur in die Lebenswirklichkeit ihrer Kunden hineinversetzen, sondern auch befähigen, eigenverantwortlich zu handeln und dabei helfen, das erforderliche Vertrauen in die Aktienkultur nachhaltig in Deutschland aufzubauen. Wir sind also gut beraten, die Beratung für junge Menschen attraktiver zu gestalten und sie für diesen Beruf zu gewinnen. Denn Menschen lassen sich von Menschen der gleichen Generation lieber beraten, auch das zeigt unsere Erfahrung mit einem durchschnittlichen Berateralter von 35 Jahren.

Ich plädiere deshalb dafür, bei Reformen in die Zukunft des Landes auf diejenigen zu hören, die in dieser Zukunft leben werden. Was es jetzt braucht ist ein Umdenken in der Sozial- und Rentenpolitik – ein Perspektivwechsel von Garantien zu Renditen, mit Verständnis für die Bedürfnisse derjenigen, über die gesprochen wird. Weg von Bevormundung, hin zu Eigenverantwortung und Chancenorientierung – für ein selbstbestimmtes Leben im Alter und zum Vorteil der jungen Generationen.