„Was man sich im Ruhestand leisten kann, hängt nicht nur von der Rentenhöhe ab, sondern auch vom Standort“, so fasste Prognos-Chefökonom Michael Böhmer 2016 Studien-Ergebnisse zusammen. Die Wirtschaftsforscher untersuchten, wie sich die Kaufkraft von 1.000 Euro Rente in Deutschland unterscheidet. Ein Ergebnis damals: Sieben von zehn der teuersten Städte fanden sich in Bayern. Zu ganz ähnlichen Erkenntnissen gelangte das Prognos-Institut im Mai diesen Jahres. „Der Wohnort hat großen Einfluss auf die Lebenshaltungskosten und damit den Wohlstand im Alter“, so Studienautor Heiko Burret.

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Diesen Ansatz hat Burret für eine neue Studie weiterverfolgt. Für den Jahrgang 1980 zeigt die Untersuchung, dass die regionalen Unterschiede in Einkommen und Lebenshaltungskosten deutliche Variation der Kosten für private Altersvorsorge bedingen. So müssen Bewohner ländlicher Regionen meist weniger für die Altersvorsorge beiseitelegen als Städter. Sowohl in absoluten Beträgen als auch in Prozent ihres Einkommens. Burret erklärt das mit den höheren Lebenshaltungskosten in den wirtschaftsstarken Regionen. Dort würden die Menschen zwar mehr verdienen und hätten deshalb auch höhere Renten. Doch überdurchschnittlich hohe Wohnkosten sorgen dafür, dass Stadtbewohner höhere Beträge sparen müssen, um ihren Lebensstandard im Alter zu halten.

Höhe der Altersbezüge sagt wenig über Lebensstandard im Alter

„Wo die Einkommen hoch sind, sind auch die Ausgaben für Miete oder regionale Dienstleistungen in der Regel höher – und umgekehrt“, fasst der Wirtschaftswissenschaftler zusammen. Als Zielgröße zur Sicherung des Lebensstandards im Alter rechnet die Studie mit einer Ersatzrate von 55 Prozent des letzten regionalen Einkommens. „Darin spiegelt sich das enge Verhältnis zwischen Löhnen, Renten, Lebenshaltungskosten und Vorsorgebedarf vor Ort“, so Burret dazu. Der Wert sei nicht willkürlich gewählt, so der Wissenschaftler. „Er entspricht ungefähr dem Leistungsniveau der gesetzlichen Rente, wie es zur Riester-Reform 2001 galt. Seitdem ist es schrittweise gesunken und wird noch weiter fallen. Der Jahrgang 1980, der unserer Studie zugrunde liegt, kommt zum regulären Renteneintritt 2047 durchschnittlich noch auf ein Niveau von 44,7 Prozent. Er hat also eine Sicherungslücke von 10,3 Prozentpunkten, die er über die private Altersvorsorge schließen muss. Und auch wenn die Lücke regional unterschiedlich hoch ausfällt: Ohne private Zusatzvorsorge ist der Lebensstand im Alter nirgendwo zu halten“, ist sich Burret sicher.

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Die Studie zeigt, wo die Spar-Belastungsquote besonders hoch ist. Diese Quote gibt an, wie hoch der Anteil des regionalen Einkommens ist, der fürs Alter gespart werden muss, um den anvisierten Lebensstandard zu sichern. Ermittelt wird die Quote, indem die regionalen Sparraten ins Verhältnis zum jeweiligen, kaufkraftbereinigten Einkommen gesetzt wurden. Im Bundesdurchschnitt beträgt die Sparbelastungsquote rund 4,3 Prozent; auf Kreisebene zwischen 3,3 (Hagen) und 5,8 Prozent (Hamburg).