Leider sind in der Versicherungsbranche die Themen Pflege und rechtliche Vorsorge als direkte und indirekte finanzielle Risiken noch nicht im Beratungsalltag angekommen. Obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen schon in den letzten zehn Jahren von 2,3 Millionen auf 3,4 Millionen gestiegen ist und auch weiter steigen wird. Bereits im Jahr 2030 geht man von über 4 Millionen Pflegebedürftigen aus.

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„Das Problem ist größer, als viele glauben.“

Die Kosten für die Pflege sind im Durchschnitt der letzten Jahre um drei Prozent per annum gestiegen und werden dies auch weiter tun. Heute beträgt die durchschnittliche Pflegedauer circa acht Jahre und beginnt im Alter von 75 Jahren. Wenn wir einmal nur einen durchschnittlichen Eigenanteil von 1.000 € monatlich über alle fünf Pflegegrade annehmen, bedeutet dies bereits heute ein Risiko von 96.000 €.

Wenn ein heute 40-jähriger in 35 Jahren pflegebedürftig wird, und die heutige Zuzahlung von 1.000 € mit einer dreiprozentigen Steigerung über die nächsten Jahre so weiter geht, bedeutet dies alleine eine monatliche Zuzahlung von 2.813,86 € monatlich. Dabei sei einmal unterstellt, dass die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung auch jährlich um drei Prozent angepasst werden. Ob dies so eintreten wird, sei dahingestellt.

Nur alleine mit diesen Annahmen beträgt das fehlende Kapital über eine Pflegedauer von acht Jahren 304.368 €. Wenn der Partner dann auch noch pflegebedürftig wird, verdoppelt sich das Risiko. Damit sind auch bestehende Immobilienvermögen nicht mehr sicher und müssen gegebenenfalls zur Finanzierung von Pflegekosten veräußert oder beliehen werden. Die Vorstellung, das eigene Haus einmal an die Kinder zu vererben, ist dann meist vorbei.

Laut Umfragen sind 47 Prozent der Menschen bereit, zwischen monatlich 25 und 50 € für die eigene Absicherung im Pflegefall zu investieren. Weitere 16 Prozent sind sogar bereit noch mehr zu investieren. Die Frage ist nur: „wie spreche ich es an?“

„Statistisch hat jährlich jeder Vermittler und Berater einen Betreuungsfall in seinem Kundenbestand.“

Ähnlich sieht es mit dem Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung aus. Auch hier wissen circa 95 Prozent der Menschen im Alter zwischen 23 und 60 Jahren, dass dies wichtig ist. Aber nur circa 15 Prozent in dieser Altersgruppe hat es bereits geregelt. Das bedeutet: 85 Prozent der Menschen wissen, dass sie da etwas tun müssen. Und, auch wenn es komisch klingt, suchen nach Hilfe.

Im Durchschnitt der letzten Jahre werden jährlich ca. 230.000 Anfragen von Betreuungsrichtern an das Zentrale Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer gestellt, weil entscheiden werden muss, ob ein Betreuungsverfahren eingeleitet wird, oder derjenige mit einer Vorsorgevollmacht selbst Festlegungen für diese Situationen getroffen hat.

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Da eine gerichtliche Betreuung mit Auflagen nach dem Betreuungsrecht verbunden ist, hat dies auch Auswirkungen auf die Sparverträge und Versicherungen. Wenn eine gerichtliche Betreuung auch für die Vermögenssorge angeordnet wird, hat der Betreuer, auch ein Familienangehöriger, dem Gericht Rechenschaft über die Verwendung der Vermögenswerte und ausgezahlten Versicherungsleistungen zum Beispiel aus Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen abzulegen. Dies ist einerseits natürlich zum Schutz für den zu Betreuenden, schränkt aber innerhalb der Familie die Möglichkeit der Verwendung der Gelder erheblich ein. Dies kann unter Umständen auch zu Liquiditätsproblemen führen, wenn der Lebensunterhalt nicht mehr bestritten werden kann.