Die eigene Arbeitskraft ist unersetzlich und verkörpert selbst bei mittlerem Einkommen, gerechnet auf ein Arbeitsleben, einen Millionenwert. Die Sozialversicherung hat sich aus der Absicherung der Berufsunfähigkeit nahezu vollständig zurückgezogen. Dennoch verzichten viele Menschen auf eine private Absicherung. Hohe Beiträge sind ein Grund, aber auch ein schlechter Ruf der BU-Versicherung. Zu Unrecht, wie eine aktuelle Analyse des Instituts für Finanzmarkt-Analyse infinma zeigt.

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Konzept der Marktstandards

Bereits seit 2004 ist infinma mit einem Alternativkonzept zu klassischen Produkttests und Ratings erfolgreich. Durch den Vergleich mit Marktstandards werden Stärken und Schwächen einzelner Anbieter und Tarife transparent, ohne dass sich der Interessent in gewichtete oder aggregierte Bewertungen einlesen müsste. Marktstandard ist jeweils die Regelung, die in der Mehrzahl der Angebote verwendet wird. Ob der Marktstandard für ein Bewertungskriterium im konkreten Produkt eingehalten ist oder nicht, kann mit einem einfachen Plus oder Minus auf einer Checkliste vermerkt werden. Ein Ausgleich von Minuspunkten durch besonders positive andere Aspekte ist nicht vorgesehen.

Die Einfachheit der Bewertung erlaubt einen schnellen Vergleich von rund fünfhundert BU-Tarifen im deutschen Markt. Für Österreich wurden auf die dort üblichen Bedingungen angepasste, abweichende Standards definiert. Das Ergebnis nutzt nicht nur Versicherungsmaklern, die ihren Kunden zum „best advice“, der Vermittlung des am besten geeigneten Produkts, verpflichtet sind und dafür haften. Auch Verbraucher können auf einen Blick feststellen, ob ein Tarif in den ihnen wichtigen Kriterien den Marktstandard erfüllt.

Knapp die Hälfte der Anbieter mit voller Punktzahl

Viele Versicherer haben verstanden, dass der Preis der BU-Versicherung nicht das einzige Kriterium sein darf, um sich im Markt zu positionieren. Die Abgrenzung zum Wettbewerb findet vielmehr über die Qualität des Versicherungsschutzes statt.

Produktinnovationen haben Einfluss auf Marktstandards, sodass infinma seine Analysen regelmäßig aktualisiert – für die BU-Versicherung zuletzt Ende Juli 2020. Bewertet wurden 18 Kriterien, darunter so wichtige Themen wie der Verzicht auf eine abstrakte Verweisung auf einen Beruf, in dem de facto keine Stellen zu bekommen sind, oder eine Leistung bereits bei Arbeitsunfähigkeit, die in mehr als der Hälfte der Tarife nicht oder nur optional vorgesehen ist.

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Dr. Jörg Schulz und Marc Glissmann, Geschäftsführer der infinma GmbH, freuen sich, 37 von 75 BU-Versicherern mit einem Zertifikat zu bestätigen, dass sie die Marktstandards in allen Kriterien erfüllen oder zu übertreffen. Dieses Ergebnis zeigt, wie hoch die Qualität der privaten BU-Versicherung ist.

Für das kommende Jahr erwarten die Experten weitere Verbesserungen, zum Beispiel hinsichtlich Meldepflichten, bei Auslandsaufenthalten oder für spezielle Zielgruppen wie Schüler und Teilzeitbeschäftigte. Tarife, die nicht alle Kriterien erfüllen, sind nicht zwingend schlecht. Unterschiede ergeben sich beispielsweise aus dem Zuschnitt auf Zielgruppen wie bestimmte Berufe, Solo-Selbstständige oder Gewerbetreibende mit wenigen Mitarbeitern.

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Ein Kernthema der aktuellen Produktgeneration ist die sogenannte Umorganisationsklausel. Hier existieren so viele Varianten, dass infinma ausnahmsweise keinen Marktstandard definiert. Die Umorganisationsklausel regelt, ob einem bisher körperlich mitarbeitenden Firmenchef im Fall einer drohenden Berufsunfähigkeit eine Umorganisation des Betriebes zuzumuten ist. Kann er künftig leitend tätig sein, erhält er keine BU-Rente. Für Selbstständige ist diese Klausel ein wichtiges Thema, für Arbeitnehmer aber belanglos. Interessenten sollten deshalb eine Auswahl anhand der für ihren Bedarf wichtigen Kriterien treffen und dann das Preis-Leistungs-Verhältnis vergleichen.

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