Im November 2019 waren Pläne eines radikalen Konzernumbaus beim Münchener Versicherungsriesen Allianz bekannt geworden. Damals hatte das„Manager Magazins“ berichtet, Konzernchef Oliver Bäte wolle die Allianz Deutschland AG zerschlagen und in den Mutterkonzern integrieren. Überraschend käme dies nicht. Schließlich hat Bäte seinem Konzern einen radikalen Reformkurs verordnet — schneller, einfacher und digitaler soll Europas größter Versicherer werden. Kein Supertanker mehr, der schwer auf dem Weltmarkt zu manövrieren ist, sondern eher wendiges Schnellboot.

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Der Allianz-Chef will möglichst einheitliche und standardisierte Produkte verkaufen: europa-, wenn nicht gar weltweit. Die Lehrsätze des „Simplicity wins!“ wiederholt Bäte bei seinen Vorträgen und Interviews fast mantraartig. Ein wichtiger Baustein der Offensive ist der neue Direktversicherer Allianz Direct. Er soll als Testlabor für europaweit einheitliche Versicherungstarife dienen. Auffallend ist, dass er nicht bei der Allianz Deutschland AG angesiedelt ist, sondern beim Mutterkonzern.

Überdies hatte Bäte auf der Bilanzpressekonferenz indirekt verdeutlicht, dass das mittlere Management bei Deutschlands Branchenprimus weiter schrumpfen soll. Noch immer gebe es bei den Landesgesellschaften bis zu acht Managementebenen. So habe es bei der Allianz vor zehn Jahren noch zwölf Managementebenen gegeben - nun seien es je nach Landesgesellschaft noch sieben bis acht. "Ich wette, in zehn Jahren sind es nur noch fünf oder sechs“, wird der Manager zitiert.

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Nicht nur führen mehrere mittlere Management-Ebenen zu längeren Wegen zwischen Konzernspitze und Mitarbeitern. Sie kosten den Konzern auch zusätzliches Geld. So gehen bei der deutschen Allianz laut Süddeutscher Zeitung 25 Prozent der Prämien bei Kfz-, Gebäude- und Haftpflichtpolicen für Vertrieb und Verwaltung drauf. Der Konkurrent HUK-Coburg komme mit der Hälfte aus.