Versicherungsbote: Wie stark wirkt sich das Coronavirus auf Ihre aktuelle Arbeit aus? Bzw. wie stark ist Ihr Haus von der Pandemie und dem Lockdown betroffen?

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Rainer Brand: Schon als sich abzeichnete, dass das Virus uns alle vor neue Herausforderungen stellen könnte, haben wir erste Maßnahmen ergriffen. Nach Empfehlungen zu Hygienemaßnahmen und der Verschärfung von Abstandsregeln fiel es uns leicht, die Unwägbarkeiten schnell als Chance zu ergreifen. Unsere konsequenten Investitionen in die digitale Infrastruktur haben sich sofort bezahlt gemacht. Da die notwendigen Strukturen bereits vorhanden waren, konnten wir schnell skalieren und zusätzliche Hardware anschaffen. Mit immensen Solidarleistungen der Belegschaft in der Einrichtung, Verteilung und Schulung konnten wir innerhalb einer Woche diejenigen, die lieber von daheim arbeiten wollten oder zur Risikogruppe zählen, ins Homeoffice verlagern.

Als ein tatsächlicher Lockdown erstmals realistisch erschien, hätten wir alle Kollegen von zu Hause arbeiten lassen können. Auf freiwilliger Basis nutzen diese Chance nun rund 75 Prozent unserer Mitarbeiter und wir sind froh darüber, dass wir komplett ohne Kurzarbeit oder ähnlich unliebsame Maßnahmen auskommen. Dabei läuft der Betrieb auch im Homeoffice reibungslos weiter – hier zeigen sich ein extremer Zusammenhalt in der Belegschaft und ein großes Verantwortungsbewusstsein füreinander. Ein Dank gilt hier auch unseren zahlreichen Kunden und Vermittlern, die großes Verständnis für die Situation aufbringen und zum Beispiel die Geräuschkulisse spielender Kinder meist schmunzelnd zur Kenntnis nehmen.

Suchen Sie in der aktuellen Krise proaktiv das Gespräch mit Kunden, Auftragsgebern und Partnern?

Selbstverständlich. Als Assekuradeur sind die Makler unser wichtigstes Sprachrohr zum Kunden. Hier sind wir ganz nah an unseren Partnern, suchen den Dialog und unterstützen, wo wir können. Insbesondere versuchen wir, unser digitales Know-how weiterzugeben und helfen aktiv dabei mit, dass unsere angeschlossenen Makler die Möglichkeiten der Videoberatung nutzen können. Hierfür arbeiten wir mit Flexperto als externem Dienstleister zusammen.


Themen seitens der Kunden werden hingegen nicht im größeren Stil an uns herangetragen. Das mag daran liegen, dass Sachversicherungen und insbesondere die Wohngebäudeversicherung als unser wichtigstes Produkt durch die Kunden kaum in ihrer Wichtigkeit in Frage gestellt werden. Bei finanziellen Engpässen reagieren wir aber unbürokratisch und schnell mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog, der von einer sofortigen Umstellung auf monatliche Zahlweise bis zur Stundung der Beiträge reicht.

Domcura entwickelt eigene Deckungskonzepte, auch im Dialog mit Anbietern, Vertrieb und Kunden. Erwarten Sie, dass sich infolge der Corona-Pandemie neue Produkte bzw. Leistungsbausteine etablieren könnten: Vielleicht nach der jetzigen Ausnahmesituation?

Erkenntnisse aus der Pandemie werden sicherlich in unseren beruflichen Alltag einfließen. Ob wir bei Domcura nun spezifische Leistungsbausteine zu Pandemien in der Sachversicherung benötigen, sei dahingestellt. Im gewerblichen Bereich ist das Corona-Risiko über die Betriebsschließungsklausel in unserer Inventur-Spezialpolice mit abgesichert. Im privaten Bereich wären vielleicht die Vermittlung von Einkaufsservices oder Atemmasken ein Ansatz für Krankenzusatzversicherer. Für uns ist die Frage eher die nach einem generellen Kulturwandel in einigen Bereichen. Insbesondere betrifft das Fragen zur digitalen Erreichbarkeit im Allgemeinen. Hier liegt für uns noch viel Potential verborgen, das es zu heben gilt – vom Einsatz von Apps und Online-Services bis zur Kommunikation in den Social-Media-Kanälen.

Erhalten Sie bereits Anfragen für neue Policen oder Leistungsbausteine, die auf direkte oder indirekte Pandemie-Risiken Bezug nehmen? Werden diese Risiken nach den aktuellen Erfahrungen überhaupt noch versicherbar sein?

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Bisher haben wir hier noch keine Anfragen erhalten. Wir gehen aber davon aus, dass sich insbesondere für die akut schwierigen Themen wie die Betriebsausfallpolicen im Gegenteil zukünftig ein deutlich größerer Markt eröffnet. Der Pandemiefall war bisher eher ein reines Theoriekonstrukt. Nun gilt es, hier die richtigen Schlüsse zu ziehen und entsprechende Produkte zu erarbeiten. Der Markt hierfür, bisher für uns gefühlt eher eine Nische, dürfte sprunghaft größer werden und somit ganz andere Kalkulationen zulassen.