Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) haben 2018 knapp 262.000 Deutsche ihr Heimatland verlassen, um im Ausland einen Neuanfang zu wagen. Viele werden von deutschen Unternehmen entsendet. Welche Versicherungen sollten Expatriates besitzen, wenn sie ins Ausland gehen?

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Zunächst zu den Zahlen: Diese sind absolut nicht repräsentativ, da Destatis lediglich diejenigen Deutschen erfasst, die tatsächlich ihren Wohnsitz aufgeben. Die meisten Bundesbürger im Ausland behalten ihre Meldeadresse jedoch bei – etwa, weil sie ihre Wohnung untervermieten (dies tun insbesondere die digitalen Nomaden) oder weil sie Wohneigentum besitzen, das versteuert werden muss. Oder weil ein Teil der Familie nicht ins Ausland geht. Letzteres ist insbesondere bei Expatriates häufiger der Fall, die für einen temporären Zeitraum von ihrem Unternehmen im Ausland eingesetzt werden.

Zu den Versicherungen: Der Großteil der Expatriates fällt aus dem deutschen Sozialversicherungssystem heraus, deshalb müssen die entsendenden Arbeitgeber dafür sorgen, dass sie einen gleichwertigen Ersatz für die folgenden Versicherungen erhalten: Kranken-, Krankentagegeld-, Arbeitslosen-, Unfall- und Rentenversicherung. Dazu sind sie im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht per Gesetz verpflichtet. Alle anderen Versicherungen sind mehr oder weniger freiwilliger Natur. Allerdings empfehlen wir dringend, auch im Ausland eine Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung abzuschließen bzw. zu klären, inwieweit der Versicherer auch im Ausland leistet. Gilt der Schutz auch für Länder außerhalb der EU? Gibt es eine zeitliche Begrenzung hinsichtlich der Dauer des Auslandsaufenthaltes, bis zu der Versicherungsschutz besteht?

Wer eine Risiko-Lebensversicherung abgeschlossen hat, sollte ebenfalls genau prüfen, ob und unter welchen Umständen ein Schutz im Ausland besteht, damit die Angehörigen im worst case kein zweites böses Erwachen erleben. Was das Thema Ausland angeht, sind die deutschen Versicherer nämlich noch immer äußerst risikoavers.

Viele Auswanderer verfolgen den Plan, für immer am Wunschort zu bleiben. Doch wenn uns Vox mit "Goodbye Deutschland" eines gelehrt hat - es schaffen nicht alle. Welche Versicherungslösungen sollten Deutsche im Gepäck haben, die planen in ein anderes Land auszusiedeln?

Das A und O ist und bleibt die Auslandskrankenversicherung. Und damit meinen wir nicht die klassische Reisekrankenversicherung, die nur für urlaubsbedingte Aufenthalte und für maximal 6 bis 12 Wochen im Jahr leistet. Mittlerweile gibt es - abgesehen vom BDAE - zahlreiche Anbieter, die sich auf Langzeit-Auslandsaufenthalte von Deutschen spezialisiert haben und diverse Angebote offerieren: Von einer Basis-Absicherung bis hin zum Rundum-Sorglos-Paket.

Nicht so häufig zu finden sind hingegen Produkte, die lebenslang gültig sind – also für eine „echte“ Auswanderung ohne geplante Rückkehr nach Deutschland. Der Grund dafür ist unter anderem, dass das Risiko schwer kalkulierbar ist auf die gesamte Laufzeit. Deswegen werden potenzielle Auswanderer vor allem auf Produkte stoßen, die im Schnitt nur 5 Jahre Laufzeit haben.

Hinzu kommt, dass der Versicherer sich mit dem jeweiligen Gesundheits- und Abrechnungssystem des Gastlandes auskennen muss, um Arzt- und Krankenhausrechnungen richtig regulieren zu können. Wer hier nicht das richtige Know-how hat, riskiert eine zu hohe Schadenquote und muss dann Versicherungstarife „schließen“, also Kunden vorzeitig kündigen. Das ist dem einen oder anderen Wettbewerber schon passiert und dann „klopfen“ deren Kunden irgendwann beim BDAE an.

...und welche weiteren Policen empfehlen Sie für Auswanderer zusätzlich zum Krankenschutz?

Was weiteren Versicherungsschutz angeht, so muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm wichtig ist. Die Haftpflicht ist unserer Meinung nach überall essenziell. Auch zur Rechtsschutzversicherung raten wir, da man als Ausländer mit dem Rechtssystem anderer Länder wenig vertraut ist. Das folgende Beispiel ist sehr realistisch und in ähnlicher Form schon mal einem BDAE-Kunden widerfahren: Ein deutscher Ingenieur zieht aus beruflichen Gründen nach Dubai. Er ist gerade einmal seit vier Wochen dort, als er nach einem Sektempfang im Hotel Burj Al Arab in einen Verkehrsunfall verwickelt wird. Ihm passiert zwar nichts, aber der vermeintliche Unfallverursacher - ein Einheimischer - ist leicht verletzt. Schlimmer geht’s eigentlich kaum. Die Polizei nimmt den deutschen Geschäftsmann in Polizeigewahrsam - das ist ein in Dubai übliches Vorgehen - und nimmt dort eine Blutprobe von ihm. Die bei Verkehrsunfällen ebenfalls gängige folgende Gerichtsverhandlung kann allerdings frühestens stattfinden, wenn die Ergebnisses der Blutprobe da sind - was bis zu einer Woche oder länger dauern kann. Bis dahin muss der Ingenieur in Haft bleiben.

Sollte sich herausstellen, dass er den Unfall verursacht hat, ist das normale Strafmaß für Ersttäter in Dubai 30 Tage Haft! Zudem wird der Führerschein entzogen und das Auto mehrere Wochen sichergestellt. Sollte der Deutsche auch noch Alkohol konsumiert haben, gilt es als sehr wahrscheinlich, dass die Haft für einen noch längeren Zeitraum verhängt wird. Auch eine Ausweisung aus dem Land ist relativ sicher.

Auswandern ist ja stets ein Sprung ins Ungewisse. Dagegen sind KV-Policen bis ins kleinste Detail festgezurrt. Gibt es Möglichkeiten den Schutz an die möglicherweise veränderten Gegebenheiten anzupassen?

Eine Auslandskrankenversicherung, die auf eine unendliche bzw. ungewisse Dauer kalkuliert ist, hat den Nachteil, dass sie in gewissen Konstellationen wie beispielsweise ein hohes Eintrittsalter, ein in Sachen Gesundheitsversorgung „teures“ Aufenthaltsland oder bei der Mitversicherung von Vorerkrankungen sehr teuer ist. Wer noch nicht genau weiß, ob er wirklich für immer ins Ausland geht, dem empfehlen wir, eine günstige Auslandskrankenversicherung abzuschließen und zusätzlich eine Anwartschaftsversicherung zu kaufen. Diese „friert“ den Gesundheitszustand „ein“ und ermöglicht dann günstigere Konditionen, wenn der Langzeit-Auslandskrankenschutz erforderlich ist.

Ein Beispiel: Ein selbstständiger Softwareentwickler baut sein Business auf Bali auf und hat für die erste Zeit eine zeitlich begrenzte Basisversicherung abgeschlossen. Die Geschäfte laufen dann so gut, dass er beschließt, sich eine Wohnung auf Bali zu kaufen und dort langfristig bleibt. Zudem lernt er seine einheimische Frau kennen und plant, eine Familie zu gründen Die Anwartschaft kann nach Ende der Laufzeit der Basisversicherung dann in die höherwertige Versicherung – beim BDAE ist das der Expat Infinity - umgewandelt werden, der keiner Beschränkung der Versicherungsdauer unterliegt. Die Beitragshöhe orientiert sich dabei am Gesundheitszustand bei Abschluss der Anwartschaft.

Wie ist der Versicherungsschutz bei einem vorrübergehenden Heimataufenthalt?


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Unserer Ansicht nach sollte jede Auslandskrankenversicherung Heimataufenthalte mit versichern, denn egal ob aus beruflichen oder aus privaten Gründen – jeder Expat, Weltreisende oder Auswanderer besucht hin und wieder seine alte Heimat. Die meisten Anbieter – und wir auch – sichern Heimataufenthalte ab. Man muss sich aber über die Dauer genau informieren. Häufig gilt für gewöhnlich: je günstiger das Produkt, desto weniger Tage Heimataufenthalte sind versichert. Bei uns sind bis zu 180 Tage im Heimatland pro Versicherungsjahr möglich. Entscheidend ist, dass der Lebensmittelpunkt des Versicherten im Ausland und nicht in seinem Heimatland ist.