Die kurze Antwort ist: Weder Versicherungen noch Vermittler müssen Hals über Kopf auf TikTok aktiv werden. Die Plattform erlebt aktuell einen extremen Hype und das nicht ohne Grund. Denn alles deutet darauf hin, dass TikTok in Zukunft ein relevanter Kommunikationskanal wird. ABER das ist kein Grund, dass die Versicherungsbranche jetzt auf den Hype-Zug aufspringen muss. Ganz im Gegenteil. Ich empfehle Ihnen den Hype erst einmal abklingen lassen. Denn die Arbeitszeit und das Budget, was Sie hierfür einplanen, kann man in den etablierten Kanälen sinnvoll einsetzen, während es auf TikTok schlicht sinnlos verbrannt wird. Trotzdem sollten Sie die Plattform nicht ignorieren, sondern stets im Hinterkopf behalten und ihre Entwicklung beobachten.

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MarKo Petersohn

MarKo Petersohn ist seit 2012 das As im Ärmel der Versicherungsbranche im #Neuland. Mit seinem Fokus auf Medien und die Mediengesellschaft berät er Versicherer bei ihrer zukunftsfähigen Ausrichtung. Er schult die Vermittler in Seminaren und Workshops zu den Herausforderungen durch Social Media und Digitalisierung. Auch im Auftrag des Bildungsministeriums NRW und des BWV Bildungsverbandes, wo er Mitglied im Prüfungsausschuss zur „Digitalen Kommunikation in der Versicherungsbranche“ ist. Außerdem ist MarKo Petersohn Mitbegründer der Onlinemarketinggesellschaft für Versicherungsvermittler und verleiht auf der DKM den OMGV Award für herausragendes Onlinemarketing. Neben diesen Tätigkeiten besitzt er seit 2015 einen Lehrauftrag an der Kölner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft zum Thema „Medienwissenschaften und Kommunikation“. Auf Twitter finden Sie ihn unter @markopetersohn.

Die ausführliche Antwort und 4 Tipps für den aktuell richtigen Umgang mit TikTok

Wie Anfang 2019 prophezeit, erlebt TikTok momentan einen enormen Hype. Und das nicht ohne Grund. Denn während Facebook noch 8 Jahre benötigte, um 1 Milliarde Nutzer zu erreichen, schaffte TikTok dies in 3 Jahren. Es ist DAS Social Network der Stunde und auch völlig zurecht medial omnipräsent.

Falls Ihnen TikTok noch nichts sagt. Dies ist eine Social-Media-App, mit der Kurzvideos von maximal 60 Sekunden Länge (die meisten sind zwischen 10 und 15 Sekunden lang) veröffentlicht werden können. Zumeist handelt es sich hierbei um Playback-Videos, bei denen zu aktuellen Liedern lippensynchron „mitgesungen“ und getanzt wird. Einen ausführlichen Einblick in die App bietet Ihnen das folgende Video:

In Deutschland hat TikTok mittlerweile 5,5 Millionen monatliche Nutzer, die im Durchschnitt 50 Minuten pro Tag auf ihr verbringen. Im Januar 2019 waren es noch 4,4 Millionen Nutzer und 39 Minuten.

Die wachsenden Nutzungszahlen und zunehmende Nutzungszeit zeigen, dass es sich bei TikTok nicht nur um einen kurzfristigen Hype handelt, sondern um eine zunehmend relevante Plattform. Alles deutet darauf hin, dass TikTok für die U16-Generation das wird, was Instagram heute für die U25-Generation ist, das wichtigste Kommunikationsmedium. ABER das bedeutet nicht, dass Sie auf diesen Hype-Zug jetzt aufspringen müssen. Ganz im Gegenteil.

Der Gardner Hype-Zyklus am Beispiel des InsurTech-Hypes

Kennen Sie den Gardner Hype-Zyklus? Nein? Kein Problem. Das ist im Prinzip ein Modell, welches die Phasen der öffentlichen Aufmerksamkeit darstellt, die jede neue Technologie bei deren Einführung durchläuft.

Gartner Inc. / Wikipedia

Die erste Phase ist der Auslöser, bei dem das Thema auf großes Interesse in der Fachwelt stößt und zunehmend Trittbrettfahrer auf den Hypezug aufsteigen.

In der zweiten Phase führen immer mehr Trittbrettfahrer und eine damit verbundene zunehmende Berichterstattung zu einer medial übersteigerten Euphorie und letztendlich unrealistischen Erwartungen.

In der dritten Phase kommt es zum „Tal der Enttäuschungen“, da sich die Erwartungen nicht erfüllen lassen und aufgrund nachlassender Aktualität auch die Berichterstattung abebbt.

In der vierten Phase steht das Thema nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit, aber dafür setzt ein Verständnis für die Vorteile, die praktische Umsetzung, aber auch für die Grenzen der neuen Technologie ein.

Wenn die Vorteile allgemein anerkannt und akzeptiert werden, dann kommt man zur fünften und letzten Phase, dem „Plateau der Produktivität“. Das anfänglich gehypte Thema hat nun einen sichtlich erkennbaren Mehrwert für den Großteil der Menschen und ist wirtschaftlich rentabel.

Denken Sie nur an den InsurTech-Hype der letzten 5 Jahre. Viele Experten predigten, dass die Versicherungsbranche durch InsurTechs eine Disruption epischen Ausmaßes erleben wird. Vermittler und Makler werden obsolet und die Kunden fliegen den neuen Marktteilnehmern nur so zu, weil diese Versicherungen sexy machen. Zugegeben, das ist etwas überspitzt, aber in etwa so war das Image von InsurTechs auf dem Höhepunkt ihres Hypes.

Und dann kam es unweigerlich zum Tal der Enttäuschungen. Plötzlich war nicht mehr die Rede davon, dass Versicherungen sich vor InsurTechs fürchten müssten. Die Gründer stellten sich auch nicht mehr als Gegner der alten, verstaubten, langweiligen Versicherungsbranche dar, sondern suchten nun die Nähe zu den alten, verstaubten, langweiligen Gesellschaften. Selbst die größten Digitalisierungspropheten kamen irgendwann auf den Boden der Tatsachen an und stellten fest, dass InsurTechs die Versicherungsbranche nicht neu erfinden werden und den Versicherungsvermittler nicht vollkommen ersetzen werden.

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Mittlerweile sind sich alle einig, dass man in Zukunft nebeneinander und teilweise sogar miteinander existieren wird. Und all das ist gut. Denn jetzt endlich befinden wir uns auf dem Plateau der Produktivität und es kann zielgerichtet Zukunft gestaltet werden.