Den deutschen Bausparkassen bereitet der anhaltende Niedrigzins enorme Sorgen. Denn sie müssen die Zinsversprechen an ihre Kunden erfüllen und die drücken so sehr, dass die Branche zu alternativen Lösungen greift. Diverse Unternehmen hatten deshalb in den letzten Jahren zehntausende Verträge von Kunden mit hochverzinsten Altverträgen gekündigt. Denn Bausparkassen haben ein Kündigungsrecht, wenn die Zuteilungsreife der Verträge länger als zehn Jahre zurückliegt. Dies hat der Bundesgerichtshof entschieden. Kündigungsrechte, die das Bürgerliche Gesetzbuch Darlehensnehmern gewährt, gelten dem Beschluss des Gerichts zufolge auch für Bausparkassen.

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Inzwischen haben viele Bausparkassen auch ihre Kriegskassen geleert. Konkret geht es um ein Konstrukt, das sich Fonds zur bauspartechnischen Absicherung (FtbA) nennt: ein bilanzieller Sonderposten, den jede Bausparkasse selbst bildet und als Sicherheitspolster für schlechtere Zeiten dienen soll. Das heißt, jeder Anbieter spart einen eigenen Topf an. Zum Jahresende 2015 hatte aber die Bundesregierung das Bausparkassengesetz geändert, um den Instituten mehr Luft im Niedrigzins zu verschaffen. Auch die Regeln für die Sicherungsfonds wurden damit gelockert. Bisher durfte auf den FtbA nur zugegriffen werden, um die Zuteilung reifer Bausparverträge zu garantieren. Seither darf er auch „zur Sicherung kollektiv bedingter Erträge“ herhalten. Eine recht schwammige Formulierung, die viel Interpretationsraum lässt.

Das führte dazu, dass der Sicherheitsfonds seither rapide schrumpft. Ende 2014 wies der FtbA für alle Unternehmen noch über 2,2 Milliarden Euro aus. Übrig geblieben sind davon zum Jahresende 2017 nur noch 637 Millionen Euro. Ende 2016 waren noch 1,34 Milliarden Euro in der Notfallkasse. Während der Fonds zur bauspartechnischen Absicherung geleert wurde, füllten sich die Konten eines anderen Sondertopfs: dem sogenannten Fonds für allgemeine Bankrisiken.

Inzwischen herrscht bei vielen Unternehmen Ebbe in den FtbA-Kassen. So hätten acht der 13 größten Bausparkassen ihre Reserven komplett aufgebraucht. Zu den Unternehmen mit geleertem Fonds zählt auch die Debeka Bausparkasse. Das Unternehmen mit Sitz in Koblenz hatte bereits 2017 keine Reserve im Fonds zur bauspartechnischen Absicherung. Interessanter sind aber die Zahlen beim Fonds für allgemeine Bankrisiken aus den Jahren 2017 und 2018. Während die Bausparkasse in 2017 noch 273 Millionen Euro auf diesem Konto verbuchte, waren es in 2018 nur noch 229 Millionen Euro. Folglich bediente sich die Bauspar-Tochter der Debeka, um das Geschäftsergebnis aufzuhübschen. 44 Millionen Euro aus diesem Sondertopf machen aus einem operativen Verlust von mehr als 40 Millionen Euro doch noch einen Gewinn. Das berichtet die "Wirtschaftswoche"

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Auch in den kommenden zwei Geschäftsjahren sei eher keine Besserung in Aussicht und operative Verluste zu erwarten. Zudem habe die Debeka ihrer Bauspar-Tochter in 2018 mit 150 Millionen Euro unter die Arme gegriffen. Mit dem frischen Geld solle „Investitionskraft“ gesichert und das „Geschäft weiter ausgebaut“ werden. Das erklärte ein Sprecher der Bausparkasse gegenüber der "Wirtschaftswoche"