Versicherungsbote: Sie haben gemeinsam mit CyberDirekt eine neue Cyberversicherung auf den Markt gebracht. Zielgruppe sind kleinere und mittlere Unternehmen mit bis zu 25 Millionen Euro Umsatz. Warum genau diese Zielgruppe?

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Bernd Knof: Victor fokussiert sich auf kleine und mittelständische Unternehmen, die im Vergleich zu großen Gesellschaften mit zumeist eigenen IT-Abteilungen einen schwereren Zugang zu entsprechendem Cyber-Know-how haben. Hohe und kostspielige Investitionen in die IT-Sicherheit sind im Mittelstand durchaus herausfordernder als bei großen Konzernen.

Wenngleich die Bedrohung durch Cyberangriffe jedes Unternehmen betrifft, unabhängig von Größe oder Branche, haben wir gerade im Mittelstand hohen Bedarf an Beratung und Absicherung hinsichtlich Cyberrisiken identifiziert. Unsere Aufgabe sehen wir darin, diese Lücke durch passgenauen Versicherungsschutz und der Unterstützung im Beratungsprozess unserer Kooperationsmakler zu schließen.

„CyberVlex“ bietet zwölf verschiedene Bedingungswerke, die auf verschiedene Branchen abgestimmt sind. Weshalb ist das notwendig? Der Trend geht ja eher in eine andere Richtung: Die Allianz will zum Beispiel nur noch wenige standardisierte Tarife anbieten, getreu dem Motto „Keep it simple!“.

Dem Ansatz „Keep it simple!“ stimme ich zwar zu, bei kleinen und mittelständischen Unternehmen bedeutet dies in meinen Augen, bedarfsgerechten Versicherungsschutz einfach, schlank und digital abzubilden – für Makler und Versicherer gleichermaßen. Neue Geschäftsmodelle, Technologien und Wertschöpfungsketten entwickeln sich mit hoher Geschwindigkeit. Aus diesem Grund verändern sich vor allem die Cyberrisiken sehr schnell und unterscheiden sich immens voneinander. Dies gilt für das produzierende Gewerbe genauso wie für den Arzt, den Rechtsanwalt oder den Handwerker.

Wir sind der Überzeugung, dass Cyberrisiken jeder einzelnen Betriebsart individuell betrachtet und behandelt werden müssen, um Gewerbetreibende bestens absichern zu können. Der Arzt oder Apotheker hat ein völlig anderes Cyberrisiko als der Handwerker. Die Cyberrisiken eines Rechtsanwalts wiederrum unterscheiden sich erheblich von denen eines Hotels oder einer Gaststätte. Die Ergebnisse unserer Analysen waren eindeutig: Jede Branche braucht ihr eigenes individuelles Bedingungskonzept! So entstand die Idee unseres Branchenkonzeptes “CyberVlex” mit 12 passgenauen Versicherungslösungen für 12 ausgewählte Branchen, welches wir zur DKM dieses Jahr in den Markt eingeführt haben. Wir sind mit der Resonanz aus dem Markt bisher mehr als zufrieden. Das ist unsere Interpretation von „Keep it simple“.

Warum kooperieren Sie mit Cyberdirekt? Benötigen Sie in dieser speziellen Sparte Expertise von externen Partnern?

Das CyberVlex-Produkt ist das Ergebnis einer sehr produktiven Zusammenarbeit zwischen CyberDirekt und Victor. Insbesondere die Technologieplattform und die zahlreichen präventiven Dienstleistungen von CyberDirekt ermöglichen es, bedarfsgerechten Versicherungsschutz mit umfassendem Service zu kombinieren und somit dem Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Wir wollen immer das bestmögliche Produkt für unsere Kunden entwickeln und wenn dies Kooperationen beinhaltet, sind wir gerne dazu bereit diese zu schließen.

Sie arbeiten auch mit Maklern zusammen. Machen derart viele Bedingungswerke die Beratung nicht komplizierter — und sollten sich Makler auf eine Zielgruppe spezialisieren? Etwa Arzt- und Anwaltspraxen beraten statt „Allrounder“ sein?

Ganz im Gegenteil! Durch CyberVlex und seinen branchenspezifischen Ansatz wird der Vermittler auf die bestmögliche Weise in die Lage versetzt, den passenden Versicherungsschutz seinem Kunden anzubieten. Ob der Besuch beim Arzt in Begleitung mit dem Konzept „Gesundsheits- und Heilwesen“ oder im produzierenden Gewerbe mit dem Konzept “Handwerk und produzierende Unternehmen”. Der branchenspezifische Ansatz vereinfacht die Beratung für die Vermittler dabei erheblich und minimiert auch die Beratungsrisiken im Gegensatz zu einem “one-fits-all-Ansatz”. Hierzu passt unsere Erkenntnis, dass insbesondere auf bestimmte Berufsgruppen spezialisierte Makler ein besonderes Interesse an „CyberVlex“ haben.

In Deutschland gelten viele Unternehmen im Bereich Cyberrisiken als schlecht abgesichert. Victor gehört zur MMC Gruppe, die international gut aufgestellt ist. Können Sie einen Einblick geben, wie gewerbliche Cyberpolicen auf anderen Märkten verbreitet sind? Ist Deutschland hier noch „Entwicklungsland“?

Die Ausbreitung von gewerblichen Cyberpolicen ist hier in Deutschland sicherlich noch stark unterrepräsentiert. Global gesehen ist Cyber die am stärksten wachsende Versicherungssparte. Was vor einigen Jahren in den USA als einfacher Schutz gegen Hackerangriffe begonnen hatte, ist mittlerweile eine umfassende Absicherung gegen Betriebsunterbrechung, Erpressung, Betrug, Verlust und Haftungsrisiken im Zusammenhang mit Daten sowie IT-technische Fehler und Ausfälle. Dabei ist in den USA aber auch in Asien die Digitalisierung und das Cloud-Computing als solche weiter vorangeschritten als in Deutschland. Die Marktpenetration in Cyber ist heute lediglich in den USA im zweistelligen Prozentbereich, wobei selbst dort die Gewichtung bei den Großunternehmen mit Abstand am höchsten ist.

Für Deutschland erwarte ich, dass Cyber über mehrere Jahre mit zweistelligen Raten wachsen wird und der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen konstant und schnell zunehmen wird. Insofern ist der deutsche Cybermarkt in der Tat noch unterentwickelt, aber mit einer ganz klaren, signifikanten Wachstumsperspektive für die kommenden Jahre.

Was sind die größten Kostentreiber, die gerade kleinen und mittleren Unternehmen bei Cyber entstehen können? Und wie hoch kann ein solcher Schaden ausfallen? Haben Sie vielleicht Beispiele?

Die Kostentreiber für kleine und mittlere Unternehmen sind vielfältig und unterscheiden sich entlang der unterschiedlichen Branchen erheblich. So sind im Bereich der Kammerberufe, insbesondere bei Steuerberatern oder Rechtsanwälten die Risiken hinsichtlich Datenschutzverletzungen sehr hoch. Ähnliches gilt für Ärzte, die mit hochsensiblen Daten arbeiten. Verschärft wird dieses Risiko durch die neue DSGVO und die damit einhergehenden strengeren Rahmenbedingungen.

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Auf der anderen Seite stellen Betriebsunterbrechungen z. B. durch einen Cyber-Vorfall für produzierende Unternehmen oder Online-Handelsunternehmen eine große Gefahr dar. Jede Sekunde wo das Band still steht oder die Website nicht aufgerufen werden kann, bedeutet finanzielle Verluste für die Unternehmen. In allen Fällen können Cyberschäden für die Unternehmen existenzbedrohend sein. Aus diesem Grund ist es notwendig den passenden Versicherungsschutz für das jeweilige Unternehmen zu identifizieren sowie ein umfassendes Servicepaket bereits vor dem Versicherungsfall in das Konzept zu integrieren.