Auch für dieses Jahr sieht es gut aus. Das operative Ergebnis werde zwischen 11,5 und zwölf Milliarden Euro liegen, so dass man die anvisierten Ziele erfüllen könne, teilte der Konzern diese Woche mit. Analysten erwarten sogar 12,1 Milliarden Euro: Es wäre ein deutlicher Gewinnsprung.

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Rumoren tut es jedoch ausgerechnet bei der Deutschland-Tochter und den rund 8.000 angeschlossenen Vertretern auf dem Heimatmarkt. Vielen geht der Konzernumbau zu schnell: Sie hegen den Verdacht, die persönliche Beratung soll durch digitale Helfer und künstliche Intelligenz ersetzt werden. Zusätzlich müssen die Vertreter die Folgen des technischen Wandels ausbaden: Wiederholt kam es in den letzten Monaten zu Verzögerungen und Systemausfällen, weil die IT streikte. Die Allianz entpuppt sich wie viele andere Versicherer als Dauerbaustelle (der Versicherungsbote berichtete).

Nicht alle Vertreter zufrieden

Gerade im Vertrieb will die Allianz sparen - und sparte auch bereits. Den Vertretern wurde im Vorjahr eine erfolgsabhängige Bestandsprovision gestrichen: betroffen davon waren rund 4.000 Agenturen. Auf wenig Gegenliebe stieß zudem, dass Oliver Bäte alle Policen online anbieten will und bestimmte Autotarife über das Vergleichsportal Verivox verkauft: obwohl sich die Allianz zwischenzeitlich komplett von Vergleichsportalen zurückgezogen hatte. Hier wächst den Agenturen unliebsame Konkurrenz.

In internen Facebook-Gruppen beschwerten sich Vertreter wiederholt über Bätes Kurs (der Versicherungsbote berichtete). Er bestreitet jedoch Kannibalisierungs-Effekte durch seine digitale Agenda: Die meisten Kunden würden sich online informieren, um dann doch in der Allianz-Agentur den Vertrag zu unterschreiben. Verzichten kann die Allianz auf die Vertreter bisher nicht: ein Fünftel des Konzerngewinns kommt von der Deutschland-Tochter, deren wichtigste Neugeschäftstreiber noch immer die Vermittler aus Fleisch und Blut sind.

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Im Vertrieb will Oliver Bäte nach Handelsblatt-Informationen weiter sparen. Er habe der Zeitung vorgerechnet, dass die Allianz im Jahr 2017 für Mitarbeiter rund 12,1 Milliarden Euro an Löhnen, Gehältern, Boni und Sozialabgaben gezahlt habe. Nicht der höchste Ausgabeposten: Vertriebspartner hätten demnach sogar 13,9 Milliarden Euro erhalten.