Vor drei Jahren haben Sie an der ersten DIA-Konferenz in Barcelona teilgenommen. Wir freuen uns, Sie erneut zu treffen!

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Marco Keim: Es ist unglaublich, wie sich dieses Event entwickelt hat. Ein großes Kompliment dafür, dass Sie die Initiative ergriffen und diese Pionierleistung erbracht haben!“

Lassen Sie uns damit beginnen, ein wenig über Aegon zu sprechen. Aegons Ziel lautet, Menschen dabei zu helfen, lebenslange finanzielle Sicherheit zu erlangen. Können Sie uns ein wenig mehr darüber erzählen?

Vor mehr als zehn Jahren, genauer gesagt nach der Finanzkrise, haben wir unsere Ziele überdacht. Wir haben uns gefragt: `Welchen Mehrwert kann die Versicherungsindustrie für ihre Kunden erzielen?´ Dabei geht es nicht allein darum, bessere Produkte zu entwickeln als die Wettbewerber oder ähnliche Dinge. Wir erkannten, dass wir zwar über ein umfassendes Finanzwissen verfügen, das wir unseren Kunden vermitteln können, sich die meisten von ihnen aber nicht für Finanzangelegenheiten interessieren. 90 Prozent der Kunden in Westeuropa, aber wahrscheinlich auch in Asien und anderen Teilen der Welt, denken nicht über ihre Finanzsituation nach. Sie verbringen mehr Zeit damit, sich neue Jeans zu kaufen, als damit, sich zu überlegen, wie sie ihre finanzielle Situation mithilfe von Finanzprodukten verbessern können.

Was tun Sie, um hier Abhilfe zu schaffen?

Wir haben beschlossen, unser Wissen zu nutzen, um unseren Kunden dabei zu helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Darin sehen wir den Sinn und Zweck unseres Unternehmens. Vor dem Hintergrund, dass sich der Staat und die Unternehmen immer weiter aus der Altersvorsorge zurückziehen, sind unsere Kunden in immer stärkerem Maße selber für die Absicherung ihres Ruhestands verantwortlich. Den meisten ist das noch gar nicht klar. Hier in den Niederlanden glauben die meisten Menschen, dass sie 70 Prozent ihres letzten Gehalts als Rente bekommen werden. Das ist aber nicht so. Und das ist die Lücke, die wir schließen müssen.

Sie sehen also, dass der Bedarf an Finanzdienstleistungen größer ist als je zuvor. Wir stellen aber auch fest, dass in bestimmten Märkten, zum Teil sogar denselben Märkten, in denen der latente Bedarf größer wird, die Nachfrage tatsächlich sinkt. Wie gelingt es Ihnen vor diesem Hintergrund, Kunden erfolgreich anzusprechen?

Mithilfe von Digitalisierung und Daten. Das ist für uns die Zukunft – die Digital Insurance Agenda. Bei allem Respekt, wenn Sie heute nicht digital sind ... das ist so grundlegend wie das Einmaleins. Und Daten sind der Bereich, in dem wir den größten Mehrwert erzielen können. Wenn wir unsere Daten richtig nutzen, die wir als Industrie bereits besitzen, und diese mit externen Daten verknüpfen, können wir für Kunden eine wesentlich größere Relevanz haben, weil wir ihnen zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen liefern können. Das ist die Nuss, die wir knacken müssen. Und eine wachsende Zahl an Initiativen, wie die Zahlungsdiensterichtlinie der EU – kurz PSD2 – für das Bankwesen, ermöglichen uns einen besseren Zugang zu Daten.

In Asien gibt es bereits digitale Plattformen, die mit Versicherungsunternehmen kooperieren, um Daten auszutauschen und auf diese Weise das Underwriting und die Zielkundenansprache zu verbessern.

Neben Daten und Digitalisierung brauchen Sie ein Versicherungsprodukt, aber das allein reicht nicht aus. Vor kurzem habe ich vor den Verantwortlichen für die Practice Group Versicherungen einer globalen Unternehmensberatung eine Präsentation gehalten. Ich sagte ihnen, falls sie nur die Versicherungsindustrie im Blick hätten, würden sie wahrscheinlich nicht mehr weit kommen. Denn ich glaube, dass man die Chancen nicht allein aus dem branchenbezogenen Blickwinkel betrachten sollte. Wir haben eine zunehmende Branchenkonvergenz. Unser Geschäft reicht weit über Versicherungen hinaus. Wir sind im Bereich Finanzdienstleistungen aktiv, aber unseren Kunden ist es egal, ob sie die Lösung für ihre Probleme von einem Vermögensverwalter, einer Bank oder einem Versicherungsunternehmen erhalten. Wir müssen das Versicherungsgeschäft auf Finanzdienstleistungen ausdehnen.“

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Nehmen wir unser Unternehmen in den Niederlanden; unser Neugeschäft entsteht nicht aus den Versicherungen, sondern aus Hypotheken. Wir sind Drittverwalter für Pensionsgeber. Was zuvor also ein Versicherungsunternehmen war, ist inzwischen ein vollkommen anderes Unternehmen. Das spiegelt sich auch in unserer Bilanz wider: Wir verwalten Vermögen im Wert von 316 Milliarden Euro. Man könnte meinen, wir seien eher eine Vermögensverwaltung als ein Versicherungsunternehmen.

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