Jedoch muss bei Interpretation der Zahlen beachtet werden: Der aktuelle Stand sagt mehr über die Übergangs-Regelungen aus als darüber, wie sich in Zukunft die Einstufung nach Pflegegraden entwickeln wird. Denn die Regelungen sollten garantieren, dass niemand, der bereits eine Pflegestufe besaß, durch das neue Gesetz schlechter gestellt wird. Wer Pflegestufe 1 hatte, rutsche automatisch in Pflegegrad 2. Hatte ein Patient Pflegestufe 1 und Demenz, rutschte er sogar zwei Grade höher in Pflegestufe drei. Diese sogenannten Überleitungsfälle machen mit Stand vom 31.12.2018 laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) noch 43,3 Prozent aller ambulant betreuten Leistungsbezieher in der sozialen Pflegeversicherung sowie sogar 63,0 Prozent aller stationär betreuten Leistungsbezieher aus.

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Leistungsempfänger nach Pflegegraden: Die aktuellen Zahlen

Für den 31.12.2018 ergeben sich folgende Zahlen (betrachtet wird nur die soziale, nicht jedoch die private Pflegeversicherung):

Für die ambulante und teilstationäre Pflege gab es 2.905.325 Leistungsbezieher. 11,8 Prozent der Pflegebedürftigen waren in Pflegegrad 1 eingeteilt. Der größte Teil, nämlich 47,6 Prozent, war eingeteilt in Pflegegrad 2. In Pflegegrad 3 waren 26,6 Prozent eingeteilt. 10,1 Prozent bezogen Leistungen nach Pflegegrad 4. Hingegen wiesen nur 3,8 Prozent der stationär betreuten Menschen Pflegegrad 5 auf und litten an schwersten Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

Leistungsempfänger ambulant und teilstationär 2017 und 2018@GKV-Spitzenverband

Für die vollstationäre Pflege hingegen ändert sich die Verteilung, denn hier dominiert Pflegegrad 3 (und dominieren damit schwere Beeinträchtigungen) gegenüber den anderen Pflegegraden. 780.064 Pflegebedürftige bezogen zu Ende 2018 Leistungen für stationäre Pflege. In Pflegegrad 1 waren 0,6 Prozent eingeteilt – ein prozentual größerer Teil der Menschen in diesem Pflegegrad bezieht folglich Leistungen für ambulante statt stationäre Pflege.

Leistungsempfänger vollstationär 2017 und 2018@GKV-Spitzenverband

22,8 Prozent Leistungsbezieher stationärer Pflege hingegen waren in Pflegegrad 2 und 32,8 Prozent in Pflegegrad 3 eingeteilt. Die meisten Pflegebedürftigen in stationärer Pflege leiden demnach unter schweren Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten. Aber auch für hohe Pflegegrade und damit schwerste Beeinträchtigungen liegen die Prozentzahlen bei der stationäre Pflege höher: 28,07 Prozent befinden sich in Pflegegrad 4 und 15,1 Prozent in Pflegegrad 5.