Wenn Pflegebedürftige in einem Heim betreut werden, so müssen sie hierfür immer höhere Summen aus eigener Tasche zahlen. Im Juli 2019 betrugen die Kosten im Bundesschnitt 1.891 Euro monatlich. Das geht aus Zahlen des Verbandes der Ersatzkassen hervor. Bei der Höhe des Eigenanteils gibt es regional sehr große Unterschiede. Während der durchschnittliche in Eigenanteil in Nordrhein-Westfalen bei 2.325,55 Euro liegt, kommen Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt mit nur 1.201 Euro vergleichsweise recht günstig davon.

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Wenn Betroffene diese Kosten nicht zahlen können, übernimmt zunächst das Sozialamt die anfallenden Pflegekosten. Es ermittelt dann aber Angehörige in gerader Linie, damit sie für den Unterhalt des Pflegebedürftigen aufkommen. In der Regel sind das der Ehepartner (auch Geschiedene) und die leiblichen Kinder. Aktuell möchte die Bundesregierung den Kindern pflegebedürftiger Eltern finanziell unter die Arme greifen. Künftig solle nur wer mindestens 100.000 Euro brutto im Jahr verdient, noch für pflegebedürftige Eltern zahlen.

Berechnungen der Bertelsmann Stiftung gehen aktuell davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2045 auf fünf Millionen Menschen anwachsen wird. Während vor diesem Hintergrund ein weiterer Anstieg des Beitrags zur gesetzlichen Pflegeversicherung zu erwarten ist, dürfte auch der Eigenanteil im Pflegefall eher ansteigen.

Gesetzliche Pflegeversicherung ist keine Vollkasko

Dennoch blicken viele Bundesbürger recht sorglos auf das Thema Pflege. In Summe unterschätzen aktuell zwei Drittel (64 Prozent) aller Deutschen die Kosten, die die Pflegeversicherung nicht übernimmt. So meinten zwei Fünftel (43 Prozent) der Befragten, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die Kosten für einen vollstationären Pflegeplatz in voller Höhe übernehmen würde. Weitere 21 Prozent der Befragten gingen von einem Eigenanteil von unter 1.000 Euro aus.

„Zwar zahlen Berufstätige und Rentner Beiträge in die gesetzliche Pflegeversicherung ein, diese ist jedoch grundsätzlich nicht auf volle Kostendeckung ausgelegt – das heißt, dass von ihr nur Zuschüsse zu den tatsächlichen Pflegekosten geleistet werden“, erklärt Anja Maultzsch von der Postbank.

Mangelndes Wissen über Pflegekosten

Bei der Vorsorge setzten die Befragten auf Ersparnisse und Vermögenswerte. Immerhin 22 Prozent der Deutschen habe eine private Pflegeversicherung abgeschlossen. Fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten, die nicht privat für die Pflege im Alter vorsorgen, begründet dies mit Geldmangel. Weitere 44 Prozent glaubten, dass der Staat für die Pflegekosten aufkommt oder, dass es ausreiche, in die gesetzliche Pflegeversicherung eingezahlt zu haben (38 Prozent). „Zwar geben 59 Prozent der Befragten an, privat für die Pflege im Alter vorzusorgen, da jedoch zwei von drei Deutschen den Eigenanteil – zum Teil massiv – unterschätzen, ist es möglich, dass diese Aussage für viele nur ein Lippenbekenntnis ist.“, zeigt sich Maultzsch skeptisch.

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Ein Hemmschuh für die private Vorsorge sei auch das mangelnde Wissen. Demnach sorge jeder Vierte (25 Prozent) nicht vor, weil er sich mit dem Thema nicht auskenne. Drei von zehn Deutschen (29 Prozent) hätten sich über die Finanzierung von Pflege noch keine Gedanken gemacht. In diesem Bereich fiel besonders die Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen auf. 43 Prozent von ihnen habe sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt. Rund 22 Prozent der 40- bis 59-Jährigen und 16 Prozent der über 60-Jährigen hätten dies bislang allerdings auch aufgeschoben.