Fast erwartungsgemäß ging die erste Verhandlungsrunde zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) ohne eine Einigung aus. Denn es dürfte auch in den diesjährigen Tarifverhandlungen ein zäher Kampf anstehen.

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Schließlich hatte Ver.di im Vorfeld recht sportliche Forderungen gestellt. Konkret fordert die Tarifkommission für die rund 170.000 Beschäftigten im Innendienst der privaten Versicherungswirtschaft, dass die Gehälter inklusive Zulagen um sechs Prozent angehoben werden. Nicht über mehrere Jahre gestreckt, wie es oft bei früheren Tarifverträgen der Fall war, sondern binnen einer Zwölfmonats-Frist. Zudem soll die Auszubildendenvergütung für alle Ausbildungsjahre ebenfalls um 80 Euro steigen. Doch nicht nur monetäre Aspekte bringt die Gewerkschaft in die Tarifrunde ein: auch Arbeitszeit und -organisation werden die Gespräche bestimmen. So solle ein Rechtsanspruch auf Umwandlung von Tariferhöhungen in freie Tage ebenso garantiert sein wie ein Rückkehrrecht für heute in Teilzeit arbeitende Beschäftigte auf Vollzeit und die unbefristete Übernahme der Auszubildenden.

Die Arbeitgeberseite bezeichnete die Forderungen jedoch als deutlich zu hoch. Für den AGV habe in der ersten Runde der Verhandlungen der Meinungsaustausch über wirtschaftliche Entwicklungen im Mittelpunkt gestanden. Die Versicherungswirtschaft wolle erst über Zahlen sprechen, wenn ein Gesamtpaket stehe.

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Von Gewerkschaftsseite gab es für dieses Vorgehen scharfe Kritik. "Die Arbeitgeber sahen sich nicht in der Lage, ein konkretes Gehaltsangebot zu machen, obwohl wir unsere Forderungen bereits Mitte April mitgeteilt haben und der Gehaltstarifvertrag Ende August 2019 ausgelaufen ist", kritisiert ver.di-Verhandlungsführerin Martina Grundler. Mit dieser Haltung und den späten Verhandlungsterminen würde der AGV die Gehaltserhöhung bewusst verzögern. Grundler glaubt sogar, dass die Arbeitgeber die Gehaltsrunde dafür ausnutzen wollen, um eine Verschlechterungen im Manteltarifvertrag zu erwirken. Doch dieser sei überhaupt nicht gekündigt. Für die Gewerkschafterin steht deshalb fest, dass man " keine Verschlechterungen im Manteltarifvertrag gegen Gehalt" tauschen werde. Die nächste Verhandlungsrunde soll am Ende Oktober stattfinden.