Wenn Pflegebedürftige in einem Heim betreut werden, so müssen sie hierfür immer höhere Summen aus eigener Tasche zahlen. Im Juli 2019 betrugen die Kosten im Bundesschnitt 1.891 Euro monatlich. Das geht aus der Statistik des Verbandes der Ersatzkassen hervor. Um im Alter nicht vom Pflege- zum Sozialfall zu werden, ist eine private Pflegeversicherung unverzichtbar. „Alleine die Unterbringung im Pflegeheim kostet Monat für Monat leicht über 3.000 Euro. Bei einer durchschnittlichen Pflegedauer von ca. fünf Jahren summieren sich die Kosten schnell auf über 100.000 Euro“, sagt Frank Nobis, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP).

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Das Ratinghaus Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat Pflegetagegeld-Tarife von 26 Anbietern unter die Lupe genommen. In Summe seien 23 Tarife auf bis zu 67 Kriterien hin untersucht worden. Dabei seien jedoch nur verkaufsoffene Pflegetagegeld-Tarife und solche Versicherungen, die nicht staatlich gefördert sind und Absicherung für die fünf neuen Pflegegrade bieten, auf Herz und Nieren geprüft worden.

Besonders gewichtet wurde im Rating mit 50 Prozent das Preis-Leistungsverhältnis“. Dazu seien Tarifbestandteile wie der Geltungsbereich des Versicherungsschutzes oder die Leistung bei Pflegebedürftigkeit infolge einer Suchterkrankung verglichen sowie Pflegeleistungen während einer vollstationären Heilbehandlung geprüft worden. Zudem wurden Berechnungen zu drei Modellkunden (30, 45 und 60 Jahre) durchgeführt, deren Pflegeeintritt zum 85. Lebensjahr modellhaft stattfindet. Als Kalkulationsgrundlage dienen 50 Euro Tagegeld im Pflegegrad 5, 80 Prozent davon im Pflegegrad 4, 60 Prozent im Pflegegrad 3, 30 Prozent im Pflegegrad 2 und 20 Prozent im Pflegegrad 1.

Testkriterium Numero Zwei im Produktvergleich war die „Unternehmensqualität“, die zu 25 Prozent in das Rating einfloss. Diese wurde anhand von Stabilität, Sicherheit, Ertragskraft und Markterfolg gewertet. Ausschlaggebend waren hier Faktoren wie die Beitragseinnahmen in Brutto-Beiträgen, der Kapitalanlagebestand oder die Solvabilitätsquote. Die "Flexibilität" der Rente wurde mit 15 Prozent gewertet. Als letztes Testkriterium flossen "Transparenz und Service" in das Rating ein: etwa, ob Verwaltungs-, Vertriebs- und Abschlusskosten nachvollziehbar ausgewiesen werden und die AGB verständlich sind. Dieses Kriterium, für Verbraucher ebenfalls wichtig, trug nur magere zehn Prozent zum Gesamtrating bei.

R+V triumphiert vor Allianz und DKV

Testsieger und damit Klassenprimus im Ranking wurde die R+V Versicherung. Für den Tarif "PflegeVorsorge comfort" gab es eine "exzellente" Bewertung. Ebenfalls die Bestnote "exzellent" erhielten sieben weitere Tarife. Auf Rang zwei landete der Münchener Versicherer Allianz mit „Allianz PflegetagegeldBest“, der sich wie der Tarif der R+V über alle bewerteten Kategorien hin über die Traumnote freuen darf. Der letzte Platz auf dem Siegerpodest gehört dem DKV-Tarif "Pflege Tagegeld PTG“. Sieben weitere Tarife erhielten eine "sehr gute" Bewertung aus dem Hause IVFP.

Versicherer mit schlechter Platzierung werden nicht veröffentlicht

Kritisch anzumerken ist zum Rating, dass das IVFP die Tarife der weniger gut platzierten Versicherer nicht veröffentlicht. Das ist ärgerlich, wenn man bedenkt, dass die Auswertung auch den Verbrauchern als Orientierung dienen soll. Auch fällt erneut auf, dass viele Anbieter sehr gut abschnitten. Die Flut positiver Ergebnisse bei solchen Anbieter-Vergleichen ist mehrfach kritisiert worden, auch bereits vom Versicherungsboten. Hierbei wäre zu erwähnen, dass die Versicherer ein "Qualitätssiegel" durch das Institut für Vorsorge und Finanzplanung erwerben können. Auf der Webseite des IVFP heißt es: "Nach erfolgreichem Rating können Sie als Unternehmen ein Qualitätssiegel erwerben, das sich hervorragend zu Marketingzwecken einsetzen lässt."

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Zudem bedingt die starke Gewichtung der „Teilbereichsnote Unternehmen“, dass große und international vernetzte Versicherer schon einen gewissen Startvorteil haben, etwa gegenüber Vereinen auf Gegenseitigkeit. Ob diese tatsächlich mehr Sicherheit und Stabilität bieten, wie dies die Studie indirekt behauptet, ist zumindest diskutabel.