Die Allianz hat eine neue Fahrradversicherung namens Allverta gestartet. Und vielleicht ist es nicht ganz korrekt, von einer neuen Police „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ zu schreiben oder von „Geheimniskrämerei“, wie dies aktuell exklusiv boerse-online.de berichtet. Denn es gibt eine Webseite für Allverta, auf der das Produkt beworben wird. Nur eben nicht mit der Zielgruppe Endkunde beworben — sondern an Fahrradhändler gerichtet.

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“Mit Fahrradhändlern für Fahrradhändler entwickelt“, so heißt es auf der Allverta-Webseite. Das ist auch das Geheimnis der Police. Die Fahrradversicherung ist nämlich ausschließlich erhältlich, wenn der Kunde ein neues Bike über bestimmte Rad-Händler kauft. Weder die Preise noch Vertragsbedingungen sind derzeit online einsehbar. „Ein potenzieller Kunde, der die Prämienhöhe und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen erfahren will, muss gegenüber dem Händler sein Interesse offenlegen. Dieser leitet ihm dann die Konditionen zu per Mail zu und schaltet den Kunden für einen Vertrag frei“, so berichtet boerse-online.de.

Es sei für die Zukunft geplant, dass Kunden die Police auch eigenständig abschließen können, heißt es von der Allianz. "Diese Möglichkeit wird momentan entwickelt, ist aber noch nicht fertig", lässt sich ein Konzernsprecher zitieren.

Tool für Fahrradhändler zur Kundenbindung

Die Allianz bewirbt Allverta bei Händlern mit zahlreichen App-Services, die den Fahrradkunden zurück in den Laden locken sollen.allverta.com Ärgerlich ist das eingeschränkte Angebot vor allem aus Sicht der Vertreter und anderer Vertriebskanäle. Diese sind bei Allverta bisher raus und können die Police nicht an ihre Kundinnen und Kunden vermitteln. Ganz neu ist das Prinzip freilich nicht. So kooperiert die Allianz bereits mit Autoherstellern wie Ford und deren Autohäusern, um exklusive Policen beim Autokauf anzubieten. Auch die Fahrradversicherung wird den Händlern als „supereinfache Kundenbindungslösung“ angepriesen: quasi als Extrabonbon, damit der Käufer die Treue hält.

Gelten jedoch Kfz-Policen über ein Autohaus oft als vergleichsweise teuer, so handelt es sich bei der Fahrradversicherung der Allianz um ein sehr interessantes Produkt. Das Portal boerse-online.de durfte in die Funktionsweise und Vertragsbedingungen von Allverta hineinschnuppern:

Der Preis des Vertrages ist demnach gestaffelt nach dem Wert des Fahrrades bzw. E-Bikes. Ein Rad bis 1.500 Euro lässt sich für 7,50 Euro versichern, eins für 3.000 Euro für 11,50 Euro, eins für 5.000 Euro für 16,00 Euro Monatsprämie. Die Staffelung geht rauf bis maximal 15.000 Euro Neuwert: Hierfür sind monatlich 41,00 Euro fällig.

Die Preise sind dabei im Markt absolut konkurrenzfähig, sogar auffällig günstig. Börse Online hat die Prämienhöhe mit einem Test von Fahrradversicherungen aus der Zeitschrift „Finanztest“ verglichen. Im Segment der Räder bis 1.500 Euro wäre Allverta sogar das günstigste Angebot am Markt, bei einem Wert bis 4.000 Euro immerhin das drittgünstigste. Hierbei gilt es zu bedenken, dass sich der Preis solcher Policen neben dem Wert des Rades oft am Wohnort orientiert.

Auf der Webseite wirbt Allverta unter anderem mit einem Kaskoschutz bei Unfall- und Sturzschäden am Fahrrad, mit Rund-um-die-Uhr-Deckung ohne Nachtzeitklausel, Schutz bei Fahrrad- und Teilediebstahl inklusive Fahrradzubehör, Schutz vor Vandalismus sowie einer europaweiten Deckung. Auch ist der Vertrag monatlich kündbar.

Versicherungsvertrieb im Nebengewerbe

Bei dem Vertriebsmodell setzt die Allianz bisher auf den sogenannten produktakzessorischen Vertrieb nach § 34d Absatz 8 Nr. 1 der Gewerbeordnung. Das sind Gewerbetreibende, die nicht hauptberuflich Versicherungen vermitteln und von der Erlaubnispflicht befreit sind, sich gleichwohl bei den Industrie- und Handelskammern registrieren müssen. Doch die Händler haben auch was davon: “Für jede aktive Versicherung erhältst du als Allverta-Händler eine attraktive Provision“, heißt es auf der Webseite des Anbieters.

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Viel tun muss der Fahrradhändler aber nicht. Die Webseite verspricht, der Vertrag sei "supereinfach" per Smartphone-App abschließbar, direkt beim Kauf des Bikes im Laden. "Du versicherst das neue Rad deines Kunden in weniger als fünf Minuten", schreibt der Versicherer. Der Kunde erhalte zudem eine Monatsrate geschenkt. Der Abschluss soll digital und "ohne lästigen Papierkram" möglich sein - eine Bestätigung des Vertragsabschlusses erhalte der Käufer sofort per Email zugesandt. Hier lässt sich jedoch fragen, ob der Händler auch über mögliche Nachteile des Vertrages aufklärt: siehe die folgende Seite.