Gehört es zum Zeitgeist, dass wir in Deutschland andere Meinungen nicht mehr vertragen? Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) beurteilte uns im vorigen Jahr sogar so: „Im Durcheinanderland herrscht schlechte Stimmung. Deutschland leidet unter einer Zerrüttung der Diskussionskultur und der Verschärfung im Umgangston.“ Bezieht sich die Autorin der NZZ eher auf die politische Diskussionskultur, so kommt man aber nicht umhin, Parallelen zu anderen Bereichen zu sehen. Denken wir nur an Bashing und Hate Speech in den sozialen Medien.

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Natürlich ist es nicht leicht Kritik an der eigenen Arbeit besonders bei der Beratung von Kunden auszuhalten. Der Makler merkt, dass sein gut vorbereitetes Konzept für den Kunden nicht aufgeht und sich der Kunde verabschiedet: „Ich überlege es mir und melde mich dann.“ Wir wissen, wie sowas ausgeht. Der Kunde kommt nicht wieder. Irgendetwas ist falsch gelaufen.

Selbstbewusst nach Feedback fragen

Nur wenige Makler holen sich vom Kunden in so einer Situation nach einer erfolgreichen Beratung ein Feedback ab oder bitten um eine Kunden-Empfehlung für ein Bewertungsportal. Es ist die Scheu vor Kritik am eigenen Arbeitsergebnis, in das man viel Mühe und Zeit gesteckt hat.

Der @AssekuranzDoc

Dr. Peter Schmidt ist Experte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als @AssekuranzDoc.

Dass wir auf kritische Äußerungen oder Postings spontan mit einer Abwehrhaltung reagieren, ist nur zu menschlich. Das gilt besonders für Makler, die als Einzelunternehmer häufig nur vom Eigenbild leben und selten Kollegen oder Kunden nach Feedback fragen. Dabei ist es doch das Normalste von der Welt, dass es unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungshorizonte und Emotionen gibt.

Nur wer seine Kunden nach Feedback fragt, es per Bewertungsplattform oder Feedbackbogen aufschreiben lässt, der wird die Argumente seiner Kunden verstehen und auch nachvollziehen können. Menschen sind unterschiedlich im Denken und Handeln. Deshalb wird es immer Fälle geben, wo eine gute Beratung, ein guter Vortrag oder auch tolles Konzept einmal nicht gut ankommt und die Kritik entsprechend harsch sein kann. Wer offen für die Meinung des Gegenübers ist, kann nur lernen.

Mit Kritik umgehen, kann man lernen

Natürlich tut Kritik weh, wenn diese unsachlich oder emotional verstärkt vorgetragen wird. Deshalb ist es ein guter Rat, zunächst einmal eine gewisse Distanz zu den emotionalen Aspekten der Kritik aufzubauen. Dann gilt es den rationalen Kern der Kritik zu erkennen und zu analysieren. Allein schon der Versuch sich in die Situation des anderen zu versetzen, kann hier weiterhelfen.

Wenn Sie als Unternehmer ihre Arbeit regelmäßig selbst kritisch hinterfragen, dann können Sie auch mit dem Feedback anderer Menschen besser umgehen. Dann entwickeln Sie eine positive Routine kritische Bemerkungen zu hinterfragen, ohne gleich in die Luft zu gehen. Die Fähigkeit zur Selbstkritik verbessert auch die Fähigkeit Fehler zu beheben.

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In großen Unternehmen werden nicht umsonst externe Berater regelmäßig engagiert, um Schwachstellen zu erkennen, Kritik zu üben und Vorschläge zur Verbesserung zu erarbeiten. Und alle zwei oder drei Jahre gibt es andere Herausforderungen, die nicht allein mit dem Selbstbewusstsein des/der Unternehmer und deren schönem Selbstbildnis zu bewältigen sind.