Mythos 4: Den Bestand auslaufen zu lassen bringt mehr als ein Verkauf oder eine Verrentung

Bereits an anderer Stelle habe ich jedoch beschrieben, welche Risiken mittelfristig damit einhergehen. Insbesondere bleiben die Betreuungs- und Weiterbildungspflichten bestehen. Durch die Tücken regulatorischer Anforderungen wie die DSGVO besteht zudem das Risiko drakonischer Strafen. Und auch die digitale Konkurrenz wartet nur darauf, unbetreute Kunden zu übernehmen. Angesichts immer anspruchsvoller werdender Kunden gefährdet das die Courtagen am meisten.

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Fazit: Einen sorglosen Ruhestand gibt es nicht für diejenigen, die ihre Bestände auslaufen lassen. Ab einem gewissen Alter überwiegen typischerweise die Risiken die Vorteile. Als Makler sollte man ehrlich zu sich selbst sein und einsehen, wenn dieser Punkt erreicht ist.

Mythos 5: Die Rente ist nicht sicher: Wer seinen Bestand gegen Rente veräußert, geht ein hohes Risiko ein

Rentenmodelle in der Bestandsnachfolge wurden zuletzt zunehmend kritisch bewertet. Ist die Rente wirklich ein reiner Marketinggag von auf den Verkauf spezialisierten Anbietern? Schmelzen die Renten schnell ab, weil sich Käufer nicht um die Kunden kümmern? Und was ist überhaupt, wenn der Rentenanbieter in die Insolvenz rutscht?

Wer die Barwerte von Modellrechnungen vergleicht, kommt schnell zu dem Ergebnis, dass sich selbst unter konservativen Annahmen die Verrentung für kleinere Versicherungsmakler deutlich attraktiver ist. Über die Rente erzielt der Versicherungsmakler im Laufe der Zeit leicht das Vielfache des Werts, den er gegen Einmalzahlung erhalten würde - selbst wenn es einen gewissen Bestandsabrieb gibt. Und wer sich in der Nachfolge für ein Maklerunternehmen entscheidet, das sowohl eine online- als auch offline-Betreuung sicherstellen kann, dürfte in jedem Fall von seinem Bestand noch viele Jahre profitieren.

Das heißt nicht, dass die Rente das Richtige für jeden Verkäufer ist. Wer sofort Cash benötigt, sollte sich für den Unternehmensverkauf entscheiden. Wer einen Kundenstamm betreut, der Beratungsgespräche im heimischen Wohnzimmer wertschätzt, sollte lieber einen regionalen Nachfolger suchen, statt an einen der bundesweit agierenden Rentenanbieter zu verkaufen. Für größere Unternehmen mit zahlreichen Gewerbekunden gilt das gleichermaßen. Kleinere Makler abseits der Metropolregionen warten oft aber vergeblich auf attraktive Angebote. Hier ist die Lebensrente eine echte Alternative, wie unser Modellrechner illustriert.

Es gehört übrigens ebenfalls ins Reich der Mythen, dass sich schnell pauschale Aussagen fällen lassen, welches Modell für welche Unternehmensform geeignet ist. Zeit ist deshalb der entscheidende Faktor in der Ruhestandsplanung. Wer sich rechtzeitig kümmert, kann sämtliche Optionen ausgiebig vergleichen.

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Philipp Kanschik ist verantwortlicher Projektleiter und Experte für Bestandsübernahmen in der Policen Direkt-Gruppe. Die Gruppe übernimmt Maklerunternehmen in Nachfolgesituationen gegen eine Lebensrente und führt diese weiter, um eine deutschlandweite Maklergruppe aufzubauen.