Versicherungsbote: Das Thema Altersvorsorge steht im Fokus der öffentlichen Diskussion. Wird dabei etwas übersehen?

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Charles Neus: Es wird noch immer viel über die staatliche Rente diskutiert. Damit bleibt ein wichtiger Aspekt der Altersvorsorge außen vor: die zusätzliche, private Altersvorsorge. Viele Menschen begehen einen schlimmen Irrtum. Sie glauben, die staatliche Rente allein reiche aus, um im Alter sorgenfrei zu leben. Jedoch sind die Einkünfte im Ruhestand oft niedriger als erwartet: 65 Prozent ihres letzten Gehalts erhalten Rentner im Schnitt, benötigen aber weitaus mehr. Denn die Ausgaben in der Ruhestandsphase sind höher, als die meisten annehmen. Das zeigt die Schroders Global Investor Study 2018, für die wir mehr als 22.000 Anleger aus 30 Ländern befragt haben.

Was ist die Lösung?

Früh mit der Altersvorsorge anfangen. Denn nur mit einem zusätzlichen Einkommen kann man den Ruhestand genießen und sich noch den einen oder anderen Wunsch erfüllen. Aber auch für sich verändernde Bedürfnisse sollte die Geldanlage geeignet sein, sei es ein altersgerechter Umbau des Hauses oder etwas Gutes für die Enkel.

Viele Deutsche legen dafür ihr Geld in Lebensversicherungen an oder halten es auf Sparbüchern…

… was angesichts von Niedrigzinsen, steigender Inflation und immer teurer werdenden Garantien selten eine gute Idee ist. Hier befindet sich die Politik schon auf dem richtigen Weg, etwa mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz. Dieses regelt, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich dafür entscheiden können, auf eine Garantie bei der Verzinsung der Beiträge zu verzichten. Zugesagt werden dann nur noch die eingezahlten Beiträge. So wird der Ertrag der Einlagen davon abhängig, welche Wertentwicklung an den Kapitalmärkten damit erwirtschaftet wird.

Erfreulicherweise ist unter deutschen Anlegern ein allmähliches Umdenken weg von Garantien und hin zu Fondsanlagen zu beobachten. Leider herrscht aber immer noch große Scheu, wenn es darum geht, das eigene Geld in die Kapitalmärkte zu investieren – zu groß ist die Angst vor Verlusten. Wir fordern aber: Raus aus der Komfortzone!

Die Schwankungen an den Märkten haben zugenommen. Wie gewährleistet man, dass Anleger ihr Geld nicht wieder verlieren?

Der Trick heißt Risikostreuung und -kontrolle. So können Anleger an steigenden Kursen teilhaben, ohne sich ständig um Risiken sorgen zu müssen.

Welche Methoden gibt es, um hohe Verluste zu verhindern?

Dazu gibt es mehrere Wege. Zum einen kann man das Risiko über Anlageklassen, Regionen und Sektoren breit streuen, am besten durch Investments in Bereiche, die wenig miteinander korrelieren. So führt ein Kurssturz in einem Bereich nicht sofort dazu, dass auch alle anderen Investments an Wert verlieren.

Wie viel Risiko sollte man bei einer solchen Geldanlage eingehen?

Zunächst einmal sollten wir voranstellen: Wem die Expertise an den Märkten fehlt, der ist mit einem aktiv gemanagten Fonds am besten bedient. Welchen man sich aussucht, das hängt ganz vom individuellen Anleger ab, denn es gibt unterschiedliche Strategien für unterschiedliche Bedürfnisse. Ein Anleger sollte sich fragen: Wie hoch ist meine Risikoneigung? Wie lang ist mein Anlagehorizont? Fange ich gerade mit dem Sparen an und muss erst Kapital aufbauen? Oder habe ich mir schon ein Vermögen angespart oder eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommen und möchte nun mein Geld vor der Inflation schützen? Ist letzteres der Fall, sollte man eher risikoarm anlegen. Ist der Anlagehorizont dagegen länger, können mehr Wertschwankungen in Kauf genommen werden, weil sich diese langfristig aufheben.

Wie können Menschen ohne Vermögen fürs Alter vorsorgen?

Für jüngere Sparer gibt es Fondssparpläne. Hier werden mit einem monatlichen Betrag – schon ab 25 Euro im Monat – Anteile an einem oder mehreren Fonds erworben. Aber auch hier gilt: Die Fondsauswahl sollte nach den individuellen Bedürfnissen erfolgen.

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Die Fragen stellte Jenny Müller