Leisten die Berufsunfähigkeits-Versicherer schnell und transparent, wenn ein Betroffener einen Antrag auf Leistung stellt? Oder verweigern sie oft zu Unrecht eine Leistung, um ihre Kunden in lange Rechtsstreite zu verwickeln? Diese Frage wird auch in der Branche teils kontrovers diskutiert. Die Marktwächter Finanzen haben nun eine Umfrage unter Verbrauchern ausgeschrieben, die Daten zu den BU-Leistungsquoten liefern soll. Dabei soll mit Hilfe einer repräsentativen Befragung unter BU-Versicherten, die formal einen BU-Leistungsantrag gestellt haben, ermittelt werden, ob und in welcher Weise die Versicherten eine Versicherungsleistung erhalten haben.

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Missstände vermutet?

Der Marktwächter habe die Aufgabe, „Entwicklungen im Finanzmarkt systematisch zu beobachten, zu analysieren, frühzeitig Missstände zu erkennen und Lösungen aufzuzeigen“, heißt es im Ausschreibungstext für die Studie. Für Versicherungen ist dabei die Verbraucherzentrale Hamburg zuständig. Indirekt deutet die Verbraucherzentrale damit an, dass sie Fehlentwicklungen im Leistungsverhalten vermutet. Wenn sich Meinungsforscher für den Auftrag bewerben wollen, können sie sich bis zum 07.09.2018 auf der Ausschreibe-Webseite des Bundes bewerben.

Durchgeführt werden soll die Studie in einem Methodenmix, um möglichst detaillierte Infos zu erhalten, zum Beispiel als repräsentative Onlinebefragung in Kombination mit einer bundesweiten Paper & Pencil-Befragung. Soll heißen, zusätzlich zu den Online-Fragen werden schriftliche Fragebögen an Betroffene gesendet, mit denen vertiefend abgefragt wird, wie sich die Versicherer konkret im Leistungsfall verhalten haben. Das Ende der Umfrage soll am 31.12.2018 erreicht sein.

Mit der Umfrage reagieren die Marktwächter auf den Umstand, dass kaum valide Erhebungen zum Leistungsverhalten der BU-Versicherer vorliegen, die auch die Verbraucherperspektive berücksichtigt. Zwar argumentiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass über 77 Prozent aller Leistungsanträge problemlos bewilligt werden. Hauptgrund für abgesagte Leistungen sei darüber hinaus, dass sich der Versicherte nicht mehr melde und auf Anfragen nicht mehr antworte: etwa, weil sich sein Zustand gebessert habe und er wieder arbeiten gehen könne.

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Die Transparenz dieser Lobbyverbands-Statistiken wurde jedoch wiederholt angezweifelt, unter anderem vom Beratungshaus PremiumCircle. So gebe es deutliche Unterschiede im Regulierungsverhalten einzelner Versicherer, über die Verbraucher aber nicht informiert werden, klagen die Berater (der Versicherungsbote berichtete). Teils beruhen die Statistiken zudem auf freiwilligen Angaben der Unternehmen.