Versicherungsbote: Sie betreiben Deutschlands ersten reinen Stellenmarkt für Versicherungen. Wie kamen Sie dazu? Und wie wird das Angebot angenommen?

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Hans Steup: Nach fast zwanzig Jahren bei der Allianz suchte ich eine neue Beschäftigung. Als KV-Vertriebs-Unterstützer in Berlin keine leichte Aufgabe. Zum einen schreiben viele Unternehmen ihre Jobs nicht aus. Keine Ahnung, wie sie eigentlich gefunden werden wollen. Zum anderen rufen ahnungslose Personal-Vermittler an, suchen einen KV-Sachbearbeiter, meinen aber einen Kfz-Versicherungs-Sachbearbeiter. Es war ein riesiges Durcheinander. In meinen Gesprächen mit Arbeitgebern kam heraus, dass auch die Unternehmen genervt waren von der komplizierten Suche nach Mitarbeitern. Ein zentraler Stellenmarkt für die Versicherungsbranche musste also her.

Welche Wege empfehlen Sie Finanzdienstleistern (darüber hinaus), um Mitarbeiter zu gewinnen? Hat die klassische Stellenanzeige ausgedient?

Stellenanzeigen sind oft das erste, was ein möglicher Mitarbeiter von Ihrem Unternehmen sieht. Klassische Stellenanzeigen lesen sich allerdings wie Bedienungs-Anleitungen. Sterbenslangweilig. Teilweise unverständlich. Darauf bewirbt sich niemand mehr. Miese Stellenanzeigen schrecken gute Mitarbeiter sogar ab. Denn diese haben die freie Wahl. Nur eine Story-basierte Stellen-Ausschreibung gibt möglichen Kandidaten ein Gefühl dafür, wie es ist, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten. Alles andere ist wirkungsloses Blabla.

Wo können Finanzdienstleister denn gezielt proaktiv suchen, um neue Mitarbeiter für den Versicherungsvertrieb zu finden? Gibt es Plattformen, die Sie empfehlen können – oder gar Geheimtipps?

Hans Steup, Gründer der Plattform versicherungskarriere.de(c) Hans Steup /versicherungskarriere.de Es gibt keine Plattform, auf der Sie gezielt Versicherungs-Vermittler finden können. Bei einer Fluktuation von circa zehn Prozent in der Branche sucht auch nur einer von zehn aktiv Arbeit auf Jobbörsen. Wie erreichen Sie die anderen neun, die nicht aktiv suchen? Mögliche Kundenberater, Agenturpartner und Nachfolger sitzen bundesweit verstreut in tausenden Versicherungsbüros. Dort müssen Sie Leute finden, die in irgendeiner Weise unzufrieden sind. Und die sich bei einem verlockenden Angebot vorstellen können, ihren jetzigen Job zu kündigen und zu Ihnen zu wechseln. Zum Beispiel über Facebook-Jobanzeigen. Wenn Sie dabei systematisch vorgehen, kann Ihnen auch die erweiterte Suche bei Xing helfen.

Sie empfehlen, Stellen auch via Social Media zu bewerben. Wie gewinnt man dort Mitarbeiter? Es langt ja nicht einfach, eine gute und beeindruckende Facebook- oder Xing-Seite zu haben – sie muss von der Zielgruppe auch entdeckt werden!

Eine Seite bei Facebook oder Xing zu haben, bringt gar nichts, wenn Sie nicht regelmäßig und gezielt Beiträge schreiben. Denn die organische Reichweite einzelner Beiträge über eine Facebook-Firmen-Seite sinkt seit Jahren. Mark Zuckerberg kündigte an, dass sich dieser Trend in 2018 verstärke. Nur mit zielgerichteter Bezahl-Werbung erreichen Sie die Menschen, die Sie erreichen wollen. Trotz allem war es für Unternehmen nie zuvor einfacher und preiswerter, Menschen zu erreichen. Schreiben Sie auch in Facebook-Gruppen: hilfreiche Kommentare und Beiträge, die die Mitglieder der Gruppe, bestenfalls Ihre Zielgruppe, weiterbringen.

„Festigen Sie Ihren guten Ruf“, heißt einer Ihrer Ratschläge, um neue Mitarbeiter zu überzeugen. Wie kann das aussehen? Hierbei gilt es ja auch zu bedenken, dass die Vermittler- und Finanzbranche allgemein ein eher negatives Image hat.

Das Image haben wir selbst verzapft. Mit manch` schlecht ausgebildeten Vermittler und einigen gierigen Führungskräften. Mein Selbstmitleid hält sich in Grenzen. Um negative Schlagzeilen müssen wir uns nicht kümmern. Dafür gibt es Verbraucherschützer, ZDF-WISO und unterbeschäftigte Zeitungs-Redakteure. Wir müssen für schöne Schlagzeilen sorgen. Und zwar selbst. Versicherer zahlen jedes Jahr rund 208 Milliarden Euro an Leistungen. Das sind alle zehn Minuten vier Millionen Euro für verletzte und kranke Menschen, überschwemmte Wohnhäuser und abgebrannte Lagerhallen. Das müssen wir den Menschen erzählen: die Motivation, warum wir Versicherungen verkaufen. Auf unseren Webseiten und bei Facebook. Jeden Tag.

Makler, Finanzberater oder Vertriebsleiter müssen auch gute Verführer sein, schreiben Sie auf Ihrer Webseite. Was meinen Sie damit? Was zeichnet einen guten Verführer aus – und wozu muss er „verführen“?

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Verführung läuft in drei Stufen: Kennen lernen, lieben lernen, haben wollen. In genau dieser Reihenfolge. Viele Arbeitgeber sind schlechte Verführer und benehmen sich wie ein Mann, der auf der Straße wildfremde Frauen fragt, ob sie ihn heiraten wollen. Kandidaten wollen wissen: Wie ist das Unternehmen so? Passt es zu mir? Wie hilft es mir, meinen Job gut zu machen? Zeigen Sie das potentiellen Kandidaten.