Wenn sich der Versicherungslobbyverband GDV kritisch zu Riester äußert, ist Aufhorchen angesagt: Schließlich hat der Verband in den letzten Jahren immer wieder mit euphorischen Worten die Riester-Rente gelobt und verteidigt. Doch genau diese kritischen Worte findet nun Jörg von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Versicherer, in seiner aktuellen Kolumne. Dabei versucht er den Spagat, die Riester-Rente einerseits als Erfolgsgeschichte darzustellen - und andererseits zwischen den Zeilen zu bestätigen, dass sie die Erwartungen aktuell nicht erfüllen kann.

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"Reform der Riester-Rente überfällig"

In seinem Kommentar begrüßt von Fürstenwerth das Vorhaben der Bundesregierung, die Riester-Rente zu reformieren. Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag ihre Absicht bekundet, das Gespräch mit der Versicherungsbranche zu suchen, um ein einfaches und standardisiertes Riester-Produkt zu schaffen.

Eine der großen und ungeklärten Fragen bei einer möglichen Riester-Reform würde jedoch lauten, was der Kunde überhaupt von der Riester-Rente erwarte, argumentiert von Fürstenwerth. „Gewiss weniger Komplexität, deutlich weniger Bürokratie und Fairness“, so sein Fazit. Bei Fairness gehe es vor allem um die Frage, was die Garantie der eingezahlten Beiträge sowie die Rendite betreffe.

Fürstenwerth betont dabei, dass die Riester-Rente durchaus erfolgreich sei. „Mit 16,5 Millionen Verträgen ist die Riester-Rente allen Unkenrufen zum Trotz das erfolgreichste freiwillige Vorsorgeinstrument in Deutschland“, schreibt der Versicherungslobbyist. Kein anderer Vertragstypus in Deutschland habe eine derart hohe Verbreitung gefunden, in Ausland nur obligatorische Modelle wie etwa die Prämienrente in Schweden.

Hier erinnert von Fürstenwerth daran, dass ursprünglich eine Riester-Pflicht angedacht gewesen sei, als die Regierung unter Gerhard Schröder die Riester-Rente einführte: Jeder Bürger hätte dann einen Vertrag abschließen müssen. Nach teils heftiger Kritik in den Medien hätte die Politik vor einer „Zwangsrente“ zurückgeschreckt, schreibt der GDV-Funktionär. Unter anderem hatte die BILD-Zeitung auf ihrer Titelseite am 22. Juni 1999 vor einer "Zwangsrente Riester" gewarnt, die eine "Wutwelle" der Bevölkerung zur Folge habe.

“Wir brauchen mutige Vereinfachung"

Trotz des Lobes muss auch der Versicherunslobbyist eingestehen, dass sich Riester nicht wie gewünscht entwickle, weil schlicht zu wenige Menschen riestern. Wobei er auch hier die Zahlen relativiert. Ein Gutachten des Sachverständigenrates der Bundesregierung, durchgeführt 2015 am Max-Planck-Institut München, habe ergeben, dass die meisten Bürger bereits mittels anderer Verträge ausreichend für das Alter abgesichert seien.

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So hätten laut Studie 70 Prozent aller deutschen Haushalte eine Riester-Rente oder eine betriebliche Altersvorsorge abschlossen, insgesamt seien 78 Prozent der Bürger ausreichend abgesichert, weil sie auch mit Aktien, Immobilien etc. vorsorgen. Allerdings war auch diese Studie auf Kritik gestoßen. So hatte unter anderem die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung kritisiert, die Wirtschaftsweisen würden die Gefahr der Altersarmut verharmlosen. Viele Beschäftigte seien selbst dann nicht ausreichend versorgt, wenn sie zusätzlich sowohl privat als auch betrieblich vorsorgen.