Wenn etwa eine junge Frau im Alter von 25 Jahren 42 Jahre lang fürs Alter sparen und eine Garantie für ihre eingezahlten Beiträge haben will (oder haben muss, weil die Riester-Regeln es vorschreiben), dann müssen zwei Drittel ihrer Beiträge in bombensicheren Anleihen investiert werden. Von 100 Euro Sparrate pro Monat fließen in diesem Falle 66 Euro in Staatsanleihen bester Bonität. Um diese 66 Euro von dem Zwang zur Anleihe zu „befreien“, müsste der Gesetzgeber zum Beispiel die Riester-Rente von der Pflicht zur Beitragsgarantie befreien. Ähnlich übrigens, wie es die Nahles-Rente (offiziell Sozialpartner-Modell) für Betriebsrenten bereits vorsieht.

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25 Jahre jung, 100 Euro Sparrate, davon 66 Euro einbetoniert

Von Garantien befreit hätte die Nahles-Rente systematisch gesehen einen echten Rendite-Vorsprung. Zurück zu der jungen Sparerin. Die Rechnung mit den hohen Anteilen (66 von 100 Euro) für die Beitragsgarantie macht die Frankfurt School of Finance & Management (FSFM) auf. Man kann aber auch selbst rechnen, nimmt man einen finanzmathematischen Rechner zur Hand. Bleiben wir bei dem Beispiel der jungen Frau, 25, die fürs Rentenalter 67 spart. Sie nimmt 100 Euro in die Hand und schickt das Geld jeden Monat an ihren Versicherer, der sie mit einer als modern und rentabel beworbenen Indexpolice zum Sparen motiviert.

42 Jahre oder 504 Monate lang zahlt die Frau in ihren Vertrag ein. In Summe 50.400 Euro. Will sie dieses Geld garantiert wieder zurückbekommen, dann muss ihr Versicherer oder ihr Fonds auf Nummer Sicher gehen und Staatsanleihen kaufen. Mit zurzeit 1,86 Prozent garantiert, bekommt die Frau nach 42 Jahren die eingezahlten 50.400 Euro wieder heraus. Hierfür muss sie jeden Monat 66 Euro aufwenden. Vor wenigen Jahren hätten zur Finanzierung und Sicherung des Beitragserhalts 13 Prozent oder hier im Beispiel 13 Euro genügt, hat die FSFM laut einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) errechnet.

Historisch übliche Aktienrendite acht Prozent

Die Hochschule rechnet hier im Vergleich mit knapp 8,0 Prozent Rendite, laut der Zeitung die „historisch übliche Rendite“ eines „breit gestreuten Aktienkorbs deutscher Aktientitel“. Von den 100 Euro Sparbeitrag unserer Beispiel-Sparerin können wegen der Beitragsgarantie, die 66 Euro für Anleihen fordert, lediglich 34 Euro in höher verzinsliche Anlagen oder erwartungsgemäß höher rentierliche Anlagen, Aktien etwa, fließen. 34 Euro pro Monat 42 Jahre mit 5,0 Prozent (Aktien) verzinst brächten der Anlegerin weitere 58.000 Euro.

Fondsanteil minimal – Cash-Lock maximal

Zusammen mit ihren Beiträgen von 50.400 Euro kommen für die Frau zum Rentenbeginn 67, nach 42 Jahren, gut 108.000 Euro heraus. Im Mittel entspricht das einer Rendite von 3,0 Prozent. Mit der „historisch übliche Rendite“ (siehe oben) von rund 8,0 Prozent gerechnet, käme unsere Muster-Sparerin nach 42 Jahren und 100 Euro Rate/Monat auf mehr als 400.000 Euro Kapital-Endstand. Die Sicherheit ihres eingezahlten Kapitals kostet die Frau am Ende sage und schreibe fast 300.000 Euro Vermögensunterschied.

Nachrichtlich: Bei einem 40-Jährigen, der 100 Euro spart, gehen knapp 77 Euro für die Beitragsgarantie drauf. Lediglich 23 Euro oder 23 Prozent landeten sodann in fortschrittlich tollen, kostengünstigen und rentablen Indexfonds, die die Versicherer aktuell bewerben. Bei einem 45-Jährigen würden gar 85 von 100 Euro Sparbeitrag in Anleihen zu 1,86 Prozent in Anleihen „einbetoniert“ – neudeutsch der so genannte Cash-Lock.

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Nahles’sche Mehr-Rendite unter Ausschluss der Versicherer?

Für Zauderer und Pessimisten: Bei lediglich 6,0 Prozent (Aktien-)Rendite kämen mit knapp 230.000 Euro immer noch gut 120.000 Euro mehr heraus als bei der Garantievariante mit 108.000 Euro Endkapital. Auch die FAZ bezeichnet in ihrem Beitrag 100 Prozent Aktienquote als „Extrembeispiel“, sagt aber im Hinblick auf Beitragsgarantien: „Es gibt in der Historie keinen Zeitraum von zwanzig Jahren, in denen ein breit gestreuter Aktienkorb deutscher Titel einen Verlust erbracht hätte“. Kurzum: Die Nahles-Rente, das Sozialpartner-Modell, könnte, von Garantie-Fesseln wie etwa bei Riester befreit, mehr Rendite für die Sparer abwerfen. Unter Ausschluss der Versicherer?