Versicherungsvermittler werden sich in Zukunft weiterbilden müssen – so schreibt es die EU-Vertriebsrichtlinie IDD vor. Zunehmend zeigt sich, dass die Weiterbildungs-Initiative „gut beraten“, initiiert durch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), nicht die alleinige Antwort auf die Weiterbildungspflicht sein kann.

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Bisher hat zwar jeder zweite Vermittler (54 Prozent) ein entsprechendes Weiterbildungskonto eingerichtet. Aber 2016 stieg die Zahl der neuen Konten weniger deutlich als in den Jahren zuvor. Acht von zehn Vermittlern, die an „gut beraten“ partizipieren, sind Ausschließlichkeitsvertreter. Seit April 2014 können sich Vermittler für "gut beraten" registrieren lassen.

Knapp 10.000 neue Weiterbildungskonten im Jahr 2016

Zum Stichtag 31. Dezember besaßen exakt 123.046 Vermittler ein Weiterbildungskonto bei „gut beraten“, wie die Initiative in einer Pressemeldung berichtet. Damit wurden seit Jahresbeginn knapp 10.000 neue Konten eingerichtet, was einen Zuwachs um 8,7 Prozent bedeutet.

Im Pressetext heißt es hierzu: „Die hohe Akzeptanz der freiwilligen Initiative bei den Vermittlern werten die Träger – sieben Branchenverbände und die Gewerkschaft ver.di – als bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur Stärkung der Professionalität des Berufsstands“. Allerdings wuchs "gut beraten" deutlich langsamer als in den Jahren zuvor. Hatten sich 2014 noch etwa 88.600 Vermittler registriert, waren es 2015 immer noch mehr als 24.600 Vermittler.

Gut beraten wächst weiter - aber deutlich langsamer. Quelle: gutberaten.de

Versicherungsmakler partizipieren weniger

Untersucht man die Akzeptanz hinsichtlich der einzelnen Vertriebskanäle, zeigt sich speziell bei Versicherungsmaklern eine Lücke. Der Wille zur Teilnahme an der Initiative ist bei ihnen weit geringer ausgeprägt. 19.181 Makler nehmen an „gut beraten“ teil – das entspricht knapp 41 Prozent aller derzeit tätigen Versicherungsmakler in Deutschland.

Deutlich unterschritten wurde in diesem Jahr auch die Zahl der angestrebten Weiterbildungspunkte. Im Schnitt hat 2016 jeder teilnehmende Vermittler rund 35 Weiterbildungspunkte gesammelt, was einem Aufwand von 26,12 Zeitstunden im Jahr entspricht. Damit wird die Zielvorgabe von 40 Zeitpunkten erstmals unterschritten.

Gründe für das Unterschreiten des Zielwertes werden im Pressetext nicht genannt. Eine gesetzliche Pflicht für Vermittler zur Weiterbildung besteht aktuell noch nicht. Sie soll aber in Kraft treten, sobald die EU-Richtlinie IDD in nationales Recht übersetzt wurde. Die Richtlinie legt eine Dauer von 15 Zeitstunden pro Jahr mindestens fest. Den Mitgliedstaaten ist freigestellt, hierüber hinauszugehen.

Beteiligung an "gut beraten" nach Vermittlerstatus

Kritik an „gut beraten“ speziell von Maklern

Kritik wurde in den letzten Jahren von Maklern an den Inhalten der Weiterbildung laut. Denn was gelehrt wird, legen zum Großteil die beteiligten Versicherer fest. Dies nährt den Verdacht, dass die Weiterbildung nicht unabhängig von den Produktgebern erfolgt. Gerade für Versicherungsmakler ist das ein Problem. Sie sind Sachverwalter ihrer Kunden und eben nicht der Versicherer.

So sagte André Klotz, Geschäftsführer des Maklerpools VFV - Der Sachpool, im Interview mit dem Versicherungsboten: „Die Brancheninitiative „gut beraten“ ist keine Brancheninitiative, sondern eine Initiative von Versicherungsunternehmen. Nachdem „gut beraten“ jetzt einige Zeit läuft, wissen wir, dass diese Initiative der Weiterbildung mehr schadet als nützt. Leider legen die meisten der teilnehmenden Vermittler nur noch Wert auf die Bewertung durch Weiterbildungspunkte und nicht mehr auf den Inhalt der Weiterbildung.“ Es sei nicht auszuschließen, dass Weiterbildungen auch für Produktschulungen vergeben werden.

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Nicht alle Maklervertreter schätzen die Initiative derart kritisch ein. So ist der "Verband Deutscher Versicherungsmakler e.V." (VDVM) ein Träger der Initiative.