Laut einer aktuellen Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) muss sich Deutschland in den kommenden Jahren zunehmend auf teure Hochwasserschäden einstellen. Demnach könnten sich die Schäden bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,5 Milliarden Euro summieren – pro Jahr. Das teilte die Forschungseinrichtung am Dienstag mit, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

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Forscher korrigieren frühere Schätzungen – zum Schlechteren

Für die Studie haben die Forscher etwa 5.500 Abschnitte der Flüsse Rhein, Donau, Elbe, Weser und Ems unter die Lupe genommen. Die untersuchten Flussabschnitte wurden dann anhand verschiedener Klimaszenarien durchgespielt. Als Konsequenz fiel das Fazit der Ökologen weit pessimistischer aus als bei einer vergleichbaren Untersuchung vor zwei Jahren, als man noch jährliche Schäden von 1,5 Milliarden Euro prognostiziert hatte.

„Die neuen Computersimulationen berücksichtigen eine viel größere Bandbreite an Klimaentwicklungen“, erklärt PIK-Klimaexperte Fred Hattermann den Unterschied zu früheren Untersuchungen. Den verschiedenen Szenarien liegen demnach Temperaturerhöhungen von 1,5 bis 4,5 Grad bis zum Jahr 2100 zugrunde. „Trotz gewisser Unsicherheiten bei solchen Simulationen ist in allen Projektionen ein Anstieg der Schäden festgestellt worden“, so Hattermann.

Kommunen schlecht vorbereitet

Besonders stark könnten die Schäden bis zum Jahr 2040 steigen, erklärt der Experte, und das hat auch mit früheren Fehlentwicklungen zu tun. Viele Überflutungsgebiete entlang der Flüsse sind stark besiedelt und schlecht auf Klimaextreme vorbereitet, kritisiert Hattermann. Notwendig sei einerseits ein besserer Katastrophenschutz entlang der Flüsse. Andererseits müssten auch die Bürger und Kommunen besser vorsorgen und sich stärker auf Überschwemmungsschäden einstellen.

So müsste bei der Bebauung entlang der Flüsse stärker als bisher eine EU-Richtlinie berücksichtigt werden, nach der flutgefährdete Risikogebiete auszuweisen sind – und entsprechend nicht bebaut werden dürfen. Auch seien Frühwarnsysteme und Katastrophenmanagement in vielen Kommunen nicht optimal entwickelt. Hausbesitzer können sich mit einer Elementarschadenversicherung entsprechend absichern.

Auch GDV wirkt an Forschungen mit

Die Studie baute auf einer früheren Untersuchung auf, die das Potsdamer Institut im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchgeführt hatte. Bereits die 2011 veröffentlichte Untersuchung kam zu dem Schluss, dass sich die Schäden bis zum Ende des Jahrhunderts -je nach Szenario- verdoppeln bis verdreifachen können.

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„Forschung ist nie ein einzelner abgeschlossener Vorgang, sondern ein Prozess. Als Wissenschaftler stellen wir unsere Arbeit deshalb kontinuierlich selbst auf die Probe, mit dem Ziel noch robustere Ergebnisse zu erzielen“, sagt Ko-Autor Peter Hoffmann vom PIK. Die früheren Schätzungen seien zu konservativ gewesen.

PIK Potsdam / dpa